Falling Walls. Eine Leistungsschau der Wissenschaft

Falling Walls feierte in diesem Jahr in Berlin ihr zehnjähriges Jubiläum. Die international einzigartige Wissenschaftskonferenz war so politisch wie nie zuvor.

Anja Karliczek, Deutsche Bundesministerin für Bildung und Forschung, bei ihrer Rede auf der Falling Walls Koferenz, Copyright Falling Walls Foundation

Wie jedes Jahr fand auch in diesem Jahr die Konferenz Falling Walls am 9. November statt – mittlerweile zum zehnten Mal. Der Name verweist auf die Mauer, die 1989 fiel und eine politische Revolution freisetzte, die Frieden, Freiheit und Wohlstand auch für Menschen jenseits der Mauern versprach. 2018 jährte sich auch ein weiteres, wichtiges Ereignis deutscher Geschichte: 100 Jahre zuvor hatte Philipp Scheidemann, Vorstandsmitglied der SPD, aus einem Fenster des Reichstags in Berlin das Ende des Kaiserreichs verkündet. 20 Jahre später wurden Synagogen, Geschäfte und Wohnhäuser jüdischer Mitbürger zerstört und Menschen aufgrund ihres jüdischen Glaubens getötet. Die Ereignisse vom 9. November 1938 gaben einen Vorgeschmack auf den bevorstehenden Holocaust. Deutsche Geschichte begleitet auch diese Wissenschaftskonferenz in vielerlei Hinsicht. 

Jenseits der politischen Dimensionen, auf die der schicksalsträchtige 9. November verweist, war die diesjährige Falling Walls Konferenz erneut eine Leistungsshow der internationalen Wissenschaft. Von Artificial Intelligence über Biodiversity, Blockchain und Recycling hin zu Big Data Politics und Space Exploration, stellten 15 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die kommenden Bruchstellen und nächsten fallenden Wände in ihren verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen vor. Dazwischen präsentierten ausgewählte Nachwuchswissenschaftler ihre erfolgreichen Durchbrüche, für die sie in speziellen Formaten wie Lab, Venture oder Engage von einer internationalen Jury identifiziert und ausgezeichnet wurden. 

Leila Takayama auf der Falling Walls Konferenz, Copyright Falling Walls Foundation
Gerardo Caballos auf der Falling Walls Konferenz, Copyright Falling Walls Foundation

Noch nie war Falling Walls so politisch – sowohl in der Zusammenstellung der Vorträge als auch in den Beiträgen einiger Wissenschaftler. Nicola Spaldin, britische Chemikerin und Materialforscherin an der ETH Zürich, endete mit einem Plädoyer für Vielfalt. Am Ende des Vortrags über ihre theoretischen Arbeiten zu Multiferroika – Substanzen, die zugleich ferromagnetisch und ferroelektrisch sind, verwies sie auf ihr multinationales, multiethnisches, diverses Team. Dieses Team – reich an Talenten und Intelligenz – würde zerfallen, bekämen die Populisten mit ihren rückwärtsgewandten Forderungen von Homogenität recht. Vielfalt ist Grundlage und Bedingung erfolgreicher Wissenschaften. Erfolgreiche Wissenschaften wiederum die Voraussetzung prosperierender Gesellschaften. Erfrischend, ein solches Plädoyer von einer der meistzitierten Naturwissenschaftlerinnen zu hören. 

Inhaltlich gruppierte sich die Konferenz um zwei Stränge: Zum einen um den Raubbau an den natürlichen Grundlagen der Erde, dessen Kosten die Menschheit zunehmend überfordert. Zum anderen um die Herausforderung, die sich durch Digitalisierung, Big Data, Künstliche Intelligenz und Robotik ergeben. 

Die Verschwendung natürlicher Ressourcen ebenso wie vom Menschen produzierter Materialien ist enorm, darauf verwies Steve Evans, Direktor des EPSRC Centre for Innovative Manufacturing in Industrial Sustainability an der University of Cambridge. Weil wir so viel unnötig und Unnützes produzieren, weder effektiv noch effizient mit Energie, Material und Ressourcen umgehen, heizen wir das Klima unseres Planeten auf. Mit fatalen Konsequenzen etwa für die Korallenriffe vor Australien. 90 Prozent des Great Barrier Reefs sind von der Korallenbleiche betroffen, so Terry Hughes, Direktor des ARC Centre of Excellence for Coral Reef Studies an James Cook University in Queensland in Australien. 90 Prozent! 

Nicola Spaldin auf der Falling Walls Konferenz, Copyright Falling Walls Foundation
Steve Evans auf der Falling Walls Konferenz, Copyright Falling Walls Foundation

Nicht weniger schwindelerregend sind die Veränderungen, die sich durch die Digitalisierung ergeben. Der Vortrag von Leila Takayama von der University of California in Santa Cruz zeigte, wie enorm die Herausforderungen in der Robotik noch sind. Ein selbsthandelnder Roboter im Stil eines Terminators ist immer noch mehr Fiktion als Realität. Vielleicht zum Glück. Wissenschaft schützt aber nicht vor Naivität. Die Hoffnungen, die Brian Behlendorf, Leiter des Hyperledger-Projekts der Linux Foundation, in Blockchains setzt, erinnerte doch sehr an die Hoffnungen einer New Economy, in der man anstrengungsfrei reich werden sollte, oder die digitale Partizipationswelle der Jahre 2009 bis 2012, die in digitale Fake News, Filter Bubbles und Hate Speech mündete. 

Und dennoch: Wissenschaft steht für die Hoffnung auf eine bessere Welt. In ihrer Theorie, in ihrem Vermögen und in ihrer gelebten Praxis als Teamwork. Dies zu zeigen, darin liegt der Wert und die Bedeutung der Falling Walls Konferenz. 


Die Hertie-Stiftung und Falling Walls

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung unterstützt die Wissenschaftskonferenz Falling Walls bereits seit ihrem Beginn vor zehn Jahren mit einem jährlich festen Kontingent an Konferenztickets.

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