Carpe diem

Themen recherchieren, Menschen erreichen: Ein Interview mit Edith Heitkämper über neue Medizin, ihre Familie und ihr Vorbild

Mach das Beste daraus

Edith Heitkämper, Jury-Mitglied für den Hertie-Preis und Redakteurin beim Gesundheitsmagazin "Visite", über medizinische Aufklärung, Work-Life-Balance und die Geschichte ihres Lebensmottos.

Edith Heitkämper verlor als Jugendliche ihre Mutter, die an ALS starb. Eine schreckliche Erfahrung, die ihr aber zeigte:  Man muss das Beste aus dem machen, was man hat, und jeden Tag nutzen. Diese positive Einstellung zum Leben setzt sie in ihrem Beruf als Redakteurin beim Gesundheitsmagazin "Visite" vom NDR genauso um wie in ihrer Rolle als Jurymitglied für den Hertie-Preis. 

Liebe Frau Heitkämper, wann haben Sie die besten Ideen? 

Schwer zu sagen. Wenn ich Zeit habe. Wenn ich jogge. Wenn ich mit Freundinnen zusammensitze. Leider oft kurz vor dem Schlafengehen, dann wird‘s mal wieder spät. 

Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Gutes tun wollen? 

Ich versuche, mir Zeit zu nehmen. Ein guter Tag ist, wenn ich Zeit hatte, etwas Interessantes zu lesen, Sport zu machen, Klavier zu spielen. Dazu Freunde treffen, mit meinem Sohn Fußball spielen – das passt oft alles gar nicht in 24 Stunden. Ich hätte manchmal gern einen 26-Stunden-Tag… 
 

Wie motivieren Sie sich? 

Ich habe das große Glück, dass ich mir meine Arbeit bei der „Visite“ (Gesundheitsmagazin im NDR Fernsehen) so viel Spaß macht, dass die Motivation meist von ganz alleine kommt. Wir haben jeden Tag viele interessante Themen aus der Medizin, in die wir eintauchen, das bleibt auch nach vielen Jahren im Journalismus spannend und berührend. Was z.B. MS betrifft hat mich erst vor kurzem der Beitrag eines unserer Autoren beeindruckt, der über die Stammzelltherapie bei besonders schweren Krankheitsverläufen berichtet hat. Das ist schon ein Wahnsinn, was die Forschung in den letzten Jahren erreicht hat, wie die moderne Medizin da kranken Menschen helfen kann. Außerdem finde ich es wichtig, über Therapien und Behandlungsmöglichkeiten so viel es geht aufzuklären, denn nur eine informierte Patientin, ein mündiger Patient, kann sich gemeinsam mit dem Arzt selbstbestimmt auf die Suche nach der besten Behandlung machen. 

Haben Sie ein Motto oder einen Vorsatz?  

„Tu es“. Diese Worte hatte mein Vater eine Zeitlang auf einem gelben Zettel auf seinem Schreibtisch stehen. Die Dinge jetzt zu tun, oder so schnell es geht und nicht auf irgendwann zu verschieben. Meine Mutter ist mit 50 Jahren an ALS gestorben. Vorher lag sie fast zwei Jahre lang bewegungs- und sprachlos, aber mit wachem Geist an den Geräten im Krankenhaus. Für mich als Jugendliche war das eine sehr schlimme Erfahrung. Sie hat mir gezeigt: Sieh es als Geschenk, wenn es Dir gut geht. Und wenn es Dir nicht so gut geht, versuche das Beste draus zu machen. Denn jeden Tag kann sich etwas dramatisch verändern. Carpe diem. 

Was können Sie besonders gut? 

Ich bin mutig und scheue mich nicht vor unangenehmen Dingen. Ich glaube, ich kann mich selbst ganz gut wiederaufrichten.  

Auf was sind Sie stolz in Ihrem Leben? 

Dass es mir einigermaßen gelingt, Beruf, Privates und ehrenamtliches Engagement unter einen Hut zu bringen. Selbst wenn mein Work-Life nicht immer in Balance ist, schaffe ich das immerhin manchmal und das macht mich glücklich. 

Haben Sie einen Lieblingsort? 

Früher als Kind war das oben auf „meinem“ Apfelbaum. Jetzt habe ich mehrere, mit Blick in die Berge zum Beispiel, oder aufs Meer, die Füße im warmen Sand. 

Wie tanken Sie Kraft? 

Durch Reisen und Nichtstun. Sport machen, ausschlafen, Freunde treffen. 

Der perfekte Tag – wie sähe der für Sie aus? 

Ausschlafen. Herrlich essen. Mit Freunden und Familie zusammen sein. Zeit zum Lesen haben. Ins Wasser springen und Sonne auf der Haut spüren. Abends ein Glas Wein mit meinem Mann. 

Wen würden Sie gerne auf einen Kaffee treffen, wenn Sie die freie Wahl hätten? 

Michelle Obama. Eine tolle Frau, mit der das Kaffeetrinken sicher auch lustig wäre. Wir Frauen müssen uns gegenseitig unterstützen, da ginge noch viel mehr. Deshalb engagiere ich mich auch bei ProQuote Medien, weil auch in den Medien immer noch viel zu viele Männer allein das Sagen haben. Dabei sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass Frauen und Männer gleichberechtigt bestimmen, sei es in der Medizin, sei es bei Zeitungen oder dem Fernsehen. Michelle Obama ist eine kluge Frau mit einer so positiven, kraftvollen Ausstrahlung. Wir Frauen sollten häufiger mal unsere „innere Michelle“ aktivieren. 

MenSchlich - kreativ und engagiert rund um MS

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung engagiert sich sowohl in der Erforschung von Nervenerkrankungen wie Multipler Sklerose als auch in der Unterstützung von Betroffenen. In der Rubrik MenSchlich erzählen wir die  Geschichten der Menschen rund um MS.

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