Pressemitteilung im Detail

27.02.2017

Analyse zeigt, dass viele Angebote an Bedürfnissen von Geflüchteten vorbeigehen – Deutscher Integrationspreis zeigt passgenaue Beispiele

Viele Hilfsangebote für Geflüchtete gehen an deren Bedürfnissen vorbei. Das zeigt eine Analyse von Anne-Marie Kortas, Kollegiatin des Hertie-Innovationskollegs in Berlin. Die Hertie-Stiftung unterstützt in Zukunft mithilfe des von ihr neu initiierten Deutschen Integrationspreises Hilfsprojekte, die sich in besonders überzeugender Weise der Integration von Geflüchteten in Deutschland widmen.

Die erste Euphorie der Hilfsbereitschaft rund um Geflüchtete ist vorbei. „Die eigentliche Integrationsarbeit beginnt erst jetzt“, sagt John-Philip Hammersen, Geschäftsführer der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung.  Da die Zahl der Asylanträge in Deutschland weiterhin sehr hoch ist und verstärkt Geflüchtete auf den Arbeitsmarkt drängen, ist es umso wichtiger, dass die aktuell noch hoch motivierten freiwilligen Helfer effektiv arbeiten. „Diese Helfer sind jedoch unter erschwerten Bedingungen aktiv, weil viele Hilfsprojekte an den Bedürfnissen von Geflüchteten vorbeigehen.  Sie engagieren sich, erreichen aber nicht immer ihre Ziele. Es ist daher wichtig, Hilfsangebote in Zukunft noch stärker auf den praktischen Nutzen für Geflüchtete hin zu bewerten und auszurichten.“

Analyse: Viele Angebote nicht relevant oder mangelndes Vertrauen in Angebotsgeber
Wie eine Analyse von Anne-Marie Kortas, Kollegiatin am Berliner Hertie-Innovationskolleg ergab, nehmen Geflüchtete viele Angebote nicht an, weil sie diese als nicht relevant erachten oder weil den Anbietern nicht ausreichend vertraut wird. Hinzu kommt, dass viele Maßnahmen aufgrund unzureichender externer Kommunikation nicht wahrgenommen werden. Anne-Marie Kortas führte im Rahmen ihres vom Hertie-Innovationskolleg unterstützten Projekt „Diversität und Migration“ offene Interviews und Workshops mit Geflüchteten aus verschiedensten Ländern – darunter Syrien, Irak, Tunesien, Afghanistan – durch.

Aus den Gesprächen entwickelte Kortas insgesamt zehn Hauptbedürfnisse auf Seiten der Geflüchteten: Arbeit, Wohnen, Einheit der Familie, Deutsch lernen, Informationen zur Realität in Deutschland, Integrationsverständnis, menschlicher Kontakt, passende Angebote, Rückzugsräume für Männer, Wahrnehmung als Individuum.

Überblickswissen und Austausch mit Deutschen besonders gewünscht
Viele neu angekommene Geflüchtete wünschten sich vor allem einen Überblick zu verschiedenen Bereichen – beispielsweise zu ihren Rechten und Pflichten im Asylprozess, aber auch zu kulturellen Feiertagen oder auch zum deutschen Arbeitsmarktsystem. Damit die Geflüchteten aktiv werden können, müssen sie zunächst ihr Umfeld und dessen Mentalität besser verstehen. Viele Geflüchtete äußerten zudem den Wunsch nach einem Integrationsplan, der ihnen darlegt, was von ihnen erwartet werde und welche Schritte sie gehen müssen.
Besonders wichtig sei den Geflüchteten der Kontakt zu Deutschen, um die sozialen Regeln in Deutschland zu verstehen und sich so schneller integrieren zu können.
„Viele Geflüchtete kommen aus Ländern mit einer mündlichen Kultur, während in Deutschland eher eine schriftliche Kultur vorherrscht. Daher haben Gesprächsangebote sowie Projekte, bei denen sich Geflüchtete mit Einheimischen austauschen können, eine große Bedeutung“, sagt Anne-Marie Kortas.

Deutscher Integrationspreis: 46 Projekte gehen ins Crowdfunding
Der von der Hertie-Stiftung neu initiierte Deutsche Integrationspreis möchte in Zukunft vor allem Projekte fördern, bei denen Geflüchtete selbst mitwirken. „Mit dem Deutschen Integrationspreis möchten wir Projekte auszeichnen, die in besonderem Maße den Austausch zwischen Deutschen und Geflüchteten fördern und damit Integration ermöglichen“, sagt John-Philip Hammersen.
Rund 250 Projekte bewarben sich bei diesem Wettbewerb. 46 besonders überzeugende Angebote wurden von der Hertie-Stiftung ausgewählt und gehen ab dem 21. März 2017 auf der Crowdfunding-Plattform „Startnext“ in die Finanzierungsphase. Die 20 Projekte, die beim Crowdfunding die meisten Unterstützer gewinnen, erhalten von der Hertie-Stiftung eine Anschubfinanzierung von bis zu 15.000 Euro pro Projekt. Alle Projekte, die die Finanzierung schaffen, gehen in die Umsetzung. Nach sechs Monaten prüft eine Jury die Erfolge. Die besten drei Projekte erhalten den Deutschen Integrationspreis, der nochmals mit insgesamt 100.000 Euro dotiert ist. Die Verleihung des Preises findet Ende Oktober 2017 statt.   

 

Pressekontakt
Gemeinnützige Hertie-Stiftung
Gabriele Völcker | Kommunikation
T. 069/660756-101
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