Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe

Eine chronische Erkrankung wie z.B. Multiple Sklerose, Alzheimer oder Parkinson, stellt die Betroffenen vor emotionale und praktische Herausforderungen, die im Austausch mit anderen oft besser bewältigt werden können. Aktivitäten von und mit Gleichgesinnten helfen vielen dabei, neuen Mut zu fassen und den Alltag besser zu bewältigen. Unsere Gesellschaft lebt vom Miteinander und von Vorbildfunktionen einzelner. Wir möchten daher Menschen belohnen, die sich mit Zeit, Geld, Kreativität und einer Menge persönlichem Einsatz für andere einsetzen.

Der Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe wird bereits seit 24 Jahren verliehen und ist eines der ältesten Projekte der Stiftung im Bereich Neurowissenschaften.

Dotierung

Der Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe ist mit 25.000 Euro dotiert und wird in der Regel auf mehrere Preisträger verteilt.

Jury

  • Zwei Vertreter der Hertie-Stiftung 
  • Ein Vertreter der Deutschen Alzheimer Gesellschaft 
  • Ein Vertreter der DMSG 
  • Ein Vertreter der Deutschen Parkinson-Vereinigung 
  • Ein externer Journalist, im Jahr 2016 freuen wir uns über die Teilnahme von Uwe Bokelmann, Chefredakteur TV Hören und Sehen und Welt der Wunder

Die Preisträger 2015

Berufskolleg Stadtmitte in Mühlheim

Preisverleihung an das Berufskolleg Stadtmitte für das Demenz-Projekt: (v.l.) Annette Sommerhoff (Alzheimer Gesellschaft), Gesundheitsministerin Barbara Steffens, Schulleiter Jörg Brodka (Berufskolleg), Dr. Eva Koch (Hertie-Stiftung), die Schülerinnen Vanessa Janssen und Pia Häge, Bürgermeisterin Margarete Wietelmann, Lehrerin Dorothee Streier-Laufs. Medienhaus.
14.12.2015
Foto: Walter Schernstein

Berufskolleg Stadtmitte in Mühlheim an der Ruhr in Zusammenarbeit mit der Alzheimer Gesellschaft Mühlheim e.V.
Am Berufskolleg Mühlheim gibt es einen Bildungszweig für das Sozial- und Gesundheitswesen. Während ihrer Ausbildung erfahren die Teilnehmer viel über Demenz, ein Krankheitsbild, um das künftige Alten- oder Krankenpfleger nicht herumkommen. Auf Initiative zweier Jugendlicher (Sarah Lohkamp und Lucca Thannheimer) hat sich im Jahr 2014 eine ganze Schülergruppe gefunden, die das Erlernte in der Praxis erproben wollte, aber weit über den Schulalltag hinaus Motivation zeigte. Die engagierten jungen Leute fragten bei der Alzheimer Gesellschaft in Mühlheim nach Teilnahmemöglichkeiten und brachten sich bald nicht nur aktiv in vorhandene Programme ein, sondern entwickelten mit großem Einsatz eigene konzeptionelle Ideen. Die Schüler beteiligten sich an der Betreuung Demenzkranker, unterstützten bei Vorträgen und im Austausch mit Angehörigen und erstellten kreativ Broschüren und Trainingspläne. Darüber hinaus warben sie Spenden ein, von denen sie Laptop, Kamera und Beamer anschafften, um ihre Erfahrungen zu dokumentieren und andere Schulklassen zum Mitmachen zu motivieren.

Die Jury des Hertie-Engagementpreises würdigte besonders den Mut der jungen Menschen, sich so intensiv und ohne Berührungsängste mit dem Thema Demenz auseinanderzusetzen – für 17-jährige längst nicht selbstverständlich.

Die Initiative hat Modellcharakter für weitere Projekte dieser Art überall in Deutschland. Die Hertie-Stiftung honoriert dieses vorbildliche Engagement mit einem Preisgeld in Höhe von 5.000 Euro.

BAER - Mentoring-Projekt für Kinder und Jugendliche mit Multipler Sklerose

Wie bei anderen schweren Krankheiten im Kindesalter empfinden die meisten Kinder mit juveniler MS die Diagnose regelrecht als Verlust ihrer Kindheit. Besonders, da die MS zu den vergleichsweise seltenen Erkrankungen zählt, tausend verschiedene Gesichter hat und dadurch besonders schwer zu diagnostizieren ist. Despina Sivitanides-Middelmann, selbst als Jugendliche an MS erkrankt und mit dem Spießrutenlauf vertraut, setzt sich als Erwachsene heute mit dem Projekt BAER für diese Kinder ein. BAER steht für Barrierefreiheit, Alltagsunterstützung, Erlebnisreichtum und Respekt – vier Säulen eines ehrenamtlichen Projekts, mit denen Kinder und Jugendliche auf ihrem schwierigen Krankheitsweg von Mentoren unterstützt werden. Aufklärung von Fragen zur chronischen Erkrankung, Begleitung bei administrativen Vorgängen und alltägliches wie „Pieks-Hilfen“ sollen für die Betroffenen langfristig den Weg in die Selbständigkeit bereiten. Projektträger bei der Ausbildung der Mentoren ist die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft in NRW (zum Projekt).

Die Jury des Hertie-Engagementpreises würdigt bei dem Projekt die Kreativität und den persönlichen Einsatz von Frau Sivitanides-Middelmann, die u.a. auch mit der Aktion Lesend helfen des Esch Verlags kooperiert und die prominente Comedy-Größe Annette Frier als Fürsprecherin gewann. Die Hertie-Stiftung honoriert dieses vorbildliche Engagement mit einem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro.

Demenz-Servicezentrum NRW für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte der AWO

Menschen mit Demenzerkrankungen verlieren ihr Kurzzeitgedächtnis und ihre Erinnerungen beschränken sich zunehmen auf Kindheit und Jugend. Bei Zuwanderern bedeutet dies oft sowohl den Verlust der Zweitsprache als auch Erinnerungen an die neue Kultur – eine Herausforderung für Angehörige und Pflegepersonal. Das Demenz-Servicezentrum NRW für Menschen mit Zuwanderungsgeschichte (www.demenz-service-migration.de) stellt bedarfsgerechte Unterstützungsangebote für Betroffene bereit. So gibt es muttersprachliche Beratungen in Russisch und Türkisch (die statistisch größten Zuwanderergruppen in der Altersklasse), Austausch mit Fachkräften aus diesen Herkunftsländern, Entwicklung kultursensibler Materialien wie Karten mit Sprichwörtern und vieles mehr. Ein aktuelles Großprojekt war der Dreh des Dokumentarfilms „Uns bleibt die Liebe“ von und für Demenzerkrankte (in Kooperation mit Medienprojekt Wuppertal e.V.). Der Film in russischer Sprache mit deutschen Untertiteln portraitiert den Lebensalltag in den Familien, klärt auf und sensibilisiert für das Thema, dass in unserer Migrationsgesellschaft künftig zunehmend aktueller wird.

Die Jury des Hertie-Engagementpreises würdigte besonders den innovativen Ansatz eines Dokumentarfilms von und für Demenzerkrankte mit Zuwanderungsgeschichte und den Modellcharakter für weitere Initiativen dieser Art. Die Hertie-Stiftung honoriert dieses vorbildliche Engagement mit einem Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro.

Die Gewinner der Vorjahre

Pressestimmen

15.12.2015

Mühlheimer Schüler für Demenz-Projekt geehrt

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