medMS – Stärkung der Mediziner in der MS-Forschung

Die Hertie-Stiftung möchte die zunehmende Ausdünnung der Forschung betreibenden Ärzte angehen und den medizinischen Nachwuchs in der Multiple-Sklerose-Forschung stärken. Das neue Programm medMS richtet sich an wissenschaftlich tätige Ärzte und Medizinstudierende. Es besteht aus drei voneinander getrennten Förderverfahren.

Die nächste Ausschreibung beginnt im Frühjahr 2018.

Hertie-MyLab-Programm

Strukturelle Förderung wissenschaftlich arbeitender Ärzte

Mit dem vorliegenden Programm sollen junge, wissenschaftlich arbeitende Ärzte Gelder beantragen können, um ihre Forschung in einem eigenen Labor nachhaltig und langfristig weiterverfolgen zu können. Dabei geht es ausdrücklich nicht um eine Projektförderung, sondern um die Perspektive und Entwicklung der geförderten Person im Sinne eines Clinician Scientist mit eigenständiger und hochrangiger Forschung.
Es können in einem zeitlich flexiblen Rahmen Mittel für den Aufbau, die qualitative Weiterentwicklung oder Verstetigung des eigenen Labors beantragt werden. Pro Person können bis zu 400.000 € beantragt werden; es sollen jährlich 2-3 forschende Ärzte gefördert werden. 

Unterstützte Ärzte

Angegeben sind jeweils das Jahr der Projektbewilligung und die Antragssteller.

2017

  • Prof. Dr. Stefan Bittner (Universität Mainz)
    Herr Prof. Bittner konzentriert sich in seiner Forschung auf chronisch-entzündliche Prozesse bei der Multiplen Sklerose. Aufbauend auf sehr beachteten Vorarbeiten möchte er in den kommenden Jahren mit seinem Forschungsteam umfangreiche Studien rund um den schädigenden Einfluss von Kalziumionen auf Nervenzellen durchführen, die zu einem tieferen Verständnis dieses Signalwegs führen und neue therapeutische Konzepte ermöglichen.
  • Dr. Klaus Lehmann-Horn (Klinikum rechts der Isar, Technische Universität MünchenTechnische Universität München)
    Herr Dr. Lehmann-Horn möchte im Rahmen des vorliegenden Projekts den chronischen Krankheitsverlauf der Multiplen Sklerose studieren und sich auf Entzündungsszellen konzentrieren, von denen man vermutet, dass sie – wenn sie in hoher Zahl vorliegen – eine Rolle bei der Entstehung und auch dem Fortschreiten der Erkrankung spielen.

2016

  • Dr. Volker Siffrin (Charité Berlin)

    Herr Dr. Siffrin möchte Studien zur Neurodegeneration, also dem Untergang von Nervengewebe, bei der MS durchführen und im Rahmen dieser sog. Biomarker identifizieren, die für die MS so dringend benötigt werden, um prognostische Aussagen zum Krankheitsverlauf und der Behinderungsentwicklung treffen zu können.

  • Prof. Dr. Ricarda Diem (Universität Heidelberg)

    Frau Prof. Diem arbeitet seit vielen Jahren intensiv auf dem Gebiet der Sehnerventzündung, die häufig im Rahmen einer MS auftritt und Aufschluss über die Krankheitsentstehung liefert. In den kommenden Jahren möchte sie mit ihrem Forschungsteam umfangreiche Studien durchführen, um die Mechanismen dieser Erkrankung zu entschlüsseln.

Hertie-Doktorandenprogramm

Das MyLab-Programm wird ergänzt durch zwei Programme für Medizinstudierende: Die Hertie-Stiftung möchte begabte Studierende bereits früh dauerhaft für die MS-Forschung begeistern und sie dort halten. Mit dem Doktorandenprogramm sollen Anreize für wissenschaftlich interessierte Medizinstudierende geschaffen werden, sich in ihrer Doktorarbeit auf das Thema Multiple Sklerose zu konzentrieren und/oder die wissenschaftliche Qualität der Arbeit zu erhöhen. Hauptförderung ist ein 12-monatiges Stipendium während der Laborphase der Promotion, in dem das Medizinstudium für mindestens sechs Monate zugunsten der vollzeitlichen Tätigkeit für die Doktorarbeit unterbrochen wird. Der Betreuer der Arbeit erhält einen Sachmittelzuschuss. Die von der GHS geförderten Doktoranden treffen sich regelmäßig (auch über die Zeit des Stipendiums hinaus) zum wissenschaftlichen Austausch. Zudem kann jeder Doktorand den Welt-MS-Kongress und eine neurowissenschaftliche Summer School besuchen. Herausragende Arbeiten werden mit einem Preis belohnt.

Unterstützte Doktoranden

Angegeben sind jeweils das Jahr der Projektbewilligung und die Antragssteller.

2017

  • Identifikation von neuronalen Adaptationswegen bei mitochondrialer Dysfunktion zur therapeutischen Induktion neuronaler Resilienz bei der Multiplen Sklerose 
    Manuel Friese/Marcel Seungsu Woo, Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose (INIMS), Zentrum für Molekulare Neurobiologie (ZMNH), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
    Interview mit Marcel Seungsu Woo
  • Charakterisierung der löslichen Adenylylzyklase als möglichen Ansatz zur MS-Therapie 
    Sven Meuth/Marco Gallus, Department für Neurologie, Universitätsklinikum Münster
  • Entmarkungsaktivität, Entzündungszellinfiltration und Komplementablagerung in frühen Multiple Sklerose‐ und Neuromyelitis optica‐Läsionen 
    Christine Stadelmann-Nessler/Carolin Dreyer, Institut für Neuropathologie, Universitätsmedizin Göttingen
    Interview mit Carolin Dreyer 
  • Defective cross-talk between B cells and regulatory T cells: connecting the dots in the emergence of impaired peripheral B-cell tolerance in multiple sclerosis? 
    Brigitte Wildemann/Cornelia Würthwein, Abteilung für Neurologie - Molekulare Neuroimmunologie, Universität Heidelberg
    Interview mit Cornelia Würthwein

2016

  • Die Rolle der Kaliumkanäle KCNK5/6 für die Funktion Dendritischer Zellen und Makrophagen in der Multiplen Sklerose 
    Stefan Bittner/Falk Steffen, Klinik für Neurologie, Universitätsmedizin Mainz
    Interview mit Falk Steffen
  • Charakterisierung der innate lymphoid cells (ILC) im ZNS und peripheren Immunorganen in der schubförmigen EAE und MS 
    Carmen Infante-Duarte/Daniel Brunotte-Strecker, Charité - Universitätsmedizin Berlin
    Interview mit Daniel Brunotte-Strecker
  • Mechanismen immunologischer und degenerativer Schädigung an Sehnerv und Retina bei Antikörper-vermittelter Demyelinisierung 
    Ingo Kleiter/Florian Graz/Laura Petrikowski, Klinik für Neurologie, St. Josef-Hospital, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum
    Interview mit Florian Graz
    Interview mit Laura Petrikowski

Hertie-Studierendenprogramm

Mit dem medMS-Studierenden-Programm möchte die Hertie-Stiftung Studierende der Medizin für eine freiwillige wissenschaftliche Projektarbeit gewinnen, wie sie der Wissenschaftsrat empfiehlt und die Bundesärztekammer ab 2020 in der Approbationsordnung zu berücksichtigen plant. Ein anschließender Übergang in das Hertie-Doktorandenprogramm ist nach erfolgreichem Abschluss möglich und ausdrücklich erwünscht. Der wissenschaftliche Betreuer erhält für seinen zusätzlichen Aufwand eine Sachbeihilfe.

Unterstützte Studierende

Angegeben sind jeweils das Jahr der Projektbewilligung und die Antragssteller.

2017

  • Analyse des Einflusses von Probenecid, einem Pannexin-1 Inhibitor, auf MS-assoziierte Demyelinisierung im Nervus opticus 
    Carola Meier/Lea Müller, Medizinische Fakultät – Anatomie und Zellbiologie, Universität des Saarlandes, Homburg
     
  • Analyse des Einflusses von Probenecid, einem Pannexin-1 Inhibitor, auf den MS-assoziierten Untergang von Oligodendrozyten im Nervus opticus. 
    Carola Meier/Ann-Kathrin Kirdorf, Medizinische Fakultät – Anatomie und Zellbiologie, Universität des Saarlandes, Homburg

2016

  • Untersuchung der molekularen Adaptation von Neuronen auf eine mitochondriale Dysfunktion 
    Manuel Friese/Marcel Seungsu Woo, Institut für Neuroimmunologie und Multiple Sklerose (INIMS), Zentrum für Molekulare Neurobiologie (ZMNH), Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
  • Analyse des Einflusses von Probenecid, einem Pennexin-1 Inhibitor, auf MS-assoziierte Neuroinflammation und Demyelinisierung 
    Carola Meier/Artjom Beck, Medizinische Fakultät – Anatomie und Zellbiologie, Universität des Saarlandes, Homburg
  • Analyse der Connexin-Expression im EAE-Modell nach präventiver Gabe des Pannexin-Inhibitors Probenecid  
    Carola Meier/Bernadette Gaida, Medizinische Fakultät – Anatomie und Zellbiologie, Universität des Saarlandes, Homburg
  • Die Behandlung mit Probenecid verringert die Entmarkung der Nervenscheiden in einem Krankheitsmodell der Multiplen Sklerose (Cuprizon). 
    Thomas Tschernig/Philipp Becker, Medizinische Fakultät – Anatomie und Zellbiologie, Universität des Saarlandes, Homburg
    Interview mit Philipp Becker 

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