"Man darf nicht vergessen, was die wichtigen Dinge im Leben sind."

Cornelia Würthwein im Labor, Foto privat

Cornelia Würthwein erlebte und erlebt die Krankheit Multiple Sklerose bei ihrer Mutter und war erstaunt, wie wenig über die Erkrankung bisher bekannt ist. Schon ihre Masterarbeit in Biologie widmet sie daher MS und nun, als Teilnehmer des Hertie-Forschungsprogramms medMS, bearbeitet sie auch in ihrer Doktorarbeit das Thema intensiv.

Hertie-Stiftung: Haben Sie eine Art Lebensmotto oder Glaubenssatz, wie etwa „In der Ruhe liegt die Kraft“?

Cornelia Würthwein: Mein Lebensmotto stammt von meinem Vater, der mir und meinem Bruder, als wir klein waren, gesagt hat: „Du kannst alles schaffen, wenn du nur wirklich willst“. Das klingt zwar ziemlich abgedroschen, aber es steckt eine gute Botschaft dahinter: Wenn du etwas wirklich willst, wird es hart und du musst dafür Opfer bringen, aber wenn du dich anstrengst wirst du es erreichen. Wenn du nicht bereit bist alles andere dafür zurückzustellen, dann willst und wirst du es auch nicht erreichen.

Auf was sind Sie stolz in Ihrem Leben?

Ich bin auf meine Familie und meine Freunde stolz, weil ich von ihnen immer etwas lernen und mich auf sie verlassen kann. Ich bin stolz darauf, dass ich bisher in meinem Leben meinen Weg gefunden habe und die Dinge erreicht habe, die ich mir vorgenommen habe ohne meine Integrität zu verlieren – und ohne zu vergessen was die wichtigen Dinge im Leben sind.

Wie tanken Sie Kraft?

Diese Frage ist schwer zu beantworten. Meistens muss ich gar nicht bewusst Kraft tanken, da mir Spaß macht was ich tue und daher der Antrieb von ganz alleine kommt. Wenn ich aber einen schlechten Tag habe, klinke ich mich auch gerne mal aus, bin total faul und unproduktiv und tue nur Dinge für mich. Meistens kehrt dann die Motivation von alleine wieder zurück.

Ich hoffe, ich kann später diejenige sein, die den extra Schritt geht.

Cornelia Würthwein mit ihrer Mutter, Foto privat

Der perfekte Tag – wie sähe der für Sie aus?

Zuerst einmal auf jeden Fall ausschlafen und neben meinem Freund aufwachen. Dann irgendwo ausgiebig frühstücken gehen. Als nächstes eine Runde Yoga und danach ein entspannter Saunabesuch mit anschließender Thaimassage. Zum Abendessen würde ich mit meiner Familie in unser Lieblingsrestaurant gehen. Danach würde ich bei meinen Freunden vorbeischauen und ein paar kühle Hefeweizen trinken. Falls ich dann immer noch fit sein sollte, würde ich den Tag bei einem Science-Fiction-Film mit meinem Freund auf der Couch ausklingen lassen.

Wer oder was wären Sie gerne?

Ich wäre gerne nach dem Studium ein guter Arzt. Damit meine ich nicht nur fachlich kompetent, sondern auch menschlich. Ich hoffe, ich kann später derjenige sein, der etwas besser hinhört und den extra Schritt geht. Bei meiner Zeit im Rettungsdienst habe ich viele Ärzte gesehen, die auch nach Jahren im Dienst den Patienten noch die Hand halten. Das finde ich sehr erstrebenswert. Ich habe hohe Ideale und es wird sicher schwer, ihnen auch in den Mühlen des Gesundheitssystems gerecht zu werden, aber es wäre toll, wenn wenigstens einige davon über die Jahre erhalten blieben.

Zur Person

Cornelia Würthwein forscht in der Abteilung für Neurologie - Molekulare Neuroimmunologie der Universität Heidelberg über die Rolle des Immunsystems in Hinblick auf Multiple Sklerose im Rahmen ihrer Doktorarbeit und bekommt dafür die medMS-Förderung der Hertie-Stiftung.