Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2013

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung verleiht im Jahr 2013 zum 22. Mal den Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe.  Der Preis zeichnet vorbildliche Aktivitäten von Selbsthilfegruppen und sehr engagierten Menschen im Bereich der Multiplen Sklerose und der neurodegenerativen Erkrankungen aus.

So eine Erkrankung stellt die Betroffenen vor emotionale und praktische Herausforderungen, die im Austausch mit anderen oft besser bewältigt werden können. Aktivitäten von und mit Gleichgesinnten helfen vielen dabei, neuen Mut zu fassen und den Alltag besser zu bewältigen.

Mit ihrem Preis würdigt die Hertie-Stiftung Aktionen, die kreativ, ungewöhnlich oder durch einen besonderen Zusammenschluss von unterschiedlichen Menschen geprägt sind. Die Größe des Projekts ist dabei weniger entscheidend als der Einsatz der Akteure. Unter den bisherigen Preisträgern ist z.B. eine Journalistin, die einen MS-Podcast produziert.  Oder eine Gruppe Studenten, die gemeinsam mit Parkinson-Erkrankten ein trainierendes Videospiel entwickelt hat. Prämierte Hertie-Preis-Aktionen schauen über den Tellerrand, machen anderen Betroffenen Mut, bauen Vorurteile ab und schaffen idealerweise Aufmerksamkeit.

Der Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe ist mit 25.000 Euro dotiert und wird in der Regel auf mehrere Preisträger verteilt. Bewerbungen sind bis zum 31. Mai 2013 formlos und gerne per E-Mail an die Hertie-Stiftung zu richten. Enthalten sein sollten in folgender Reihenfolge:

1. Name und Adresse der vorgeschlagenen Person oder Gruppe (mit Ansprechpartner)
2. Beschreibung der Aktivität und besonderen Leistung der Gruppe / der Person  mit Betonung des ungewöhnlichen Charakters
3. Vorgesehener Verwendungszweck des Preisgeldes
4. maximal zwei Referenzen für den Vorschlag (z.B. Befürwortungsschreiben von Vereinsvorsitzenden, Politikern, Geistlichen etc.)
5. maximal zwei Berichte über die vorgeschlagene modellhafte Aktivität oder die Person (Zeitungsberichte, Tätigkeitsberichte etc.).

Selbstbewerbungen sind möglich. Die Mitgliedschaft in einer Selbsthilfe-Vereinigung ist nicht Voraussetzung für die Bewerbung und erfüllt alleine nicht die Preiskriterien.

Über die Vergabe des Preises entscheidet eine unabhängige, von der Hertie-Stiftung eingesetzte Jury, die selbst Vorschläge einbringen kann. Die Preisverleihung erfolgt in der zweiten Jahreshälfte 2013.

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Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2012

Aktion Kopfkarussell, Frankfurter Arbeitskreis Demenz

Der Zusammenschluss verschiedener Träger von Angeboten für Demenzerkrankte hat es sich zur Aufgabe gemacht, positiv mit den Einschränkungen der Demenz umzugehen und dem "Angstfaktor" in der Öffentlichkeit zu begegnen. Unter dem Motto "Kopfkarussell" startet der Arbeitskreis vom 2.-15. Oktober in Frankfurt eine Aktionsreihe, in der das Thema Demenz an Orte gebracht wird, an denen es bisher nur selten vorkommt. Betroffene nehmen aktiv an den Aktionen wie Theaterstücken, Kunstausstellungen oder Erzählcafés teil und zeigen ihr Potenzial. Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro wird für die Umsetzung der Aktionen eingesetzt. Weitere Infos unter www.kopfkarussell.com

Projekt "Menschen mit Demenz im Krankenhaus", Alzheimer Gesellschaft Niedersachsen

Die Versorgung älterer Menschen mit Demenz im Krankenhaus verläuft nicht immer komplikationsfrei. Dementiell Erkrankte zeigen - verstärkt durch die fremde Umgebung - mitunter Verhaltensweisen, mit denen viele Ärzte und das Pflegepersonal nicht richtig umgehen können, weil ihnen das entsprechende Hintergrundwissen fehlt. Die Alzheimer Gesellschaft Niedersachen hat einen Schulungsordner mit Infos, Lehrfilm und Weiterbildungsmaterial entwickelt, der an alle Krankenhäuser in Niedersachsen verteilt wurde. So hat z.B. das Klinikum Hannover mit Hilfe des Ordners bereits die erste Schulung ihrer Mitarbeiter im Umfang von 160 Stunden durchgeführt. Mit dem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro kann die Weiterbildungsinitiative in einer nächsten Klinik angeboten werden. Weitere Infos unter www.Alzheimer-Niedersachsen.de

Projekt WuppDi! - Bewegungsspiele für Parkinson-Erkrankte, Universität Bremen/ Deutsche Parkinson Vereinigung

Bei der Parkinson-Erkrankung spielt regelmäßige Bewegung trotz der zunehmenden Einschränkungen eine wichtige Rolle. In einem Projekt der Uni Bremen haben Studenten des Studiengangs Digitale Medien verschiedene Computerspiele für Erkrankte entwickelt, die Trainingsübungen für den heimischen PC enthalten. Die kurzweiligen Spiele geben Anweisungen wie z.B. Äpfel pflücken oder einen Teich durchschwimmen. Mit Hilfe einer Kamera werden die Bewegungen der Patienten auf die Spielfiguren übertragen. Das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro wird für die Fertigstellung der fünf Spiel-Prototypen eingesetzt, damit die Spiele bald allen Interessierten zur Verfügung gestellt werden können. Weitere Infos unter medien.informatik.uni-bremen.de

Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2011

Verein „Konfetti im Kopf“

Für eine ungewöhnliche Fotoausstellung über Demenzerkrankte erhielt die Gruppe ein Preisgeld von 10.000 Euro. Schirmherr Bundespräsident a.D. Prof. Dr. Roman Herzog nahm an der Verleihungsfeier teil. „Demenz ist eine Erkrankung mit hoher gesellschaftlicher Relevanz. Wir können uns dieser Herausforderungen besonders in Deutschland nicht länger verschließen“, betonte Herzog während der Zeremonie. „Die Aktionen von Konfetti im Kopf rücken die Erkrankung in die Öffentlichkeit und bauen Ängste und Vorbehalte ab“, erklärte der Bundespräsident weiter. „Demenz berührt mit vielen Gesichtern“ lautet das Motto der berührenden Open-Air-Fotoausstellung, die das Herzstück der Aktivierungskampagne bildet. Fotograf Michael Hagedorn führt die Betrachter tief in die außergewöhnliche Welt von Menschen mit Demenz, die auf seinen Bildern nicht deprimiert oder persönlichkeitslos wirken, sondern Freude und Würde ausstrahlen. Zahlreiche Einzelaktionen umrahmen die Ausstellung, die bisher zu Gast in Berlin und Stuttgart war und Hamburg in Planung ist.

Wilfried Scholl, Schneckenhausen

Herr Scholl engagiert sich für junge Parkinson-Erkrankte und gründete im Jahr 2005 die Selbsthilfegruppe „Club U40 Pfalz“. Mit Ausstellungen, Vorträgen und Filmen sorgen er und seine Gruppe seitdem für ein besseres Verständnis der Krankheit in der Öffentlichkeit und machen Betroffenen und Angehörigen Mut. Sein Engagement wird seitens der Hertie-Stiftung mit einem Preisgeld von 10.000 Euro honoriert.

Brigitte Hagedorn, Berlin

Um Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit über die Multiple Sklerose zu schaffen und Betroffenen ein Sprachrohr zu bieten, rief Brigitte Hagedorn 2010 einen Audio-Podcast (www.der-ms-podcast.de) ins Leben. In regelmäßigen Abständen veröffentlicht die Journalistin neue Episoden, in denen sie MS-Betroffene zu den Herausforderungen und zum Umgang mit der Krankheit interviewt. Für ihren Einsatz erhielt Frau Hagedorn ein Preisgeld von 5.000 Euro.

 

Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2010

2010 verlieh die Gemeinnützige Hertie-Stiftung erneut den Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe. Dieser nun zum 19. Mal vergebene Preis, der mit 25.000 Euro dotiert ist, zeichnet modellhafte Aktivitäten von Selbsthilfegruppen und besonders engagierte Helfer im Bereich der Multiplen Sklerose und der neurodegenerativen Erkrankungen (z. B. Alzheimer- oder Parkinson-Erkrankung) aus. Auch in diesem Jahr wurden die Preise am Ort des jeweiligen Engagements verliehen.

Den Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2010 erhielten:

NCL Gruppe Deutschland e.V.

Die NCL-Gruppe Deutschland e. V. ist eine bundesweit aktive Gruppe. NCL steht für Neuronale Ceroid-Lipofuscinosen, das sind unheilbare Stoffwechselerkrankungen des Gehirns bei Kindern und Jugendlichen. Die NCL-Gruppe Deutschland e. V. setzt sich seit vielen Jahren für die Belange der erkrankten Kinder und Jugendlichen, ihrer Familien und betreuenden Personen ein. Neben Gesprächskreisen und Unterstützung bei Auseinandersetzungen mit Behörden gehört dazu auch das Angebot einer mehrtägigen Betreuung der Kinder durch den Verein, um den Eltern die Möglichkeit zu geben, neue Kraft zu schöpfen.

„Selbsthilfegruppe für Menschen mit Demenz im Frühstadium“ der Alzheimer Gesellschaft Kreis Minden-Lübbecke e. V.

Die „Selbsthilfegruppe für Menschen mit Demenz im Frühstadium“ wurde im Jahr 2007 gegründet und bietet verschiedene regionale Gesprächskreise für Betroffene und ihre Angehörigen an. Zudem organisiert sie niveauvolle monatliche Tagesangebote für alle Interessierten.

„Probealarm“ der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) Bayern e. V.

Die DMSG-Selbsthilfegruppe „Probealarm“ wurde 2008 gegründet und besteht derzeit aus acht Mitgliedern, die unterschiedlich stark von ihrer MS beeinträchtigt sind. Ein- bis zweimal in der Woche musizieren sie miteinander ohne Leistungsdruck. Die Gruppe hat sich zum Ziel gesetzt, füreinander da zu sein, um mit der durch die Multiple Sklerose stark veränderten Lebenssituation besser umgehen zu können. Durch gemeinsame musikalische Auftritte schenkt die Gruppe aber auch anderen Menschen Lebensmut und Optimismus.

Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2009

2009 verlieh die Gemeinnützige Hertie-Stiftung erneut den Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe. Dieser nun zum 18. Mal vergebene Preis, der mit 25.000 Euro dotiert ist, zeichnet modellhafte Aktivitäten von Selbsthilfegruppen und besonders engagierte Helfer im Bereich der Multiplen Sklerose und der neurodegenerativen Erkrankungen (z. B. Alzheimer- oder Parkinson-Erkrankung) aus. Auch in diesem Jahr wurden die Preise am Ort des jeweiligen Engagements verliehen.

Den Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2009 erhielten:

Helmut Schmidt aus Bingen

Herr Schmidt engagiert sich in Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz und über die Landesgrenzen hinaus für Menschen, die an Morbus Parkinson erkrankt sind. Seit Jahren schon ist er ein sehr aktiver und engagierter Regionalleiter der Deutschen Parkinson Vereinigung (dPV) und unternimmt viel mit seiner Gruppe: Bewegung und Musik stehen im Vordergrund. So wird gemeinsam Sport getrieben und viel gesungen. Um das Gedächtnis von Parkinson-Betroffenen und anderen neurologisch Erkrankten anzuregen, entwickelte der seit knapp 10 Jahren selbst an Parkinson erkrankte Herr Schmidt das Gedächtnisspiel „Beruferaten mit Hilfe von Berufssymbolen". Historische Handwerks-Zunftzeichen bilden die Grundlage für dieses Spiel, das dadurch vor allem für ältere Menschen sehr reizvoll ist.

Kulturgruppe im MS-Heim der Stiftung Linerhaus in Celle

Die Kulturgruppe wurde im Jahre 2007 gegründet, um den Hausbewohnern eine kreative Möglichkeit zu bieten, sich an der seinerzeit anstehenden Jubiläumsfeier des Hauses in Celle zu beteiligen. Doch das Angebot fand weit über die Feierlichkeiten hinaus großen Anklang bei den Betroffenen, und so hat sich eine feste Gruppe etabliert, die sich wöchentlich trifft und zu einem wahren Highlight geworden ist. Gemeinsam werden Texte und Filme erstellt, in denen Alltagserlebnisse, Gedanken und Gefühle ausgedrückt werden. Mit Unterstützung einer Kulturwissenschaftlerin, eines Theaterpädagogen und einer Kulturpädagogin gelingt es auch schwerst erkrankten und im Alltag auf das Höchste eingeschränkten Menschen, ihre Entwürfe umzusetzen.

Silvia Zischler und die Gedächtnisgruppe für MS-Betroffene der DMSG Nürnberg

Die Fürtherin Silvia Zischler, selbst an MS erkrankt, beschloss im Jahre 2005, eine Gedächtnisgruppe speziell für MS-Betroffene zu gründen. Konzentrationsschwierigkeiten sind ein häufiges Problem für Erkrankte. Frau Zischler machte eine Ausbildung zur Gedächtnistrainerin und entwickelte in mühevoller Arbeit ein Programm, das auf die Bedürfnisse von MS-Betroffenen zugeschnitten ist. Mit Hilfe der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft gründete sie die Gedächtnisgruppe für MS-Betroffene und bietet seither Kurse an, die äußerst begehrt sind. Das Training in der Gemeinschaft und der wichtige Austausch mit anderen Betroffenen hat viele motivierende Aspekte: So berichten die Teilnehmer von einem gesteigerten Selbstwertgefühl und einer dadurch erhöhten Lebensqualität.

Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2008

Zum 17. Mal verlieh die Gemeinnützige Hertie-Stiftung in diesem Jahr den Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe. Der Preis, der mit 25.000 Euro dotiert ist, zeichnet modellhafte Aktivitäten von Selbsthilfegruppen und besonders engagierte Helfer im Bereich der Multiplen Sklerose und der neurodegenerativen Erkrankungen (z. B. Alzheimer- oder Parkinson-Erkrankung) aus. Um den Preisträgern die Möglichkeit zu geben, mit ihren Lieben, Freunden und Förderern den Tag zu feiern, wurden die vier einzelnen Preise in diesem Jahr am Ort des jeweiligen Engagements verliehen.

Den Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2008 erhielten:

Marianne Moldenhauer aus Nordstemmen

Frau Moldenhauer engagiert sich in Niedersachsen und über die Landesgrenzen hinaus für Menschen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind. Als ausgebildete und praktizierende Juristin übernimmt sie beim Landesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) die sozialrechtliche Beratung von Betroffenen und gibt telefonische, schriftliche und persönliche Hilfestellungen. Darüber hinaus ist sie als stellvertretende Vorsitzende im Bundespatientenbeirat der DMSG aktiv und informiert auch hier regelmäßig über Themen aus der aktuellen Rechtsprechung. Mit zahlreichen von ihr erstellten Broschüren hilft sie nicht nur den Mitarbeitern der DMSG, sondern auch vor allem den vielen MS-Betroffenen in Deutschland.

Frau Moldenhauer ist seit knapp 20 Jahren selbst an Multipler Sklerose erkrankt. Wie schwierig, nervenaufreibend und kräftezehrend es für MS-Betroffene sein kann, gesetzliche Ansprüche durchzusetzen, kann sie aus eigener Erfahrung sehr gut nachvollziehen.

Für ihr herausragendes Engagement wird Frau Moldenhauer mit dem „Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe“ ausgezeichnet, verbunden mit einem Preisgeld von 3.000 Euro.

Adelheid Epple aus Weilheim an der Teck

Frau Epple ist die Regionalgruppenleiterin der Parkinson-Selbsthilfegruppe Kirchheim/Nürtingen. Obwohl sie selbst seit 16 Jahren an dieser chronischen Erkrankung leidet, ist sie immer mit viel Engagement für alle da. Vor zwei Jahren gründete sie eine Schützengruppe für Menschen mit Parkinson und löste damit zunächst Skepsis und Zurückhaltung aus: „Parkinson und Schießen – das geht doch nicht!". Doch mittlerweile hat sich eine etablierte Gruppe von zehn Schützen gebildet, die es regelmäßig mit Kimme und Korn aufnehmen und sich sogar an Wettkämpfen beteiligen. Das Schießen hat auch einen motivierenden Aspekt: Es lässt die Betroffenen im übertragenen Sinne spüren, dass man auch mit einer schweren Erkrankung gesuchte Ziele noch treffen kann. Damit schaffen sie es, eine weitere Seite des normalen Lebens aufrechtzuerhalten. Das Projekt verdient Anerkennung, weil es den Betroffenen Mut macht.

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung ehrt das Engagement von Frau Epple mit dem „Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe“, verbunden mit einem Preisgeld von 3.000 Euro.

Die Bürgerinitiative Stendal e.V. (B.I.S.)

Der im Jahr 2004 gegründete Verein Bürgerinitiative Stendal e.V. hat das Ziel, ein Netzwerk von freiwilligen Helfern aus der Region zu etablieren, da die drohende Überalterung der Gesellschaft zu einem immer größer werdenden Hilfebedarf führen wird. Die Aktivitäten des B.I.S. sind einmalig in der Region und beispielgebend für andere. Trotz strukturschwacher Region und dramatischer demographischer Veränderungen haben sich engagierte Bürger der Stadt Stendal und der Umgebung zusammengefunden, um mit bürgerschaftlichem Engagement das soziokulturelle Leben eigenverantwortlich mitzugestalten: Im Projekt „Hilfe zur Selbsthilfe" werden hilfsbedürftige Menschen von anderen ehrenamtlich unterstützt. Im „Generationscafé" treffen sich ältere und jüngere Vereinsmitglieder und helfen sich gegenseitig. Die „Tagesstätte für an Alzheimer Erkrankte und Schlaganfallpatienten" ermöglicht die ehrenamtliche, einfühlsame und gleichwohl professionelle Betreuung von Menschen mit Demenz.

Die B.I.S. verdient hohe Anerkennung, denn sie bezieht alle Menschen der Region ein und lässt Betroffene nicht allein. Die engagierte Arbeit der Vereinsmitglieder ermutigt und unterstützt hilfsbedürftige Menschen beispielhaft und ermöglicht es, eine integrative Lebensweise umzusetzen.

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung ehrt das herausragende Engagement der Mitglieder der Bürgerinitiative Stendal mit dem „Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe“ und einem Preisgeld von 15.000 Euro.

Klettergruppe „MS on the Rocks“ der Abteilung Neurologie des Kuratoriums für Prävention und Rehabilitation der Technischen Universität München e.V.

Die Münchner Klettergruppe „MS on the Rocks" wurde im Sommer 2005 gegründet. Derzeit besteht sie aus 25 Mitgliedern, die regelmäßig bis zu 13 m hohe Kletterwände erklimmen. Körperliche Einschränkungen stellen hierbei keine Hürde dar. Sogar Rollstuhlfahrer können sich – mit Unterstützung – der Höhe stellen und trainieren so Rumpfstabilität, Stützmotorik, Gleichgewicht und Orientierungssinn. Durch das Bezwingen der Herausforderung werden die Teilnehmer auch im kletterfreien Alltag gestärkt: Sie gewinnen an Mut und Muskelkraft. Neben dem motivierenden Aspekt steht für die Gruppenmitglieder die Begeisterung für die Bewegung im Vordergrund. Damit schaffen sie es, eine weitere Seite des normalen Lebens aufrechtzuerhalten. Das Projekt verdient Anerkennung, weil es die Betroffenen in ihrem Selbstwertgefühl enorm stärkt.

Die Klettergruppe „MS on the Rocks" wird für ihr Engagement und ihre Kreativität mit dem „Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe“ ausgezeichnet, verbunden mit einem Preisgeld von 4.000 Euro.

Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2007

Zum 16. Mal verlieh die Gemeinnützige Hertie-Stiftung in diesem Jahr den Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe. Der Preis, der mit 25.000 Euro dotiert ist, zeichnet modellhafte Aktivitäten von Selbsthilfegruppen und besonders engagierte Helfer im Bereich der Multiplen Sklerose und der neurodegenerativen Erkrankungen (z. B. Alzheimer- oder Parkinson-Erkrankung) aus. In diesem Jahr richtete er sich an chronisch erkrankte Einzelpersonen und an Selbsthilfegruppen, die sich ehrenamtlich für andere Menschen einsetzen.

In seinem Festvortrag sprach Prof. Roland Martin, einer der weltweit führenden MS-Forscher und seit vergangenem Jahr Direktor des Instituts für Neuroimmunologie und Klinische MS-Forschung (inims) in Hamburg, über den neuesten Forschungsstand und mögliche Therapien der Multiplen Sklerose. Ihre eigentliche Ursache ist immer noch unbekannt. Es existiert bislang kein Therapiekonzept, das die Erkrankung heilt oder zumindest einen Stillstand der Erkrankung garantiert. In seinem Vortrag bewertete Prof. Martin den internationalen Stand der MS-Forschung: Welche neuen Therapien sind für welche Krankheitsstadien und -verlaufsformen in der Entwicklung? Welche Zeiträume werden nötig sein, um die jüngsten Erkenntnisse für die Patienten nutzbar zu machen? In seinem Institut verfolgt er mehrere vielversprechende Ansätze, darunter eine Therapie mit natürlichem Phenol, das aus Olivenöl und Olivenblättern isoliert werden kann. Der Hertie-Stiftung war es über eine Stiftungsprofessur gelungen, Prof. Martin nach Deutschland zu holen – er war zuvor in den USA Direktor der „Cellular Immunology Section“ der renommierten National Institutes of Health.

Den Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2007 erhielten:

Karin Dieckmann aus Castrop-Rauxel

Karin Dieckmann ist seit 25 Jahren ehrenamtlich aktiv. Die gelernte Krankenschwester arbeitete u. a. in der Hauskrankenpflege der Caritas und ist nach wie vor als vom Amtsgericht bestellte Betreuerin tätig. Frau Dieckmann hat in den vergangenen zehn Jahren drei Selbsthilfegruppen für Parkinson-Erkrankte in und um Castrop-Rauxel aufgebaut. Daneben arbeitet sie in der Multiple-Sklerose-Selbsthilfe mit. Sie ist Mitglied im Behindertenbeirat Castrop-Rauxel und in der Arbeitsgruppe „Mobilität und Barrierefrei“. Frau Dieckmann leidet selbst unter einer schweren chronischen Erkrankung.

Für ihr herausragendes Engagement wurde Frau Dieckmann mit dem „Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe“ ausgezeichnet, verbunden mit einem Preisgeld von 7.500 Euro.

Gert Uecker aus Kiel

Gert Uecker engagiert sich seit 20 Jahren in Schleswig-Holstein für Menschen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind. Als ausgebildeter Jurist übernimmt er beim Landesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) die sozialrechtlichen Hilfestellungen. Dabei sind insbesondere seine Formulierungshilfen und Schreiben an Institutionen und Behörden für die Betroffenen eine große Unterstützung. Herr Uecker nimmt regelmäßig an Veranstaltungen der DMSG teil und stellt dort den persönlichen Kontakt zu den Mitgliedern her. Außerdem vertritt er den Landesverband und die Interessen von MS-Betroffenen als Mitglied im Beirat für Menschen mit Behinderung der Stadt Kiel. Herr Uecker ist seit einem Unfall selbst schwerbehindert.

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung ehrte das herausragende Engagement von Herrn Uecker mit dem „Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe“, verbunden mit einem Preisgeld von 7.500 Euro.

MS-Abendtreff der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft Bayern e.V.

Die DMSG-Selbsthilfegruppe „MS-Abendtreff“ wurde 1986 gegründet und hat derzeit rund vierzig Mitglieder, die unterschiedlich stark von der Erkrankung beeinträchtigt sind. Die Gruppe hat sich das Ziel gesetzt, füreinander da zu sein, um die durch die Diagnose Multipler Sklerose stark veränderte Lebenssituation besser ertragen zu können. Zu diesem Ziel gehört auch, sich für andere Menschen einzusetzen. Seit zehn Jahren übernehmen die Mitglieder des „MS-Abendtreffs“ Patenschaften für Waisenkinder in Sri Lanka, die in Armut und ohne die Möglichkeit einer Schulausbildung aufwachsen. Durch die Hilfe der Gruppe bekommen 18 Kinder im Alter von fünf bis 13 Jahren Nahrung, Kleidung und Schulmaterialien. Die Gruppenleiterin Frau Ellen Galle fährt einmal jährlich nach Sri Lanka, um vor Ort das Geld der Gruppenmitglieder sinnvoll einzusetzen.


Mit dem „Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe“ und einem Preisgeld von 10.000 Euro ehrte die Gemeinnützige Hertie-Stiftung das beeindruckende Engagement der Mitglieder des „MS-Abendtreffs“.

Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2006

Der Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe, der am 5. Dezember – am Tag des Ehrenamts 2006 –  zum 15. Mal verliehen wurde, hatte dieses Jahr den Themenschwerpunkt „Kultur". Zwei Chöre und zwei Künstler teilten sich den mit insgesamt 25.000 Euro dotierten Preis. Die Auszeichnung wird für besonderes Engagement im Bereich der Multiplen Sklerose und der neurodegenerativen Erkrankungen wie z. B. Parkinson oder Alzheimer vergeben.

Den Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2006 erhielten:

Frau Eva Jauch aus Worms

Eva Jauch wurde schon im Jahr 1994 durch einen Zeitungsbericht auf die zu dieser Zeit 63-jährige Irmgard Müller aufmerksam, die im Alter von 26 Jahren die Diagnose Multiple Sklerose erhielt. Elf Jahre später saß sie im Rollstuhl und war im Alter von 51 Jahren so sehr auf Hilfe angewiesen, dass sie seitdem im Pflegeheim leben musste – mit wachem Geist bewegungslos ans Bett gefesselt. Während der kommenden 20 Jahre entdeckte sie die Poesie für sich und hat insgesamt über 120 Gedichte verfasst, in denen sie mit einfachen Worten und Reimen auf sehr offene Art und Weise ihr Leben mit der Krankheit analysiert, ohne um Mitleid zu bitten. 2002 freundete sich Frau Jauch mit Frau Müller an und besuchte sie häufig. Fasziniert und bewegt von ihren Worten nahm sie mit Unterstützung der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft Rheinland-Pfalz viele Gedichte auf und unterlegte sie mit klassischer Musik. Mit der so entstandenen CD „Licht in der Nacht“ bekam Frau Müller die Möglichkeit, ihre Werke anzuhören, wann immer sie wollte. Frau Jauch erhält den Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe, verbunden mit einem Preisgeld von 7.500 Euro für die Aufnahme einer weiteren CD.

Chor „Musica Splendida“ der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, Landesverband Saarland e.V.

Die musizierende DMSG-Selbsthilfegruppe „Musica Splendida“ wurde 2001 gegründet. Derzeit besteht sie aus 16 Mitgliedern. Dabei handelt es sich nicht ausschließlich um MS-Erkrankte, sondern auch Angehörige, Therapeuten und der DMSG verbundene Personen singen regelmäßig mit. Mit der Chorleiterin Marie-Theresia Meier trifft sich die Gruppe alle 14 Tage. Neben dem geselligen Aspekt steht für die Gruppenmitglieder die Freude an der Musik im Vordergrund. Damit schaffen sie es, eine weitere Seite des normalen Lebens aufrechtzuerhalten. Die Hertie-Stiftung zeichnet das Projekt aus, weil es den Betroffenen Mut macht und Nichtbetroffene zu gemeinsamen Aktivitäten motiviert. Das Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro soll dabei helfen, weitere musikalische Projekte umzusetzen.

Chor „PAoL & Friends“ der Internet-Selbsthilfegruppe PARKINSonLINE e.V.

Der Chor „PAoL & Friends“ wurde im Sommer 2005 gegründet. Derzeit besteht er aus zehn Mitgliedern, die aus ganz Deutschland kommen. Trotz der großen Entfernungen schaffen es die engagierten Mitglieder, sich regelmäßig zu gemeinsamen Proben zu treffen. Dabei üben sie begeistert verschiedenste Stücke ein, die sie dann z. B. auf Parkinson-Informationsveranstaltungen unentgeltlich vortragen. Dadurch machen sie auf die Parkinson-Erkrankung im jüngeren Alter aufmerksam und sensibilisieren die Öffentlichkeit für diese Problematik. Zudem zeigen sie, dass auch aus einer Internetgruppe Freundschaften und Projekte entstehen können. Der Chor „PAoL & Friends“ erhält den Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe, verbunden mit einem Preisgeld von 5.000 Euro für weitere musikalische Projekte.

Herr Phil Hubbe aus Magdeburg

Phil Hubbe ist leidenschaftlicher Karikaturist und zeichnet seit 1992 hauptberuflich für verschiedene Zeitungen. Im Jahre 1985 erkrankte er an Multipler Sklerose. Seitdem hat er seine Erkrankung und auch andere körperliche Behinderungen zum Thema seiner Zeichnungen gemacht und so den Begriff der „Behinderten Comics“ mit Leben erfüllt. Seine 2004 und 2006 erschienenen Bücher „Der Stuhl des Manitou“ und „Der letzte Mohikaner“ erfreuen sich großer Beliebtheit – vor allem bei den Betroffenen, die Herrn Hubbe durch ihre positiven Rückmeldungen in seiner Arbeit bestärken. Die engagierte Arbeit von Herrn Hubbe ermutigt und hilft MS-Betroffenen auf eine ganz besondere Art und Weise, denn auch durch das gemeinsame Lachen von Behinderten und Nichtbehinderten kann es gelingen, Vorurteile aus dem Weg zu räumen und eine integrative Lebensweise umzusetzen. Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung ehrt das Engagement und die Arbeiten von Herrn Hubbe mit dem Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe, verbunden mit einem Preisgeld von 7.500 Euro.

Preis der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung 2005

Der Preis der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung 2005, der in diesem Jahr den Themenschwerpunkt „Sport und Bewegung" trägt, wurde am 26. September im Rahmen der Benefiz-Gala für den Förderkreis Behindertensport e.V. auf dem Petersberg in Bonn verliehen. Mit dem Preis soll beispielhaftes ehrenamtliches Engagement für Multiple-Sklerose-Kranke und Alzheimerpatienten ausgezeichnet werden.

Den mit 25.000 Euro dotierten Preis erhielten:

Musik- und Tanzcafé für demenzkranke Menschen, Alzheimer Gesellschaft München e.V.

Soziale Kontakte und gesellige Aktivitäten werden von Familien mit Demenzerkrankten aus Scham kaum wahrgenommen. Dabei sind Menschen, deren Gedächtnisleistungen eingeschränkt sind, häufig körperlich noch sehr aktiv. Angelika Kern von der Alzheimer Gesellschaft München e.V. hat das „Musik- und Tanzcafé für demenzkranke Menschen“ konzipiert. Hier treffen sich einmal im Monat demenzkranke Menschen und ihre Angehörigen. Melodien, Liedtexte und Tanzschritte wecken verborgene Erinnerungen und Fähigkeiten. Das Projekt zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass auch Menschen mit starken geistigen Einschränkungen nicht zwangsläufig auf Lebensqualität und Lebensfreude verzichten müssen. Für ihr Engagement erhält die Alzheimer Gesellschaft München e.V. den Preis der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, verbunden mit einem Preisgeld von 12.000 Euro.

Michael Thiemer, Luckenwalde

Michael Thiemer ist Karate-Trainer und Erster Vorsitzender des Zehlendorfer Karate-Vereins in Berlin. Seit 2003 bietet er zusammen mit seiner Ehefrau auch Karate-Unterricht für an Multipler Sklerose Erkrankte an. Die Gruppe besteht derzeit aus zehn Mitgliedern und hebt sich besonders dadurch hervor, dass auch Betroffene, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, gleichberechtigt mitmachen können. Durch sein unermüdliches Engagement ist es Michael Thiemer gelungen, auch in Erfurt und Leipzig die Gründung von Karate-Gruppen für Rollstuhlfahrer anzuregen. Die engagierte Arbeit von Michael Thiemer zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass körperliche Einschränkungen bestimmte Formen der Bewegung nicht zwangsläufig unmöglich machen. Die Hertie-Stiftung ehrt den engagierten Einsatz von Michael Thiemer, verbunden mit einem Preisgeld von 7.000 Euro für die Anschaffung von zwei Sport-Rollstühlen.

Irith Lowack, Berlin

Irith Lowack hatte die meiste Zeit ihres Lebens aktiv Leistungssport betrieben, bevor ihre MS-Erkrankung sie zu körperlichen Einschränkungen und neuen Herausforderungen zwang. Im Jahr 2000 begann sie, Tischtennis zu spielen. Durch konsequentes Training konnte sie ihre Leistungen kontinuierlich steigern. In den Jahren 2004 und 2005 siegte sie bei den Norddeutschen Meisterschaften und wurde Bronzemedaillengewinnerin der Deutschen Einzelmeisterschaft im Rollstuhltischtennis. Neben ihrer eigenen sportlichen Laufbahn arbeitet Irith Lowack im Verein und trainiert eine Gruppe schwer behinderter Jugendlicher. Mit ihrem Engagement beweist sie, dass auch Menschen mit starken körperlichen Einschränkungen auf sportliche Betätigung nicht verzichten müssen, sondern, im Gegenteil, vielen Betroffenen die körperliche Bewegung sehr gut tut. Als Mitglied im Patientenbeirat des DMSG-Bundesverbandes ist Irith Lowack Multiplikatorin. Ihr Einsatz ermuntert viele MS-Erkrankte, weiterhin körperlich aktiv zu bleiben. Für ihr Engagement erhält Irith Lowack den Preis der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, verbunden mit einem Preisgeld von 6.000 Euro zur Finanzierung der Anreisen zu Wettkämpfen.

Multiple-Sklerose-Preis 2004

Die Preisverleihung des Multiple-Sklerose-Preises 2004 fand im Rahmen der Auftaktveranstaltung der bundesweiten „Woche des bürgerschaftlichen Engagements“ am 24. September 2004 in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin statt und wurde von der Hertie-Stiftung und dem Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE) organisiert. Mit dem Preis sollen Einsatz, Selbsthilfe und Kreativität gewürdigt und unterstützt werden.

Den mit 25.000 Euro dotierten Preis erhielten:

Frau Angela Wiltschka aus Mauerstetten im Allgäu

Frau Wiltschka hat 1989 mit der Unterstützung ihres Mannes und ihrer Kinder in ihrem Privathaus ein privates Kleinstpflegeheim für fünf behinderte und alte Menschen aufgebaut. Dadurch bekam die gelernte Krankenschwester ersten Kontakt zu MS-Patienten. 1994 entschloss sich das Ehepaar zum Bau eines großen Pflegeheims. Nach langem Kampf mit den Behörden konnte das „Haus im Lerchental“ im Sommer 2002 eröffnet werden. In dem 52-Betten-Haus haben neben älteren pflegebedürftigen Menschen mittlerweile zwölf MS-Betroffene ihren Lebensmittelpunkt gefunden. Ziel ist ein möglichst selbstbestimmtes Leben, mit und trotz Erkrankung an Multipler Sklerose. Die Hertie-Stiftung ehrt den engagierten Einsatz von Frau Wiltschka, verbunden mit einem Preisgeld von 10.000 Euro.

MS-Mobil e.V. aus Langballig bei Flensburg

Das Ziel des im Jahre 2003 gegründeten Vereins MS-Mobil e.V. ist zunächst die Finanzierung und Bereitstellung eines behindertengerecht ausgestatteten Wohnmobils. Damit soll schwerstbehinderten Rollstuhlfahrern eine preiswerte Reisemöglichkeit zu bisher nicht erreichbaren Zielen ermöglicht werden. Auch alleinstehende Betroffene, die auf ständige Hilfe anderer Menschen angewiesen sind, sollen nicht auf dieses Angebot verzichten müssen. Daher haben sich Vereinsmitglieder und hellhörig gewordene Mitmenschen bereit erklärt, als Begleitung mitzureisen. Die Hertie-Stiftung ehrt den Einsatz des Vereins MS-Mobil e. V. verbunden mit einem Preisgeld von 10.000 Euro.

MS-Rollstuhltanzgruppe Petershagen/Eggersdorf (DMSG)

Die Rollstuhltanzgruppe des Doppeldorfes Petershagen/Eggersdorf wurde 2002 gegründet und besteht derzeit aus acht Mitgliedern, darunter auch zwei nicht-betroffene Dorfbewohner, die regelmäßig mittanzen. Die Gruppe trifft sich einmal im Monat mit der Berliner Tanztrainerin Dokum Choi und ihrem Mann und übt zu verschiedensten Rhythmen. Neben dem Gruppentanz gibt es noch den Duo-Tanz mit jeweils zwei Rollstuhlfahrern und den Kombi-Tanz, bei dem ein Fußgänger einen Rollstuhlfahrer führt. Zusätzlich zum sportlichen Aspekt steht für die Gruppenmitglieder die Freude an der Bewegung zur Musik im Vordergrund. Die Hertie-Stiftung ehrt das Engagement der Gruppe, verbunden mit einem Preisgeld von 2.500 Euro.

Frau Mariella von Klenck aus Düsseldorf

Frau Mariella von Klenck hat sich über 20 Jahre ehrenamtlich für die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) engagiert. Sie war unter anderem Gründungsmitglied und von 1980 bis 1990 stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen. Von 1982 bis 1992 arbeitete sie zudem im Geschäftsführenden Vorstand des Bundesverbandes. Frau von Klenck engagierte sich auch auf internationaler Ebene. Sie repräsentierte die DMSG bei der Multiple Sclerosis International Federation (MSIF) und leitete über Jahre das Nominating Committee. Daneben hat sie die Partnerschaft der DMSG mit Lettland entscheidend vorangebracht. Die Hertie-Stiftung ehrt das ausgeprägte soziale Engagement von Frau von Klenck verbunden, mit einem Preisgeld von 2.500 Euro.

Multiple-Sklerose-Preis 2003

Die Preisträger im Jahr 2003

  • Die MS-Selbsthilfegruppe Chemnitz „Offensiv" für ihr auf die Bedürfnisse MS-Erkrankter ausgerichtetes Wohnprojekt „Waldhaus"
  • die MS-Selbsthilfegruppe Göttingen für ihr Videoprojekt "...und raus bist Du!?"
  • der Motorradclub Schifferstadt und die MS-Selbsthilfegruppe Schifferstadt für ihre seit mehr als zehn Jahren bestehende aktive Patenschaft
  • Patricia Bennett aus Kiel für ihr soziales Engagement über MS hinaus, etwa in Fragen der Kinder- und Jugendgewalt
  • Petra Mandel aus der Nähe von Stuttgart für den Aufbau einer Internetseite mit vielfältigen   Informationen und einer Sammlung von Lebensläufen MS-Erkrankter
  • Gabriele Troll aus Lübbenau für ihren engagierten Einsatz für MS-Erkrankte

Der Preis wurde im Rahmen des Multiple-Sklerose-Tages der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung am 20. Oktober 2003 in Frankfurt vergeben. Ziel des Tages war die Absicht, Erkrankte, Ärzte und Wissenschaftler zusammenzubringen, um Ideen auszutauschen und miteinander zu reden. Dazu gab es ein Fachsymposium der von der Hertie-Stiftung geförderten Multiple-Sklerose-Forscher, den Festakt der Preisverleihung und eine Vortragsveranstaltung zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Multiplen Sklerose.

Das Programm im Detail

12.30 - 16.30 Fachsymposium

Im Fachsymposium der von der Hertie-Stiftung geförderten Multiple-Sklerose-Forscher haben zehn Wissenschaftler in Kurzvorträgen den Stand, die Entwicklung und die Ergebnisse ihrer geförderten Projekte dargestellt. Daneben hat das Symposium auch einen Rahmen für wissenschaftliche Diskussionen geboten. Die Titel der Kurzvorträge mit den Namen der Vortragenden sind nachfolgend aufgeführt.

  • Antigen-unspezifische Bystander-Aktivierung autoreaktiver T-Helferzellen induziert Enzephalitis im Mausmodell, PD Dr. Thomas Kamradt, Deutsches Rheuma-Forschungszentrum, Berlin
  • Anti-inflammatorische und neuroprotektive Effekte der Interaktionen von Astrozyten mit T-Zellen, Dr. Ulrike Gimsa, Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum Rostock
  • Charakterisierung der Stressproteine in Multiple-Sklerose-Läsionen und der experimentellen autoimmunen Enzephalomyelitis der Maus: Ist Häm-Oxygenase (HO-1/ HSP32) ein Indikator für oxidativen Stress und Zelltod? Thomas Stahnke, AG Molekulare Neurobiologie, Universität Oldenburg
  • Dechiffrierung von IgG-Spezifitäten im Liquor von Patienten mit MS mittels Bakteriophagen-exprimierter Heptapeptide, Prof. Dr. Juan J. Archelos, Universitätsklinik für Neurologie, Karl-Franzens-Universität, Graz
  • Feinanalyse genetischer Prädispositionsfaktoren für die Multiple Sklerose auf der Basis neuer „Genome Screen"-Daten, Dipl.-Biol. René Gödde, Humangenetik, Ruhr Universität Bochum, Bochum
  • Funktionelle Bedeutung von Chemokinrezeptoren in Ratten-Oligodendrozytenvorläuferzellen, PD Dr. Martin Stangel, Neurologische Klinik, Medizinische Hochschule Hannover
  • Hamburg Quality of Life Questionnaire for Multiple Sclerosis (HAQUAMS): Validierung, Einfluss kognitiver Störungen und Sensitivität für Veränderung, Dr. Christoph Heesen, Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsklinikum Eppendorf, Hamburg
  • Neuronal protection from encephalitogenic T cells, Prof. Dr. Frauke Zipp, Institut für Neuroimmunologie, Charité, Berlin
  • Regulatory T Cells: Key Mediators of Autoimmunity in Multiple Sclerosis? Prof. Dr. Brigitte Wildemann, Neurologische Universitätsklinik, Universitätsklinikum Heidelberg
  • The role of immune reactivity against the cell surface proteoglycan AN2/NG2 in the pathology of demyelinating diseases, Prof. Dr. Jacqueline Trotter, Abt. Molekulare Zellbiologie, Universität Mainz


abstract_ms_tag.pdf (86.34 KB)

17.00 - 18.00 – Verleihung des 12. Multiple-Sklerose-Preises der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung

Mit ihrem seit 1992 verliehenen Multiple-Sklerose-Preis will die Hertie-Stiftung die Eigeninitiative bestehender Selbsthilfeeinrichtungen unterstützen, modellhafte Aktivitäten auszeichnen und zur Nachahmung ermutigen (siehe auch MS-Preis der GHS). In einer Feierstunde mit musikalischer Untermalung wurden die ausgezeichneten Projekte der sechs Preisträger vorgestellt. Daneben hatten zehn Gruppen die Möglichkeit erhalten, ihre Aktivitäten auf Schautafeln zu präsentieren, die während der Veranstaltung ausgestellt wurden.

18.30 - 20.30 – Vortragsveranstaltung 

„Multiple Sklerose - gestern, heute, morgen - von den Wikingern, Arsen, Interferonen und Stammzellen"

Unter diesem Titel wurden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Forschung und Behandlung der Multiplen Sklerose beleuchtet.

  • Prof. Dr. Jürg Kesselring aus Valens (Schweiz), Geschichte der Multiplen Sklerose. Sind die Wikinger für die Verbreitung der MS verantwortlich? Wann wurde die erste Liquorpunktion durchgeführt? Solche und ähnliche Fragen zum historischen Hintergrund der MS wurden in diesem Vortrag behandelt.
  • Prof. Dr. Peter Rieckmann aus der Neurologischen Klinik der Universität Würzburg, Behandlungsmethoden der Multiplen Sklerose, Interferone, Glatirameracetat, Immunglobuline, Mitoxantron ... welches Medikament bei welcher Verlaufsform? Hier wurde ein Überblick über die gegenwärtigen Therapiemöglichkeiten der MS gegeben.  
  • PD Dr. Bernhard Hemmer aus der Neurologischen Klinik der Universität Marburg, „Neue Strategien zur Erforschung der Multiplen Sklerose" In den vergangenen zehn Jahren hat es rasante Fortschritte bei der Erforschung der MS gegeben, doch die Ursache der Erkrankung ist nach wie vor ungeklärt. Dargestellt wurde ein Überblick über die bedeutendsten Eckpunkte der aktuellen Forschung, die für die Entwicklung neuer Therapiestrategien eine wichtige Grundlage darstellen könnten.
 

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Dr. Eva Koch
Leiterin Multiple-Sklerose-Projekte
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