Jeder kann helfen!

Hilfe für Betroffene: Sozialpädagogin Gabriele Grede über die MS-Hotline an der Uniklinik Köln. 

Den Menschen eine Stimme geben

Gabriele Grede engagiert sich für die bundesweite MS-Beratungshotline an der Uniklinik Köln. Ein Gespräch über Verantwortung, Motivation und berührende Momente bei ihrer Arbeit.

Gabriele Grede ist Sozialpädagogin und seit zwanzig Jahren im ambulanten Hospizbereich tätig. Seit fünf Jahren engagiert sie sich für die deutschlandweite palliative Beratungshotline für schwer MS-erkrankte Menschen, die am Zentrum für Palliativmedizin der Uniklinik Köln angesiedelt ist. Diese MS-Hotline mit der Nummer 0221 – 478 98400 wurde 2014 von der Hertie-Stiftung im Rahmen von mitMiSsion in Kooperation mit der DMSG gefördert. Die Hotline bietet den Anrufenden praktische Informationen zu Möglichkeiten der palliativen und hospizlichen Versorgung und vermittelt bei Bedarf den Kontakt zu passenden ambulanten Diensten, Beratungsstellen, Kliniken/Einrichtungen und Selbsthilfegruppen. Bei allgemeinen Fragen zu MS wird auf die Beratungsstellen der DMSG verwiesen. Gabriele Grede sucht am Telefon nach Möglichkeiten, den Betroffenen zu helfen: Was kann vor Ort getan werden? Wie kann die Familie unterstützt werden? „Diese Menschen haben selten eine Stimme“, sagt Grede – diese will sie ihnen geben.

Liebe Frau Grede, was ist ein besonderer Moment für Sie?  

Bei unserer MS-Hotline rufen viele Menschen zwischen 30 und 55 Jahren an, die sehr schwer erkrankt sind. Sie fallen oftmals durch das Raster der Hilfsangebote, sei es bei Pflegeeinrichtungen oder Hospizdiensten. Denn die Erkrankung ist schwer einzuschätzen und langwierig. Oft bin ich menschlich gerührt, gebe den Patienten Zeit zum Sprechen. Die Menschen bedanken sich dann unendlich für das Telefongespräch. Ich versuche dabei zu erahnen, worum es geht und was wirklich gebraucht wird. Dann versuche ich Hilfe zu vermitteln. Wenn dies gelungen ist, zehre ich davon, wenn die Erkrankten oder ihre Angehörigen zurückrufen und mir berichten, dass sie Hilfe erhalten haben. Wenn so etwas zustande kommt, ist das ein besonderer Moment für mich. 

Wann haben Sie die besten Ideen? 

Die habe ich direkt beim Telefonat. Ich kann mich gut in die Menschen hineinversetzen, weiß wovon sie sprechen, denn das kenne ich aus dem Hauptberuf im Hospizbereich. Da kommen mir sofort genügend Ideen, welche Hilfen möglich sein könnten.  

 Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Gutes tun wollen? 

Ich gehe zum Sport. Da kann ich mich auspowern, zum Beispiel beim Joggen im Wald. Das gibt mir Kraft.  
 
Wie motivieren Sie sich? 

Meine Motivation ist: Helfen wollen und Menschen unterstützen, die in einer Notlage sind. Aus meiner Familiengeschichte weiß ich, wie wichtig es ist, in einer Notlage jemanden um sich zu haben. Gerade junge Erkrankte, bei denen MS schnell fortschreitet, stehen vor vielen Herausforderungen, von der Alltagsbewältigung über die richtige Pflegeunterstützung bis hin zur Schmerzmitteleinstellung. Diesen Menschen möchte ich in der Öffentlichkeit eine Stimme geben.  

 Was können Sie besonders gut? 

Ich kann gut vermitteln und Hilfe koordinieren. Wenn es darum geht, wo man Hilfe herbekommen kann, bin ich auch sehr ausdauernd – denn die Menschen am Telefon haben ja oftmals keine. 

Ist Ihnen das, was Sie erreicht haben, wichtig? 

Ja, sehr. Jeder sollte ein Stück Hilfe anbieten, dann wäre die Welt vielleicht ein bisschen besser. Jeder kann das tun! 

Haben Sie einen Lieblingsort? 

Ich reise gerne. Ich entdecke gerne neue Orte, besonders in anderen Ländern.  
 
Der perfekte Tag – wie sähe der für Sie aus? 

Wenn ich für einen Erkrankten Unterstützung anbieten konnte und etwas erreicht habe.  
 
Wen würden Sie gerne auf einen Kaffee treffen, wenn Sie die freie Wahl hätten? 

Meine allererste Arbeitskollegin aus der Hospizarbeit, von der ich viel gelernt habe und die ich sehr schätze. Sie hat die Arbeitsstätte gewechselt und ich habe sie länger nicht mehr gesehen. Wir standen vor zwanzig Jahren am Anfang der Hospizarbeit, waren sehr motiviert und wollten viel erreichen. Jetzt hier mit ihr darauf zurückzublicken, fände ich spannend – sich auszutauschen über die alten Zeiten, aber auch über die Veränderungen, die es seitdem gegeben hat. 

Telefonnummer der Palliativen Hotline für schwer an MS Erkrankte:  0221 / 478 98 400

MenSchlich - kreativ und engagiert rund um MS

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung engagiert sich sowohl in der Erforschung von Nervenerkrankungen wie Multipler Sklerose als auch in der Unterstützung von Betroffenen. In der Rubrik MenSchlich erzählen wir die  Geschichten der Menschen rund um MS.

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