Vermögensanlage und Finanzen

Das Jahr 2017

2017 war erneut ein gutes Aktienjahr, das nun sechste Jahr in Folge. Auffallend waren darüber hinaus die im historischen Vergleich ungewöhnlich niedrigen Schwankungsbreiten der großen Aktienmärkte. Befördert wurde dies unter anderem durch eine, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, erstmals seit längerer Zeit wieder synchrone Expansion der wichtigsten Wirtschaftsräume und die kontinuierlich expansiven Notenbankpolitiken. Durchaus relevante politische Ereignisse zeigten nur kurzfristige und vernachlässigbare Spuren an den Weltbörsen. Einzig Währungsentwicklungen bargen ein gewisses Überraschungspotenzial – insbesondere die Entwicklung des Euro zum US-Dollar.

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung partizipierte im Jahr 2017 an den genannten Entwicklungen und erzielte aus der Vermögensbewirtschaftung ein Ergebnis, welches den Stiftungsbetrieb und vor allem die Zweckverwirklichung voll finanzierte. Die Performance (Summe aus Wertveränderungen der Vermögensanlagen und vereinnahmten Erträgen) lag bei 4,4 %. Gespeist wurde das Ergebnis vor allem von aktienbasierten Anlagen. Die Asset-Allokation wurde risikobewusst angepasst, da die konjunkturelle Expansionsphase zumindest beim Taktgeber – der US-Wirtschaft – schon eine reife Phase erreicht haben sollte (siehe Schaubild zur Vermögensaufteilung).

Für die mittelfristig und beständig ausgerichtete Zweckverwirklichung der Stiftung ist eine mehrjährige Betrachtung des Anlageergebnisses zielführender. Über die letzten fünf Jahre wurde eine annualisierte Performance aus der Vermögensanlage von 7,0 % erreicht. Die gemeinnützige Projekt-arbeit konnte in diesem Zeitraum im geplanten Umfang umgesetzt werden. Darüber hinaus wurde über die Dotierung von Rücklagen Handlungsspielraum für die Zukunft geschaffen.

Anlagepolitik

Das Vermögensmanagement hat die Aufgabe, das Stiftungsvermögen in seiner Substanz langfristig real zu erhalten und ausreichend Erträge zur Erfüllung des Stiftungszwecks zu erwirtschaften. Ferner sollen Schwankungen des Vermögenswertes auch über einen Konjunkturzyklus hinweg begrenzt werden. Deshalb erfolgt die Vermögensanlage nach dem Prinzip der Risikostreuung international diversifiziert in verschiedene Asset-Klassen, Marktsegmente und Währungen.

Die Allokation des Stiftungsvermögens wird als eine Kernaufgabe für den Stiftungserfolg erachtet und in eigener Verantwortung entschieden. Dagegen ist die Abwicklung der Wertpapiertransaktionen über Spezialfonds weitgehend ausgelagert. In Immobilienanlagen, die sich fast ausschließlich in Deutschland befinden, wird überwiegend direkt investiert.

Angesichts des seit Jahren mageren Zinsniveaus bevorzugt das Vermögensmanagement Sachwertinvestments, die derzeit rund 2/3 des Anlagevolumens ausmachen (v. a. Immobilien, Aktien, Private Equity). Teile des Vermögens sind weiterhin in festverzinslichen Wertpapieren investiert. Dabei werden mittlere Laufzeiten bevorzugt. Es wird selektiv in Unternehmensanleihen mit unterschiedlichen Bonitäten investiert, Staatsanleihen werden gemieden. Die festverzinslichen Papiere sind etwa zur Hälfte in Euro denominiert und weisen eine hohe Liquidität auf. Wertpapiere aus Emerging Markets und in US-Dollar begebene Papiere sind ebenso vertreten. Eine regelmäßige Überwachung der Anleiheemittenten ist im Risikomanagement von zentraler Bedeutung.

Die Immobilienanlagen tragen mit stabilen laufenden Erträgen und Wertsteigerungen zur langfristigen Verwirklichung des Stiftungszwecks und zur realen Sicherung der Vermögenssubstanz bei. Das Immobilienportefeuille besteht – neben zwei eigengenutzten Immobilien in Frankfurt am Main – aus elf in Deutschland gelegenen Objekten mit vorwiegend gewerblicher Nutzung. Im Jahr 2017 wurden erneut nennenswerte Investitionen in Bestandsimmobilien getätigt, um die Attraktivität der Objekte zu steigern. Weiterhin ist die Stiftung über zwei Beteiligungen an Fonds breit gestreut in Immobilien investiert.

Der Anteil der Aktienanlagen wurde 2017 antizyklisch auf 30 % des Anlagevolumens reduziert. Neben den bekannten Standardwerten (Large-Caps) wird auch weltweit in kleine und mittlere Unternehmen investiert. Unter den Aktienanlagen werden auch „Strukturierte Aktienprodukte“ subsumiert, in die je nach Volatilitätsniveau investiert wird. Hierdurch kann eine für Stiftungen vorteilhafte Begrenzung der Marktrisiken unter Aufgabe von maximalen Ertragschancen erreicht werden.

Seit mehr als einer Dekade ist die Stiftung in Private Equity investiert, im Schaubild unter Alternative Anlagen gefasst. Die Beteiligungen sind geografisch, nach Größenklassen und Auflagejahren gestreut. Im Berichtsjahr wurden selektiv neue Zusagen getätigt, die durch hohe Rückflüsse finanziert wurden. Zum Jahresende waren rund 9 % des Anlagevolumens der Stiftung in Private Equity allokiert. Neben einer im Vergleich zu börsennotierten Aktien geringeren Volatilität zeichnet sich Private Equity durch höhere Erträge aus, die zur Verwirklichung des Stiftungszwecks genutzt wurden. Zusätzlich zu Private Equity sind innerhalb der Alternativen Anlagen auch Infrastrukturinvestments enthalten.

Das Vermögen ist zu 79 % im Euro angelegt. Die übrigen Währungen stellen eine beabsichtigte Streuung dar.

Ausblick

Für alle Anleger, die konstante Zahlungen aus der Vermögensbewirtschaftung erzielen wollen, stellen mehrjährige Perioden mit niedrigen bis negativen Renditen auf festverzinsliche Wertpapiere große Herausforderungen dar. Höhere Volatilitäten in der Ergebnisentwicklung werden wahrscheinlicher, die Schwankungen der Kapitalmärkte werden einen größeren Einfluss auch für Stiftungen haben. Auf mittlere Sicht sind bei Aktienmärkten und Immobilien die Risikoaspekte stärker zu gewichten. Die weltweit auch noch 2018 wachsende Geldmenge könnte bedenkliche Auswirkungen bei Vermögensbewertungen bis hin zu einer Asset-Price-Inflation haben. Diesbezügliche Entwicklungen werden von den Verantwortlichen der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung eng verfolgt.

Die Stiftung strebt aus der Vermögensanlage weiterhin eine annualisierte Performance um die 5 % an. Diese Zielmarke orientiert sich an einer Durchschnittsbetrachtung über mehrere Jahre, die in der Vergangenheit realisiert werden konnte. Eine sachwertorientierte Vermögensallokation wird unverändert favorisiert.

Für das Geschäftsjahr 2018 sind Projektmittel von rund 25 Mio. Euro veranschlagt. Das Vermögensmanagement ist bestrebt, die entsprechenden Erträge zu erwirtschaften. Eine beständige Finanzierung der Projekte sollte auf Grund der soliden Finanzlage der Stiftung mittelfristig gesichert sein.

Risikomanagement 

Die Ergebnisse der Vermögensanlage sind zentraler Bestand
teil der jährlich aktualisierten mehrjährigen Unternehmens-
planung. Das Management von potenziellen Chancen und Risiken aus der Vermögensanlage ist somit wesentlich für den Stiftungserfolg und genießt die entsprechende Aufmerksamkeit der Organe.

Regeln zur Vermögensanlage ergeben sich aus den vom Vor-stand beschlossenen „Grundsätzen für die Vermögensanlage“, in denen Anteile für einzelne Asset-Klassen definiert sowie Einzelrisiken (z. B. Emittenten oder Währungsrisiken) limitiert sind. Die Vermögenspositionierung wird laufend überwacht und hinterfragt. Strategische Entscheidungen werden vom Vermögensmanagement vorbereitet und vom Anlageausschuss des Vorstandes entschieden. Dem Anlageausschuss, der zu-sätzlich zum Gesamtvorstand mehrmals im Jahr tagt, werden Sensitivitätsanalysen und „Stressszenarien“ vorgelegt, um die Auswirkungen von Marktentwicklungen auf das Vermögen und die Erträge abzuschätzen. Ein Ausschuss des Kuratoriums steht dem Vorstand speziell in Fragen der Vermögensanlage mit Rat zur Seite. Der Vorstand wird monatlich, das Kuratorium per Quartalsende mit einem detaillierten Bericht über die Vermögensanlage informiert.

Nach Umsetzung der Beschlüsse durch das Vermögensmanagement überwacht die Revision die Einhaltung der Limite und Vorgaben.

Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung

Die Stiftung bilanziert nach Handelsrecht. Rund 87 % der Bilanzsumme entfallen auf Sach- und Finanzanlagen. In den Sachanlagen (157 Mio. Euro) sind überwiegend unsere Renditeimmobilien enthalten. Unter den Finanzanlagen werden die Anteile an Wertpapierfonds und Aktien (499 Mio. Euro) sowie die Beteiligungen an Unternehmen und Private-Equity-Fonds (111 Mio. Euro) ausgewiesen.

Das bilanzielle Eigenkapital der Stiftung steigt um 2,6 % und beträgt 784 Mio. Euro. Wesentliche Teile davon betreffen die Rücklage aus Vermögensumschichtung (477 Mio. Euro), die sich 2017 um 12,9 Mio. Euro erhöht hat, sowie die Freie Rücklage (129 Mio. Euro), die 2017 mit 5,0 Mio. Euro dotiert worden ist. Weiterhin ist ein Mittelvortrag von 3,0 Mio. Euro vorhanden, der für die Förderung in den kommenden Jahren zur Verfügung steht. Verbindlichkeiten bestehen insbesondere für Förder- und Projektmittel (19 Mio. Euro) und gegenüber Kreditinstituten (70 Mio. Euro), die aus Immobilienfinanzierungen resultieren.

Das Ergebnis aus dem Vermögensmanagement liegt mit 43,7 Mio. Euro auf hohem Niveau, auch wenn es gegenüber dem Vorjahr leicht um 3,7 Mio. Euro sank. Dabei steigt die Summe der laufenden Erträge gegenüber dem Vorjahr um 5,0 Mio. Euro auf 28,6 Mio. Euro an. Realisierte Gewinne und Verluste aus Wertpapieren sowie Abschreibungen und Aufwertungen von Finanz- und Umlaufvermögen sind in Höhe von 16,0 Mio. Euro angefallen, ein Rückgang von 8,6 Mio. Euro. 
Die gesamten erwirtschafteten Mittel gingen um 3,6 Mio. Euro auf 44,7 Mio. Euro zurück. Neben den Nettoerträgen aus dem Vermögensmanagement sind darin auch die Fördermittelzuwendungen von Dritten enthalten.

Für die Verwaltung der Stiftung sind 2017 2,4 Mio. Euro angefallen. Die Verwaltungskostenquote liegt mit 5,3 % auf einem niedrigen Niveau. Zur Berechnung werden die Verwaltungskosten ins Verhältnis zu der Summe der erwirtschafteten Mittel gesetzt.

Im Jahr 2017 hat die Stiftung Projektmittel in Höhe von 24,7 Mio. Euro neu zugesagt, ein geringer Rückgang um 1,3 Mio. Euro zum Vorjahr. Die tatsächlichen Auszahlungen für Projekte, deren Höhe stark von den Mittelabrufen durch die Projektpartner abhängt und die zum Teil auch Bewilligungen früherer Jahre enthalten, belaufen sich auf 21,3 Mio. Euro.

Die Position „Sonstiges Ergebnis“ enthält im Wesentlichen in früheren Jahren zugesagte, aber nicht voll verbrauchte Fördermittel. Diese Gelder werden dem Projektbereich zur 
weiteren Verwendung wieder zugeführt.

Die Tabelle „Auszahlungen Projektmittel 2017“ zeigt die Mittelabflüsse für die größten Projekte. Zusätzlich sind für die Sach- und Personalmittel der Projektarbeit 3,8 Mio. Euro aufgewendet worden. In Summe 0,9 Mio. Euro der Projektaufwendungen werden durch Beiträge Dritter finanziert.

Die Hertie-Stiftung hat in den Jahren 2013 bis 2017 insgesamt rund 121 Mio. Euro für Projekte ausgezahlt. Von Seiten Dritter sind darin 5,9 Mio. Euro enthalten. Zusätzlich haben die von der Stiftung gegründeten Institutionen Hertie-Institut für klinische Hirnforschung, Hertie School of Governance und START-Stiftung Mittel in Höhe von zusammen 60 Mio. Euro eingeworben (siehe Grafik „Drittmittel“). Diese Drittmittel haben die Fortentwicklung der Projekte unterstützt und das Wirken der Stiftung weiter verstärkt.