„Eine wirklich gute Debatte kennt nur Gewinner.“ 

Beim Bundesfinale von Jugend debattiert widmete sich Bundespräsident Joachim Gauck in seiner Ansprache einer seiner Herzensangelegenheiten – der Debatte und der Demokratie. „Dies ist ein Wettstreit, der regelmäßig einen Sieger ermittelt, aber keine Verlierer kennt. Eine wirklich gute Debatte kennt nur Gewinner.“ 750 Zuschauer vor Ort in Berlin und über 800 Zuschauer via Live-Stream-Übertragung verfolgten am 18. Juni 2016 die Rede des Schirmherrn und das Bundesfinale von Jugend debattiert.

Siegerin in der Altersgruppe I war die erst 15-jährige Merle Paulick vom Gymnasium am Kattenberge aus Buchholz (Niedersachsen). Sie überzeugte bei der Frage „Soll für den Besitz von Smartphones ein Mindestalter vorgeschrieben werden?“. Die Debatte der Altersgruppe II nahm den sogenannten „Böhmermann-Paragraphen“ unter die Lupe: „Soll § 103 Strafgesetzbuch ersatzlos gestrichen werden?“ Der 17-jährige Christian König vom Werdenfels-Gymnasium in Garmisch-Partenkirchen (Bayern) konnte mit seinen Einwänden die Debatte für sich entscheiden.

Debattieren lernen in Sprachlerngruppen

Doch können auch Schülerinnen und Schüler, die nur über wenig Deutsch-Kenntnisse verfügen, debattieren lernen? Die Antwort lautet: Ja, sie können es, wenn Jugend debattiert zu ihrem Deutschunterricht gehört. Auf Initiative des Landes Berlin kam 2016 Jugend debattiert erstmals auch in Sprachlerngruppen (in Berlin: „Willkommensklassen“) zum Einsatz. An dem Pilotversuch waren rund 150 Schülerinnen und Schüler mit ihren 12 Lehrkräften aus 9 Schulen beteiligt. Den abschließenden Wettbewerb gewann die 17-jährige, aus Homs (Syrien) stammende Silva Alsuliman, die erst seit sieben Monaten Deutsch lernt. Das erfreuliche Ergebnis des Pilotversuchs: Auch in Sprachlerngruppen sind Debatten möglich! Es lässt sich sogar besser Deutsch lernen und die Spielregeln der Demokratie gleich dazu.

Impuls zur Stärkung von Demokratie und Weltoffenheit

Schon zum zehnten Mal fand 2016 die internationale Variante des drittgrößten deutschen Schülerwettbewerbs statt: Jugend debattiert international icon: plus. Melodie Parva, Jugend-debattiert-Alumna, die als Jurorin in Prag anwesend war, schilderte begeistert ihre Eindrücke: „Die Vernetzung gibt dem Ganzen eine besondere Würze: Ich, als Alumna aus Deutschland mit persischen Wurzeln, treffe in Prag auf einen tschechischen Teilnehmer mit vietnamesischen Wurzeln, um auf Deutsch über internationale Rechtsetzung und die Situation in der Ukraine und Syrien zu sprechen – ein Paradebeispiel für gelungenen interkulturellen Austausch auf Augenhöhe.“

Doch nicht nur bei uns oder in Mittel- und Osteuropa wird nach Jugend-debattiert-Regeln gestritten. Lehrkräfte für Deutsch im Auslandsschuldienst brachten das Projekt auch an Schulen in Südamerika.

Erster Lehrstuhl für den Einfluss von Umweltfaktoren auf Multiple Sklerose

Umwelt- und Lebensstilfaktoren spielen zunehmend eine große Rolle in der Forschung und Begleittherapie der MS. So haben z. B. Luftverschmutzung, Sonnenlicht, Ernährung oder eine Geburt Einfluss auf Form und Verlauf der Erkrankung; klare Rückschlüsse sind aber noch nicht möglich. Die Hertie-Stiftung möchte die Forschung auf diesem Gebiet vorantreiben und an einer deutschen Hochschule einen Stiftungslehrstuhl für Umwelt- und Lebensstilfaktoren in der Therapie der Multiplen Sklerose einrichten. Im Januar wurden Universitäten mit einer MS-Einheit aufgefordert, sich um die Mittel in Höhe von 1,25 Mio. Euro zu bewerben. Die Ausschreibung wurde in der wissenschaftlichen MS-Community mit großem Interesse aufgenommen. Eingereicht wurden sieben Bewerbungen (aus Berlin, Bochum, Düsseldorf, Erlangen, Göttingen, Hamburg, Münster), die von insgesamt siebzehn Gutachtern (davon neun aus dem Ausland) bewertet wurden. Die Universität Düsseldorf hat den Wettbewerb gewonnen. Sie schreibt die Professur Anfang 2017 aus.

>>> www.ghst.de/ms-stiftungslehrstuhl



Seit 2011 begleiten die Hertie-Stiftung und die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen Jugend debattiert in deutscher Sprache in Brasilien, seit 2016 auch in Argentinien, Chile und Paraguay. Höhepunkt im letzten Jahr war das I. Internationale Finale Südamerika in Santiago de Chile.

Hier lautete das Thema der Schlussdebatte: „Soll in unseren Ländern wie in Chile bei allgemeinen Wahlen Wahlpflicht durch Wahlrecht ersetzt werden?“ Der 17-jährige Francisco Arid vom Colégio Benjamin Constant in São Paulo argumentierte eindrucksvoll für eine Beibehaltung der Wahlpflicht und errang damit den Gesamtsieg.

Jugend debattiert in Südamerika ist eine bemerkenswerte Veranstaltung, ist doch nicht in allen teilnehmenden Ländern politische Freiheit eine Selbstverständlichkeit. So ist Jugend debattiert nicht nur dort ein Impuls zur Stärkung von Rechtsstaat, Demokratie und Weltoffenheit.

>>> www.jugend-debattiert.de
>>> Partner und Gremien