Themenforum: Demokratie und Medien

Gemeinsam mit der Schwarzkopf Stiftung startete das Innovationskolleg der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung die Reihe „Zukunft der Demokratie“ mit dem Fokus Demokratie im Verhältnis zu den Medien. Zum Auftakt am 19. Januar moderierte Michael Knoll ein Gespräch mit Lutz Marmor, stellvertretender Vorsitzender der ARD und NDR Intendant, vor und mit über 100 Gästen in den behaglichen Räumen der Schwarzkopf Stiftung.

 

Glaube, Wahrheit, Lügenpresse – Wie ARD und NDR ihr Publikum überzeugen

Medien werden oft als „vierte Gewalt“ im Staat bezeichnet, da sie das Weltgeschehen darstellen, kommentieren und auch einordnen. Oftmals sind sie es, die Sachverhalte richtig stellen und auf Missstände aufmerksam machen. Jedoch stehen sie aktuell unter Beschuss: Vorwürfe gelenkter einseitiger Berichterstattung, Medienhetze bis hin zur Lügenpresse stehen im Raum. Wie reagieren die Medien auf das schwindende Vertrauen in der Gesellschaft? Öffentlich-rechtliche Sender haben dabei eine besondere Verantwortung: sind sie mit ihrem staatlichen Programmauftrag unter Wahrung der politischen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit ausgestattet. Ihr Programm soll den „Rundfunkteilnehmern und Rundfunkteilnehmerinnen einen objektiven und umfassenden Überblick über das internationale, europäische, nationale und länderbezogene Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen geben“. So sagt es der NDR-Staatsvertrag vom Dezember 1991.

Im Bild (v.l.n.r): Lutz Marmor, stellvertretender Vorsitzender der ARD und NDR Intendant und Michael Knoll, Leiter des Hertie-Innovationskollegs

In der kurzen Einführung über Mediennutzung in Deutschland und Zuschauerzahlen der ARD machte Lutz Marmor deutlich, dass Fernsehen weiterhin ein wichtiges Medium ist und die ARD mit ihren Angeboten dabei gut abschneidet: so liegen derzeit beispielsweise die Zuschauerzahlen der Tagesschau auf 9,1 Mio Menschen, was natürlich auch am Informationsbedarf über die vielen drängenden Ereignissen auf der Welt liegt. Die ARD reagiert auf die zunehmenden Kanäle und entwickelt ihre Formate weiter: verzahnt sie mit Internet und sozialen Netzen wie facebook und schafft neue crossmediale Angebote insbesondere für jüngere Konsumenten. 

Sender müssen permanent um ihre Glaubwürdigkeit beim Zuschauer ringen und sich viel Mühe machen.

Überzeugen durch Glaubwürdigkeit
Das Wichtigste für die Rolle der Medien als „Hüter der Demokratie“ ist das Vertrauen der Konsumenten und die Unabhängigkeit in der Berichterstattung. „Sender müssen permanent um ihre Glaubwürdigkeit beim Zuschauer ringen und sich viel Mühe machen“, so Lutz Marmor. Sie verflüchtigt sich schnell beispielsweise durch einseitige Berichte oder auch durch Manipulationsvorwürfe. Wichtig ist auch die Fehlerkultur: sollten beispielsweise falsche oder veraltete Zahlen genannt worden sein, dann müsse das korrigiert werden. Die Unabhängigkeit ist hohes Gut der Demokratie und muss vertreten und verteidigt werden. Lutz Marmor machte deutlich auch von der Intendanz persönlich. Auch dürfe man nicht vergessen, dass die Wirkung einer Gleichschaltung durch die gegenseitige Orientierung der Medien entstehen kann: „Wenn es die Tagesschau bringt, kommt es auch auf anderen Kanälen“, führte Lutz Marmor aus.

Be first, but first be sure
Am aktuellen Beispiel der Berichterstattung über die Silvesternacht in Köln erklärte Lutz Marmor wie schwierig es manchmal sein kann, wenn man diesem Grundsatz treu bleibt: Als Journalist muss man zwar schnell reagieren, aber die Quelle muss sicher und geprüft sein. Be first, but be sure. So ergab die Nachfrage bei der direkten Quelle Polizei keine besonderen Vorkommnisse – eine fatale Fehleinschätzung, wie sich später zeigte – dessen Auswirkungen auch die Medien zu spüren bekamen.

Lutz Marmor gelang es, einen sehr authentischen Einblick in die Arbeit und die Aufgaben einer öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt zu geben. Die sehr lebhafte und durchaus kritische Diskussion mit den Teilnehmern zeigte, wie drängend das Thema und auch wie herausfordernd gute Medienarbeit ist. Insofern wird es spannend sein, wie zukünftige Gäste der Reihe aus der Medienwelt sich zu anderen Aspekten des Verhältnisses Medien und Demokratie äußern. Thomas Bellut, Intendant des ZDF, hat bereits für den 11. Mai 2016 zugesagt.