Pressemitteilung im Detail

Zum 70. Jubiläum - Schüler wünschen sich mehr Aufmerksamkeit für das Grundgesetz

Eine Umfrage unter knapp 1000 Jugend debattiert-Teilnehmenden zeigte, 56 Prozent reichen die Informationen im Schulunterricht zum deutschen Grundgesetz nicht.

Foto: Paulo Glowacki Quelle: Susanne Ahrens, Hamburger Bürgerschaft

Frankfurt, 16. Mai 2019 – Am 23. Mai wird das Grundgesetz 70 Jahre alt, und bereits im Vorfeld der Feierlichkeiten erfährt die „Verfassung der Deutschen“ ganz besondere Aufmerksamkeit. Doch wie nehmen deutsche Schülerinnen und Schüler das Grundgesetz in ihrem Leben wahr? Laut einer Umfrage der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung unter knapp 1000 Teilnehmenden des bundesweiten Wettbewerbes Jugend debattiert wünscht sich ein Großteil der Befragten einen stärkeren Fokus auf das Grundgesetz, sowohl im Schulunterricht als auch in der öffentlichen Wahrnehmung. 

So wünschen sich 83 Prozent der Befragten generell mehr öffentliche Aufmerksamkeit für die rechtliche und politische Grundordnung der Deutschen, vor allem im Alltag. Als „besonders wichtig“ sehen die Jugendlichen Artikel 1 zur Menschenwürde (48 Prozent) und Artikel 5 zur Presse- und Meinungsfreiheit (18 Prozent) an. Über die Bedeutung des Grundgesetzes scheint bei den jungen Leuten so gut wie Einigkeit: 88 Prozent der Teilnehmenden halten es für eine „Bürgerpflicht“, das Grundgesetz gut zu kennen, 98 Prozent sagen „wir brauchen das Grundgesetz weiterhin“. Als Themen, die ihnen im Grundgesetz „fehlen“ würden, wurden von den Jugendlichen vorrangig das Klima, die Umwelt, der Tierschutz und Kinderrechte genannt. 

„Der Praxisbezug kommt im Unterricht zu kurz“

Auch im Schulunterricht würden sich die Befragten in „Art und Umfang“ über mehr Aufmerksamkeit für das Grundgesetz freuen. Nur 44 Prozent sind der Meinung, dass die Verfassung „angemessen“ vermittelt wurde. Für 56 Prozent ist dies nicht der Fall: Beklagt wird vor allem der „zu geringe Unterrichtsumfang“, der für das Grundgesetz vorgesehen ist, sowie die Beschränkung auf einzelne Artikel anstelle einer Gesamteinordnung. Auch würde die Bedeutung des Grundgesetzes im Alltag häufig nicht deutlich genug vermittelt werden. 
Umfrageteilnehmer Paulo Glowacki (17), aus Hamburg: „Auf viele Schüler wirkt das Grundgesetz zunächst wie eine trockene Ansammlung von Artikel und Paragraphen und wird erst durch Anwendungsbeispiele aus der Praxis interessant. Leider kommt der aktuelle Bezug in der Schule oft zu kurz. Dabei ist es bei vielen kontroversen Themen, wie wir sie auch bei Jugend debattiert behandeln, immer interessant zu fragen, was eigentlich das Grundgesetz dazu sagt“, so der Abiturient. 

Er selbst habe sich in der 11. Klasse zum ersten Mal mit der Verfassung beschäftigt. „Inhaltlich fehlt mir im Grundgesetz nichts“, sagt Paulo Glowacki, „außer eine Einordnung, wie wir als Staat und Gesellschaft in die Zukunft blicken wollen. Ich fände sinnvoll, das Grundgesetz so zu aktualisieren, dass neue Herausforderungen, wie der Klimawandel, ihre Beachtung finden. Der Blick in die Zukunft ist für uns junge Menschen besonders wichtig.“

Für die Umfrage wurden 965 aktuelle und ehemalige Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Wettbewerbes Jugend debattiert im Alter zwischen 14 und 30 befragt. Mehrfachnennungen waren möglich. 

Pressekontakt
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