Neuland: Stiftungsförderung in Kombination mit Crowdfunding

Integration geht uns alle an – überall treffen Menschen unterschiedlicher Kulturen und mit anderen Erfahrungen oder Fähigkeiten aufeinander. Viele Menschen setzen sich bereits für ein Miteinander ein und engagieren sich in Projekten. Nicht nur, aber auch angesichts der jüngst nach Deutschland gekommenen Geflüchteten.

Damit auch weiterhin überzeugende Integrationsprojekte erfolgreich umgesetzt werden können, hat die Hertie-Stiftung im November 2016 den Deutschen Integrationspreis ausgeschrieben. Der Preis besteht aus zwei Teilen: der Finanzierung und der Auszeichnung. Bei der Finanzierung betritt die Stiftung Neuland: Erstmalig wird die Stiftungsförderung mit Crowdfunding im Bereich gesellschaftliche Innovation kombiniert. Sie arbeitet dabei mit der größten deutschen Crowdfunding-Plattform Startnext zusammen. Eine Jury wählt anschließend unter den erfolgreichen Contest-Projekten die Träger des Integrationspreises aus. Für die Finanzierung von Projekten und das Preisgeld stellt die Hertie-Stiftung über 200.000 Euro bereit. 

„Mit dieser Art des Wettbewerbs wollen wir dem Thema Integration zusätzliche Aufmerksamkeit verschaffen, über die täglichen Schlagzeilen hinaus“, sagt John-Philip Hammersen, Geschäftsführer der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. „Zudem erproben wir eine neue Systematik für Suche, Auswahl und Finanzierung von Projekten.“ 

Erwartungen übertroffen

Nach nur sechs Wochen Bewerbungszeit sind über 250 Bewerbungen von unterschiedlichsten Trägern eingegangen: private Initiativen, Vereine, Kommunen, Wohlfahrtsverbände, Social Start-ups, Stiftungen. Dabei setzen viele Projekte lokal, aber auch bundesweit an. So unterschiedlich wie die Träger sind auch die Projektinhalte: Sie beschäftigen sich mit den Themen Sprache und Bildung, Freizeit und Kultur oder auch Gesundheit und Arbeitsmarkt. Und das Beste: Geflüchtete sind in zahlreichen Projekten selbst aktiv eingebunden.

Die vielen Bewerbungen haben gezeigt, dass der Deutsche Integrationspreis den Puls der Zeit trifft. So fiel die Auswahl auch nicht leicht, ist doch jedes einzelne Projekt auf seine Art wichtig. Noch Ende 2016 wurde entschieden, welche Projekte bei dem Crowdfunding-Wettbewerb teilnehmen werden.

Qualifizierung und Finanzierung für nachhaltige Wirkung

Damit die Projekte nachhaltig umgesetzt werden können, erhalten die Teilnehmer neben der Finanzierung auch eine umfangreiche Qualifizierung, z. B. in Form von Workshops beim Hertie-Camp im Januar 2017. Hier arbeitet die Stiftung mit bekannten Institutionen zusammen, die vor allem im Bereich des Social Entrepreneurship aktiv sind (u. a. Social Impact Labs, Social Entrepreneurship Akademie München).

Wie es weitergeht

Die 20 Projekte, die beim Crowdfunding-Wettbewerb die meisten Unterstützer gewinnen, erhalten eine Anschub-Finanzierung durch die Hertie-Stiftung. Die Förderung ist gestaffelt: Die Projekte erhalten zwischen 5.000 und 15.000 Euro. Diejenigen, die ihr Finanzierungsziel erreichen, gehen dann in die Umsetzung. Nach einigen Monaten prüft eine Jury die Erfolge, und die besten drei erhalten den Deutschen Integrationspreis, der nochmals mit insgesamt 100.000 Euro dotiert ist. Die Verleihung des Preises findet im Oktober 2017 statt.

>>> www.ghst.de/deutscher-integrationspreis

Hertie-Preis für Engagement
und Selbsthilfe

Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wurde 2016 zum 25. Mal verliehen. Er wendet sich an Einzelpersonen und Selbsthilfegruppen, die sich für Erkrankte mit Multipler Sklerose oder neurodegenerativen Erkrankungen einsetzen. Ausgewählt wurden drei Sieger-Projekte:

12.500 Euro gehen an die Hamburger NCL-Stiftung. NCL steht für Neuronale Ceroid Lipofuszinose – eine seltene Form von Kinderdemenz. Ausgezeichnet wird die Stiftung für ein Schul-Laborprojekt, in dem in mehreren Modulen abiturrelevantes Wissen wiederholt und am Beispiel der NCL verdeutlicht wird.

7.500 Euro erhalten Walter Henckel und Dirk Strobel aus Dresden für die Entwicklung und Aufführung des Theaterstücks „Die Väter“ zum Thema Demenz für Senioren und dementiell erkrankte Menschen. Das Stück spielt im direkten Wohnumfeld der Bewohner im Pflegeheim und wird damit zu einem Theatererlebnis auf Augenhöhe.

5.000 Euro erhält das Projekt Segeberger Symposien, maßgeblich umgesetzt durch die Regionalgruppe Bad Segeberg der Deutschen Parkinson-Vereinigung mit ihrem Vorsitzenden Bernd Braun. Diese Symposien verbinden Medizin mit Kunst und Musik.

>>> www.ghst.de/hertie-preis