Die guten Seiten der Demokratie

Geschäftsführerin Elisabeth Niejahr über den schwierigen Stand der Demokratien in der Welt und die Situation in Deutschland.

Demokratie braucht Engagement

Vor 35 Jahre haben die Vereinten Nationen den 15. September als „Internationalen Tag der Demokratie“ ins Leben gerufen, um daran zu erinnern, dass Demokratie keine Selbstverständlichkeit ist. Ihre Grundsätze sind zu fördern und zu verteidigen. Wie sieht die Lage heute aus?     

3 Fragen an Elisabeth Niejahr, Geschäftsführerin für den Bereich „Demokratie stärken“ der Hertie-Stiftung

1. Wie steht es aktuell um die Demokratie?

Der Krieg in der Ukraine erinnert daran, wie fragil die Demokratie ist. Verschiedene Indizes zeigen, dass sich der Anteil der Menschen weltweit, die in einer liberalen Demokratie leben, seit Jahren sinkt, wohingegen autoritäre oder semiautoritäre Regierungen an Boden gewinnen. Das ist besorgniserregend. Zu den außenpolitischen Bedrohungen kommt, dass in Ländern wie den Vereinigten Staaten liberale Demokratien auch von innen gefährdet sind, etwa durch Veränderungen am Wahlrecht. In Deutschland ist die Demokratie meiner Ansicht nach stark und stabil, allerdings auch deswegen, weil sich die Zivilgesellschaft über viele Jahre hinweg außerordentlich dafür engagiert hat. Hier dürfen wir nicht nachlassen.

2. Was sind die wichtigsten Herausforderungen im Moment - und was lässt sich dagegen tun?

Der Krieg in der Ukraine ist auch ein Informationskrieg, mit gezielten Falschinformationen, vor allem auf Social Media, soll der Westen geschwächt werden. Über Jahre hinweg werden noch mehr Anstrengungen und vielerlei Bildungsangebote für eine gelingende Debattenkultur nötig sein, sowohl digital als auch analog. Ein zweites aktuelles Demokratie-Thema, das mich umtreibt: Wer geht eigentlich noch in die Politik, und wie können wir diejenigen, die Ämter übernehmen, schützen? Das gilt insbesondere für Kommunalpolitiker und Kommunalpolitikerinnen, die besonders viel Bedrohung, Hass uns Hetze ausgesetzt sind. Wir sollten nicht hinnehmen, dass sich auf lokaler Ebene immer weniger Menschen um politische Ämter bemühen.

3. Welche Gedanken haben Sie persönlich an einem Tag, der die Demokratie würdigt?

Für mich persönlich ist es am wichtigsten, konstruktiv auf dieses Thema zu schauen. Es gibt so viele deprimierende Nachrichten, dass manche Journalisten schon vom Problem der „News Fatigue“ sprechen, also einer Nachrichten-Müdigkeit. Viele Menschen wollen nicht zur Kenntnis nehmen, was um sie herum passiert. Am Tag der Demokratie dürfen wir uns auch gern mal dafür begeistern, was gut ist in Demokratien.

Das Interview führte Rena Beeg im Auftrag der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung

Demokratie Stärken

Die Hertie-Stiftung setzt sich im Bereich "Demokratie stärken" mit diversen erfolgreichen Projekten, gerichtet an unterschiedlichste Zielgruppen, für die Erhaltung und Stärkung unserer Demokratie ein.

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