„Bewegung ist für mich Lebenselixier. Je ungewöhnlicher die Orte, um so spannender. “

Martin Schmid, Sportwissenschaftler (58), hat seit 10 Jahren MS. Seit 8 Jahren engagiert er sich mit dem Projekt Abenteuer Aufwind des Sportbildungswerkes des Bottroper Sportbundes für Menschen mit Handicap, hier besonders für Menschen mit MS. Für sein ungewöhnliches Engagement zugunsten anderer Betroffener wurde er bereits ausgezeichnet. Von der Hertie-Stiftung erhielt er eine Förderung im Rahmen des Projekts mitMiSsion.

Der Kopf spielt eine riesige Rolle.

   

HERTIE-STIFTUNG: Was machen Sie, wenn Sie sich etwas Gutes tun wollen? Wie tanken Sie Kraft?

MARTIN SCHMID: Bewegung ist für mich Lebenselixier. Je ungewöhnlicher die Orte, um so spannender. Ich fahre gerne Mountainbike oder Kanu, ich bin Abenteuer-Sportler! Mit dem Bike war ich schon in der Atacamawüste, im Himalaya, in der Wüste von Oman oder der Mongolei. Ich fahre sehr gerne in einer kleinen Gruppe von Freunden, die als Teilnehmer zum Sportbund kamen und mittlerweile meine Freunde sind. Wir haben alle ein Handicap und wollen unsere Grenzen ausloten!

Für unsere Abenteuer sind wir trotzdem gut aufgestellt, denn drei sind Ärzte und drei Sportwissenschaftler. Außerdem kennen wir uns durch viele gemeinsame Abenteuer gut und kennen auch die Schwächen des anderen. Wir gucken gemeinsam, was mit unseren Erkrankungen „noch geht“. Dabei stellen wir die Dogmen der Medizin auf die Probe. Man sagt z.B., MS Patienten haben oft Probleme mit der Hitze. Wir fahren daraufhin in den Oman und stellen fest, es geht! Der Kopf spielt bei der Gesundheit eben auch eine riesige Rolle.

 

Sie sind viel herumgekommen, haben Sie denn einen Lieblingsort?

Am liebsten bin ich in den Bergen! Da kann ich Kraft tanken und fühle mich viel gesünder (als z.B. im Ruhrgebiet, was nun auch nicht so verwunderlich ist). Ich erinnere mich an eine Nacht in den Bergen. Dort oben über den Wolken hat man tagsüber ein Wahnsinnsgefühl von Freiheit und in der Nacht sieht man einen einzigartigen Sternenhimmel. Mit unserer MS-Gruppe waren wir sogar mit dem Rad auf dem Mont Ventoux, bekannt aus der Tour de France. Da sind wir mit 6 MS-Betroffenen hochgefahren, am Ende sind Glückstränen geflossen! Wir bereiten uns aber extrem seriös darauf vor, das kann auch mal zwei Jahre dauern.



Man fokussiert sich wieder auf die wichtigen Dinge.

Mit wem würden Sie sich gerne mal auf einen Kaffee treffen?

Mit dem Dalai Lama! Weil ich eine Affinität zum Himalaya und dem Buddhismus habe. Ich war z.B. in den kleinen früheren Königreichen Ladakh oder Sikkim. In dieses alte und verborgene Königreich darf man als Tourist überhaupt nur maximal 14 Tage einreisen, sehr spannende Region. Natürlich sind wir dort Rad gefahren. Wenn unser Guide sagte, die nächste Etappe wäre „flat“ hieß das, nur schlappe 15 Prozent Steigung.

Wann haben Sie die besten Ideen?

Ich habe immer Ideen, ich bin eine Ideenmaschine! Wir müssen uns als Sport-Institution aber auch immer selbst erfinden, das ist Grundlage unseres Geschäfts. Ein aufregendes Vorhaben war z.B. der Besuch beim Indoor Skydiving, eine Art Heißluft-Flugtunnel. Wir sind mit Blinden und halbseitig gelähmten Teilnehmern geflogen, die haben wir einfach an der Hand festgehalten. So zu fliegen war für alle ein aufregendes Erlebnis.

Auf was sind Sie stolz in Ihrem Leben?

Ich bin sehr stolz auf meine Frau und meine Kinder! Ich habe insgesamt viel mehr Verständnis für andere, seitdem ich MS habe. Man fokussiert sich wieder auf die wichtigen Dinge, Familie und Freunde. Mir geht es eigentlich sogar besser als früher.

Vielen Dank für das Gespräch.