Vermögensanlage und Finanzen

Das Jahr 2016

Zu Beginn des Jahres verursachten Sorgen um die wirtschaftlichen Entwicklungen von China für weltweite Rezessionsängste, vor allem, da dies mit weiter sinkenden Notierungen für Rohöl verbunden war. Aktienanleger durchlebten ein strapaziöses erstes Halbjahr. Im weiteren Verlauf des Jahres bescherten dagegen eher politische Ereignisse (Brexit, Verfassungsreferendum in Italien, Terror, Präsident Trump) Kapitalanlegern Kopfzerbrechen. Dennoch, im Rückblick kann das Jahr 2016 als durchaus positiv für Vermögensanleger gewertet werden. Mit Aktien, Renten, Immobilien – ob in entwickelten Ländern oder in den Emerging Markets – die Ergebnisse waren meist unspektakulär, aber positiv.

So konnte auch die Gemeinnützige Hertie-Stiftung 2016 erneut ein gutes Ergebnis aus der Vermögensbewirtschaftung erzielen. Die Performance (Summe aus Wertveränderungen der Vermögensanlagen und vereinnahmten Erträge) lag bei 5,4 %. Gespeist wurde das Ergebnis von positiven Beiträgen aller Asset-Klassen, und die Ergebnisanteile waren ähnlich zu den Gewichtungen im Vermögen (siehe Schaubild zur Vermögensaufteilung). 

Für unsere mittelfristig ausgerichtete Zweckverwirklichung ist eine mehrjährige Betrachtung des Anlageergebnisses zielführender. Über die letzten fünf Jahre wurde eine annualisierte Performance aus der Vermögensanlage von 8,5 % erreicht. Die gemeinnützige Projektarbeit konnte somit 2016 im geplanten Umfang umgesetzt werden, und über einen Rücklagenaufbau wurde darüber hinaus Handlungsspielraum für die Zukunft geschaffen.

Anlagepolitik

Das Vermögensmanagement hat die Aufgabe, das Stiftungsvermögen in seiner Substanz langfristig real zu erhalten und angemessene Erträge zur Erfüllung des Stiftungszwecks zu erwirtschaften. Ferner sollen Schwankungen des Vermögenswertes auch über einen Konjunkturzyklus hinweg begrenzt werden. Deshalb erfolgt die Vermögensanlage nach dem Prinzip der Risikostreuung international diversifiziert in verschiedene Asset-Klassen, Marktsegmente und Währungen.

Die Allokation des Stiftungsvermögens wird als Kernaufgabe für den Stiftungserfolg erachtet und in eigener Verantwortung entschieden. Dagegen ist die Abwicklung der Wertpapiertransaktionen über Spezialfonds weitgehend ausgelagert. In Immobilien, die sich fast ausschließlich in Deutschland befinden, wird überwiegend direkt investiert.

Angesichts des mageren Zinsniveaus bevorzugt das Vermögensmanagement seit Jahren Sachwertinvestments, die derzeit rund 70 % des Anlagevolumens ausmachen (Immobilien, Aktien, Private Equity). Teile des Vermögens sind weiterhin in festverzinslichen Wertpapieren investiert. Dabei werden mittlere Laufzeiten bevorzugt. Es wird selektiv in Unternehmensanleihen mit unterschiedlichen Bonitäten investiert, Staatsanleihen werden gemieden. Die festverzinslichen Papiere sind zu etwa zwei Dritteln in Euro denominiert und weisen eine hohe Liquidität auf. Wertpapiere aus Emerging Markets und in US-Dollar begebene Papiere sind ebenso vertreten. Eine regelmäßige Überwachung der Anleiheemittenten ist im Risikomanagement von zentraler Bedeutung.

Die Immobilienanlagen tragen mit stabilen laufenden Erträgen und Wertsteigerungen zur langfristigen Verwirklichung des Stiftungszwecks und zur realen Sicherung der Vermögenssubstanz bei. Das Immobilienportefeuille wurde 2016 um ein Objekt reduziert und besteht – neben zwei eigengenutzten Immobilien in Frankfurt am Main – aus elf in Deutschland gelegenen Objekten mit vorwiegend gewerblicher Nutzung. Weiterhin ist die Stiftung über zwei Beteiligungen an Fonds breit gestreut in Immobilien investiert.

Der Anteil der Aktien wurde 2016 ausgebaut. Neben den bekannten Standardwerten (Large-Caps) wird auch weltweit in kleine und mittlere Unternehmen investiert. Zusätzlich zu klassischen Aktieninvestments wird über „Strukturierte Aktienprodukte“ investiert. Hierdurch kann eine für Stiftungen vorteilhafte Begrenzung der Marktrisiken unter Aufgabe von maximalen Gewinnen erreicht werden.

Seit vielen Jahren ist die Stiftung in Private Equity investiert, im Schaubild unter Alternativen Anlagen gefasst. Die Beteiligungen sind geografisch, nach Größenklassen, Finanzierungsphasen und Auflagejahren gestreut. Im Berichtsjahr wurden in geringem Maße neue Mittel investiert, die von den Rückflüssen bei weitem übertroffen wurden. Zum Jahresende waren 10 % des Anlagevolumens der Stiftung in Private Equity allokiert. Neben einer im Vergleich zu börsennotierten Aktien geringeren Volatilität zeichnet sich Private Equity durch hohe laufende Erträge aus, die zur Verwirklichung des Stiftungszwecks zur Verfügung stehen. Zusätzlich zu Private Equity sind innerhalb der Alternativen Anlagen auch Infrastrukturinvestments und fondsbasierte Volatilitätsstrategien enthalten.

Die Verpflichtungen der Stiftungsprojekte lauten nahezu vollständig auf Euro, und das Vermögen ist zu rund 80 % im Euro angelegt. Die übrigen Währungen stellen eine beabsichtigte Streuung dar. 

Ausblick

Für alle Anleger, die konstante Zahlungen aus der Vermögensbewirtschaftung erzielen wollen, stellen niedrige bis negative Renditen auf festverzinsliche Wertpapiere große Herausforderungen dar. Höhere Volatilitäten in der Ergebnisentwicklung werden wahrscheinlicher, die Schwankungen der Kapitalmärkte werden einen größeren Einfluss auch für Stiftungen haben. Unter Risikoaspekten sind somit regelmäßig die Bewertungen von Aktienmärkten und bei Immobilien zu hinterfragen. Die weltweit wachsende Geldmenge könnte bedenkliche Auswirkungen bei Vermögensbewertungen bis hin zu einer Asset-Price-Inflation haben. Diesbezügliche Entwicklungen werden von den Verantwortlichen der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung eng verfolgt.

Die Stiftung strebt aus der Vermögensanlage weiterhin eine annualisierte Performance um die 5 % an und orientiert sich dabei an einer Durchschnittsbetrachtung über mehrere Jahre. Eine sachwertorientierte Vermögensallokation wird unverändert favorisiert. 

Für das Geschäftsjahr 2017 sind Projektmittel von rund 25 Mio. € veranschlagt. Das Vermögensmanagement ist bestrebt, die entsprechenden Erträge zu erwirtschaften und eventuelle Schwankungen der Kapitalmärkte für die Sphäre der Zweckverwirklichung abzufedern. 

 Risikomanagement 

Die Ergebnisse der Vermögensanlage sind zentraler Bestandteil der jährlich aktualisierten mehrjährigen Unternehmensplanung. Das Management von potenziellen Chancen und Risiken aus der Vermögensanlage ist somit wesentlich für den Stiftungserfolg und genießt die entsprechende Aufmerksamkeit der Organe.

Regeln zur Vermögensanlage ergeben sich aus den vom Vorstand beschlossenen „Grundsätze für die Vermögensanlage“, in denen Anteile für einzelne Asset-Klassen definiert sowie Einzelrisiken (z. B. Emittenten oder Währungsrisiken) limitiert sind. Die Vermögenspositionierung wird laufend überwacht und hinterfragt. Strategische Entscheidungen werden vom Vermögensmanagement vorbereitet und vom Anlageausschuss des Vorstandes entschieden. Dem Anlageausschuss, der zusätzlich zum Gesamtvorstand mehrmals im Jahr tagt, werden Sensitivitätsanalysen und „Stressszenarien“ vorgelegt, um die Auswirkungen von Marktentwicklungen auf das Vermögen und die Erträge abzuschätzen. Ein Ausschuss des Kuratoriums steht dem Vorstand speziell in Fragen der Vermögensanlage mit Rat zur Seite. Der Vorstand wird monatlich, das Kuratorium per Quartalsende mit einem detaillierten Bericht über die Vermögensanlage informiert. Nach Umsetzung der Beschlüsse durch das Vermögensmanagement überwacht die Revision die Einhaltung der Limite und Vorgaben. 

Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung 

Die Stiftung bilanziert nach Handelsrecht. Von der Möglichkeit, stille Reserven im Wertpapiervermögen aufzudecken und die Bilanzwerte gem. § 253 Abs. 5 HGB bis zu den Anschaffungskosten hochzuschreiben, macht sie keinen Gebrauch.

Rund 90 % der Bilanzsumme entfallen auf Sach- und Finanzanlagen. Unter den Sachanlagen (159 Mio. €) sind überwiegend unsere Anlageimmobilien ausgewiesen. Bei den Finanzanlagen werden die Anteile an Wertpapierfonds und Aktien (419 Mio. €), die Beteiligungen an Unternehmen und Private-Equity-Fonds (112 Mio. €) sowie Zertifikate auf Aktienindizes (70 Mio. €) ausgewiesen. 

Das bilanzielle Eigenkapital der Stiftung beträgt 765 Mio. €. Wesentliche Teile davon betreffen die Rücklage aus Vermögensumschichtung (464 Mio. €), die sich 2016 netto um 9,6 Mio. € erhöht hat, sowie die Freie Rücklage (124 Mio. €), die 2016 mit 11,9 Mio. € dotiert worden ist. Weiterhin ist ein Mittelvortrag von 3,0 Mio. € vorhanden, der für die Förderung im Jahr 2017 genutzt wird. Verbindlichkeiten bestehen insbesondere für Förder- und Projektmittel (18 Mio. €) und gegenüber Kreditinstituten (72 Mio. €), die aus Immobilienfinanzierungen resultieren. 

Die Erträge aus dem Vermögensmanagement steigen gegenüber dem Vorjahr insgesamt um 5,3 Mio. € auf 47,4 Mio. € (nach planmäßigen Immobilienabschreibungen und sonstigen Immobilienkosten). Dabei liegen die laufenden Erträge (23,6 Mio. €) unter dem Vorjahr. Realisierte Gewinne aus Wertpapieren und Immobilienverkäufen sind in Höhe von 24,6 Mio. € angefallen, ein Anstieg um 9,1 Mio. €.  Die gesamten erwirtschafteten Mittel erhöhten sich um 4,9 Mio. € auf 48,2 Mio. €. Neben den Nettoerträgen aus dem Vermögensmanagement sind dabei auch die Fördermittelzuwendungen von Dritten enthalten.

Für die Verwaltung der Stiftung sind 2016 1,9 Mio. € angefallen. Die Verwaltungskostenquote liegt mit 4,0 % auf Vorjahresniveau. Zur Berechnung werden die Verwaltungskosten ins Verhältnis zu der Summe der erwirtschafteten Mittel gesetzt.

Im Jahr 2016 hat die Stiftung Projektmittel in Höhe von 26,0 Mio. € neu zugesagt, was eine Steigerung um 1,7 Mio. € zum Vorjahr bedeutet. Die tatsächlichen Auszahlungen für Projekte, deren Höhe stark von den Mittelabrufen durch die Projektpartner abhängt und die zum Teil auch Bewilligungen früherer Jahre enthalten, belaufen sich auf 22,8 Mio. €.

Aus in früheren Jahren zugesagten, aber nicht voll verbrauchten Fördermitteln fließen rund 4,1 Mio. € in die Position „Sonstiges Ergebnis“ ein. Diese Gelder werden dem Projektbereich zur weiteren Verwendung wieder zugeführt.

Die Tabelle „Auszahlungen Projektmittel 2016“ zeigt die Mittelabflüsse für die größten Projekte. Zusätzlich sind für die Sach- und Personalmittel der Projektarbeit 4,6 Mio. € aufgewendet worden. In Summe 0,8 Mio. € der Projektaufwendungen werden durch Beiträge Dritter finanziert.

Die Hertie-Stiftung hat in den Jahren 2012 bis 2016 insgesamt rund 124 Mio. € für Projekte ausgezahlt. Die Stiftung hat in diesem Zeitraum 6,3 Mio. € von Seiten Dritter erhalten. Zusätzlich haben die von der Stiftung gegründeten Institutionen Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, Hertie School of Governance und START-Stiftung Mittel in Höhe von zusammen 56 Mio. € eingeworben (siehe Grafik „Drittmittel“). Diese Drittmittel haben die Fortentwicklung der Projekte unterstützt und das Wirken der Stiftung weiter verstärkt.