Horizonte-Programm erfolgreich übergeben

Künftig begleitet die Claussen-Simon-Stiftung Lehrkräfte mit Migrationshintergrund auf ihrem Weg in den Beruf

Anlässlich der erfolgreichen Verstetigung des Horizonte-Programms in Hamburg fand am 20.4.2016 in den Räumen der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung ein Gespräch statt. Anwesend waren Katharina Lezius, die Projektleiterin von Horizonte der Hertie-Stiftung, und Dr. Regina Back, die Geschäftsführerin der Claussen-Simon-Stiftung, die in Hamburg das Programm fortführen wird.

(v.li.) Dr. Regina Back (Geschäftsführerin der Claussen-Simon-Stiftung), Constanze Wehner (Wiss. Mitarbeiterin, Claussen-Simon-Stiftung), Christine Geupel (Programmleitung, Claussen-Simon-Stiftung), Katharina Lezius (Projektleiterin, Hertie-Stiftung), Daniela Becker (Horizonte-Programm, Hertie-Stiftung)

Das Horizonte-Programm für angehende Lehrkräfte wurde 2008 von der Hertie-Stiftung ins Leben gerufen und hat seitdem zahlreiche Lehrkräfte in ihrer Ausbildung begleitet. Worauf zielt das Programm ab? 

Katharina Lezius: Ziel des Horizonte-Programms war und ist es, besonders engagierte und begabte angehende Lehrkräfte mit Migrationsbiografie auf ihrem Weg in den Beruf zu fördern. Vor dem Hintergrund, dass es in Deutschland inzwischen rund 30-40%, an manchen Standorten sogar bis zu 90%, Kinder mit Migrationsbiografie in den Schulen gibt und der Anteil der Lehrkräfte mit Migrationserfahrung zwischen 3-6% geschätzt wird, haben wir da Entwicklungsbedarf gesehen und sehen ihn nach wie vor. Das Programm ist ein stärkenorientiertes Begabtenförderprogramm, das heißt, wir fördern finanziell und ideell, kooperieren eng mit lehrerbildenden Hochschulen, setzen aber auch Impulse in und für die Lehrerbildung. Und ich glaube, einen gesellschaftlichen Impuls zu setzen, ist uns mit dem Programm tatsächlich auch gelungen.

Das Programm läuft nun nach diesem Jahrgang bei der Hertie-Stiftung aus und wird in neuer Konstellation weitergeführt. Wie wird diese sein?

Katharina Lezius: Wir haben immer mit einer starken Partnerstruktur im Horizonte-Programm gearbeitet, mit Universitäten und mit anderen Stiftungen. Wir freuen uns, dass es in Hamburg mit einer starken Stiftungs-Allianz weitergeht. Das Programm wird operativ von der Claussen-Simon-Stiftung übernommen, der langjährige Partner Jürgen Sengpiel Stiftung bleibt dem Programm treu und die Dürr-Stiftung kommt als Förderstiftung hinzu. Institutionelle Kooperationspartner vor Ort bleiben die Universität Hamburg und das Netzwerk „Lehrkräfte mit Migrationsgeschichte“ des Landesinstituts für Lehrerbildung und Schulentwicklung in Hamburg.

Welche Bilanz ziehen Sie jetzt nach acht Jahren Horizonte?

Katharina Lezius: Die zahlenmäßige Aufstellung fällt so aus: wir werden 2017 bundesweit 200 (angehende) Lehrkräfte gefördert haben und waren an sechs Standorten vertreten. Aber vor allem haben wir pädagogische Multiplikatoren weiterentwickelt und die können in den Schulen über Schülergenerationen hinweg wirken. Diese „Wirkungs-Bilanz“ halte ich für viel wichtiger und aussagekräftiger als die reinen Zahlen.

Warum eine Fortsetzung? Man hätte auch sagen können, wir haben hier einen Impuls gegeben und beenden jetzt das Programm.

Katharina Lezius: An der Anzahl von Lehrkräften mit Migrationsbiografie an deutschen Schulen hat sich nicht viel geändert, insofern ist es weiterhin wichtig, am Thema zu arbeiten. Hamburg ist gut aufgestellt, wir haben dort immer schon eine sehr starke Partnerstruktur gehabt und alle Beteiligten hatten den Wunsch, eine neue Konstellation zu finden. Wir sind sehr froh, die Programminhalte, das Know-how und die Netzwerkstrukturen nicht aufzugeben, sondern weitergeben zu können.

Kommen wir zur Partnersuche. Wie muss man sich deren Verlauf vorstellen? 

Katharina Lezius: Die Hertie-Stiftung hat die zentrale Projektsteuerung von Horizonte geleistet. Wir mussten in Hamburg jemanden finden, der das Programm operativ federführend übernimmt. Es war ganz klar, dass kleinere Förderstiftungen diese Aufgabe nicht bewältigen können, und deshalb suchten wir einen Partner, der im Bereich Bildung und auch in der Stipendienförderung gut aufgestellt ist.

Da kommt jetzt die Claussen Simon-Stiftung als neuer operativer Partner ins Spiel. Frau Dr. Back, was sind die Leitthemen Ihrer Stiftung und was hat Sie zu dieser Entscheidung bewogen?

Dr. Regina Back: Die Claussen-Simon-Stiftung hat ein breit aufgestelltes Förderportfolio im Bereich Schule und Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie Kunst und Kultur. Das Horizonte-Programm ist ein passender weiterer Baustein für unser Profil, das bereits diverse Stipendienprogramme im Hochschulbereich umfasst. Mit Horizonte können wir sowohl im Schulbereich als auch in der Studierendenförderung wirken. Zudem fördert die Claussen-Simon-Stiftung grundsätzlich nicht nur finanziell, sondern immer in Kombination mit einem extra-curricularen Fortbildungsprogramm, so wie es auch beim Horizonte-Stipendium gegeben ist. In Hamburg ist das Thema Migration im Kontext von Schule besonders präsent: Der Anteil an Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund liegt bei ca. 50 %. Deshalb halten wir es gerade in Hamburg für besonders wichtig, das Thema auch in der Förderung von Lehrkräften aufzugreifen.

Was möchten Sie in Hamburg zukünftig mit dem Programm bewirken?

Dr. Regina Back: Wir möchten den Schülerinnen und Schülern, die selbst oder deren Eltern zugewandert sind, frühzeitig Vorbilder auf ihrem Bildungsweg mitgeben, die sie begleiten und in ihrer späteren Berufswahl bestärken können. Und wenn Lehrkräfte die besondere Herausforderung annehmen, die Integration in den Schulklassen zu realisieren und vorzuleben, möchten wir sie genau bei dieser Aufgabe besonders unterstützen. Die Förderung von Lehrkräften hat am Ende nicht nur auf ihre pädagogische Arbeit Wirkung, sondern kommt durch ihre Multiplikatorenfunktion auch der Schülerschaft zu Gute.

Wie wurde denn die Übergabe konkret organisiert?

Katharina Lezius: Seit 2015 sind wir im gemeinsamen Gespräch über sinnvolle Übergabeszenarien. Dann wurde das operative Wissen übergeben und das Prozedere vereinbart. Die Hertie-Stiftung wird bis zum Ende ihres letzten Jahrgangs 2017 am Hamburger Standort das neue Programm begleiten und beratend zur Seite stehen.

Dr. Regina Back: Wir freuen uns sehr, dass wir auf die bisherigen positiven Erfahrungen der Hertie-Stiftung zurückgreifen können. Gleichzeitig bringen wir eigene langjährige Erfahrungen in Auswahlverfahren und mit unseren eigenen Stipendienprogrammen mit ein. Beim Auswahlverfahren unseres ersten Horizonte-Jahrgangs 2016 werden Juroren mitwirken, die das Programm zum Teil bereits kennen. Das erleichtert einen reibungslosen Übergang in der Trägerschaft des Programms natürlich sehr.

Die jetzige Konstellation mit der Jürgen Sengpiel Stiftung und der Dürr-Stiftung ist zunächst für fünf Jahre angedacht. In der ersten Zeit werden wir natürlich eigene Erfahrungen sammeln. Wie sich das Programm weiterhin entwickeln wird und wo wir vielleicht auch Anpassungen vornehmen werden, wird sich im Verlauf unserer Arbeit zeigen.

Die letzte Frage an Sie beide: Was wünschen Sie sich für die Zukunft dieses Programmes?

Dr. Regina Back: Ich wünsche mir, dass wir das Horizonte-Programm erfolgreich weiterführen und auch künftig dazu beitragen können, Lehramtsstudierende mit Migrationshintergrund gut auf ihren späteren Beruf vorzubereiten. Wenn wir mit dem Programm längerfristig und nachhaltig den Schul- und Bildungssektor in Hamburg stärken können, dann wäre ein wichtiges Anliegen erfüllt.

Katharina Lezius:  Für die Zukunft des Programmes würde ich mir tatsächlich das Gleiche wünschen. Für uns ist ein großes Ziel erreicht, dass es in Hamburg weitergeht. Toll wäre, wenn sich die Alumni des ersten Programms und die Alumni des Folge-Programms vernetzen und dann vielleicht in 3-5 Jahren mit insgesamt 100 Alumni ein starkes lokales Netzwerk bilden, das Themen vorantreibt und aktiv in der Schullandschaft Hamburgs wirkt.