Moderne Struktur
für exzellente
Forschungs­ergebnisse

Das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) in Tübingen bildet gemeinsam mit der neurologischen Universitätsklinik Tübingen eines der bundesweit größten und modernsten Zentren für Neurologie, welches Grundlagenforschung, medizinische Behandlung und Ausbildungsarbeit auf Spitzenniveau praktiziert. Das Institut mit seinen fünf Abteilungen beschäftigt derzeit ca. 18 Professoren und rund 380 Mitarbeitende. 

Genetik für individualisierte Therapie

Einem Wissenschaftlerteam um Prof. Holger Lerche (Abt. Epileptologie) vom HIH und Dr. Markus Wolff vom Universitätsklinikum Tübingen ist es gelungen, Mutationen in einem bestimmten Gen, die eine Epilepsie auslösen können, systematisch einem Therapieeffekt zuzuordnen. Diese Erkenntnis ermöglicht eine individualisierte Behandlung. Besonders Neugeborene und Säuglinge mit schweren Anfällen können davon profitieren, aber auch bei älteren Patienten mit solchen Gendefekten kann dieser Therapieansatz zu einer gezielteren Behandlung führen.

Wirksamer Effekt von Diabetesmedikament für Parkinson

In der Abteilung Neurodegenerative Erkrankungen von Prof. Thomas Gasser fand das Team um Dr. Julia Fitzgerald, dass ein Diabetesmedikament in bestimmten Fällen von Parkinson helfen könnte. Anhand von Zellkulturen zeigen die Wissenschaftler, dass das Medikament Zellen vor einer Störung des Energiehaushalts schützt. Bei nachhaltiger Störung sterben die Nervenzellen im Gehirn ab, was zum Ausbruch der Parkinson-Krankheit führen kann.

Stimulation für Hirnschlag-Patienten

Um die geschädigten Gehirnbereiche nach einem Hirnschlag zu reaktivieren, entwickelt ein Forscherteam um Prof. Ulf Ziemann (Abt. neurovaskuläre Erkrankungen und Neuroonkologie) ein neuartiges Stimulationsgerät. Es wertet Hirnsignale in Echtzeit aus und stimuliert die geschädigten Bereiche in Abhängigkeit davon. Ziel ist es, die stark einschränkenden Folgen, wie Lähmung und Wahrnehmungsstörung, bei Betroffenen abzubauen. Der Prototyp wurde bereits patentiert; jetzt geht es um die Weiterentwicklung für eine breite Anwendung.

Funktion von Nicht-Nervenzellen im Gehirn

Prof. Mathias Jucker (Abt. Zellbiologie neurologischer Erkrankungen) und sein Team belegten, dass Mikrogliazellen länger leben als bislang angenommen. Sie gehören zu den Nicht-Nervenzellen im Gehirn und sind für den Abtransport von Abfall und Krankheitserregern zuständig. Die bisher wenig erforschten Zellen könnten aufgrund ihrer langen Lebenszeit und Lernfähigkeit ein Immungedächtnis ausbilden und zur Entwicklung neurodegenerativer Erkrankungen beitragen.

Schwere Aufgaben erfordern beide Hirnhälften

Unter der Leitung von Prof. Peter Thier (Abt. Kognitive Neurologie) untersuchte ein Wissenschaftlerteam die Aktivierung zusätzlicher Ressourcen im Gehirn für schwierige Denkaufgaben. Sie widerlegten die bisherige Lehrmeinung, dass erst „das alternde Gehirn“ beide Hirnhälften für solche Denkaufgaben nutzt. Mit Hilfe funktioneller MRT zeigten sie, dass altersunabhängig beide Gehirnhälften bei kniffligen Gedächtnisanforderungen aktiv werden.

Noch kurz notiert

Die Neurologin Prof. Ghazaleh Tabatabei, die zu neuen Therapieformen bei Hirntumoren forscht, erhielt 2017 das Top-Mediziner-Siegel des Focus-Magazins. Das HIH war erstmals auf der Jahrestagung der Society of Neuroscience in Washington D. C. vertreten. Das Institut stellte dort den circa 30.000 Besuchern aus 80 Ländern seine Organisation und Forschung vor. Das HIH beteiligte sich an dem weltweit ausgerufenen March for Science gegen alternative Fakten. In Tübingen beteiligten sich rund 3.000 Personen.

>>> www.hih-tuebingen.de
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Forschungsförderung für Multiple Sklerose

Die Hertie-Stiftung möchte die zunehmende Ausdünnung der forschenden Ärzte angehen und den medizinischen Nachwuchs in der Multiple-Sklerose-Forschung stärken. Das Programm medMS richtet sich an wissenschaftlich tätige Ärzte und Medizinstudierende. Unter dem Stichwort „MyLab“ konnten sich Ärzte für die Förderung in Höhe von bis zu 400.000 Euro für den Aufbau eines Labors bewerben. Aufgenommen wurden 2017 Prof. Dr. Stefan Bittner (Universität Mainz) und Dr. Klaus Lehmann-Horn (Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München).

Im Programm für Doktoranden wurden vier Studierende aufgenommen. Mit einem 12-monatigen Stipendium sollen Anreize geschaffen werden, die Doktorarbeit auf das Thema Multiple Sklerose zu konzentrieren. Neben der finanziellen Förderung bietet das Programm aber auch Zeit für Austausch, die Nachwuchsforscher trafen sich z. B. beim internationalen MS-Kongress „ECTRIMS“ in Paris.

>>> www.ghst.de/medms