„Mein Rezept zum Wohlfühlen: Klassische Musik und Ballett tanzen.“

Laura Petrikowski beschäftigt sich, auch weil sie persönlich betroffen ist, in ihrer Forschung mit Multipler Sklerose. In ihrer Lebensfreude lässt sie sich nicht von der Erkrankung ausbremsen – im Gegenteil.


Dieses Interview führt uns ans andere Ende der Welt – nach Brisbane, Australien. Dort erreichen wir Laura Petrikowski, die gerade für eine Woche am ISNI Kongress für Neuroimmunologie teilnimmt und aktuell an ihrer Doktorarbeit in diesem Bereich arbeitet. Hier werden neue Forschungsergebnisse zu Krankheiten wie Multiple Sklerose, Alzheimer und Parkinson besprochen und ausgetauscht. An solchen Kongressen nimmt Laura nicht das erste Mal teil und so trifft sie dort bekannte Gesichter, zum Beispiel eine Gruppe Kanadier, mit denen sie sich zum Laufen verabredet. In vier Jahren findet der Kongress in Kanada statt, spätestens dann wird sich die Gruppe wohl wiedersehen. Auch ein uns bekanntes Gesicht ist mit ihr zusammen in Brisbane: Cornelia Würthwein, mit der wir bereits ein Interview für unsere Rubrik MenSchlich geführt haben.

Frau Petrikowski, wann haben Sie die besten Ideen?

Im Alltag kann das ganz unterschiedlich sein: Manchmal kommen mir Ideen beim Duschen oder in einer freien Minute, aber auch wenn ich mich sehr auf ein bestimmtes Thema konzentriere. Ansonsten kann ich beim Ballett sehr gut abschalten.

Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Gutes tun wollen?

Ich treibe sehr viel Sport, fast jeden Tag bin ich entweder beim Krafttraining, ich habe lange geturnt und bin geklettert. Aber vor allem das Ballett mache ich ganz für mich alleine. Seit ich drei Jahre alt bin tanze ich Ballett, auch heute noch zwei bis drei Mal in der Woche in einer Gruppe mit einem Trainer. Das Rezept zum Wohlfühlen ist für mich: Klassische Musik und dazu Ballett tanzen, dabei kann ich den Kopf für zwei Stunden total ausschalten, auch wenn die Ballettschule quasi direkt an der Uni liegt.

Natürlich genieße ich auch gerne einen warmen Tee und ein gutes Buch in unserem Garten, zurzeit lese ich „Der Alchimist“ von Paulo Coelho. Allgemein bin ich ein sehr positiver Mensch und der Meinung, dass wir hier eigentlich alle sehr Privilegiert sind und es uns allen gut geht. Pessimisten kann ich nicht wirklich verstehen.

Wie motivieren Sie sich? Haben Sie ein Motto oder einen Vorsatz?

Ich genieße die positiven Dinge und konzentriere mich nicht auf die negativen. Es gibt immer zwei Seiten der Medaille und Menschen können beeinflussen, welcher sie mehr Raum geben. Außerdem finde ich, dass die Welt da draußen so spannend ist, dass man seine Zeit nicht vor dem Fernseher verbringen muss. Seit 10 Jahren schaue ich kein Fernsehen mehr, sondern bin unterwegs und erkunde meine Umgebung.

Seit 10 Jahren schaue ich kein Fernsehen mehr, sondern bin unterwegs und erkunde meine Umgebung.

Was können Sie besonders gut?

Also was ich gar nicht gut kann ist stillsitzen (lacht). Meine Mutter hat mich früher schon gerne „Hamster“ genannt, weil ich immer in Bewegung sein muss. Ich denke ich kann allgemein relativ gut Musik machen und ich bin gut darin, nicht so schnell aufzugeben und mich für Dinge zu begeistern, sowohl allgemein als auch besonders im Zusammenhang mit der Forschung.

Auf was sind Sie stolz in Ihrem Leben?

Ich bin stolz darauf, wo ich mich heute befinde, aber das muss ich etwas ausführlicher erklären:

2016 habe ich selbst meine MS-Diagnose bekommen, da war ich gerade im vierten Semester meines Medizinstudiums und habe mich auf das Physikum vorbereitet. Bis dahin war ich gewohnt, dass alles auf Anhieb perfekt funktioniert: Ein sehr gutes Abitur, den Studienplatz habe ich direkt und ohne Wartezeit bekommen, jede Klausur bestanden. Und plötzlich war ich blind. 



Bis zu meiner Diagnose habe ich noch versucht mir einzureden, dass es nur eine starke Migräne sein könnte, daran lag es jedoch nicht. Die Behandlung für meinen ersten Schub war langwierig und kompliziert, weil ich zusätzlich noch eine Thrombose hatte. Nach einiger Zeit war ich dann „nur noch“ farbenblind, aber mit der Zeit kamen mir Gedanken wie: „Was mache ich eigentlich, wenn die MS so schlimm bleibt“? Kurzzeitig habe ich überlegt, zu einem Musikstudium zu wechseln, habe mich aber im Endeffekt dagegen entschieden. In den drei Monate während meines ersten Schubs habe ich viele Medizin-Podcasts gehört und mich weiter auf das Physikum vorbereitet – und habe es im ersten Anlauf bestanden!

Haben Sie einen Lieblingsort?

Ich weiß nicht, ob es als Lieblingsort durchgeht, aber auf Anhieb fällt mir das vietnamesische Restaurant in Bochum ein, dass ich oft in meinen Pausen besuche. Die haben einen hervorragenden Mittagstisch, dort bin ich sehr gerne.

Der perfekte Tag – wie sähe der für Sie aus?

Es wäre ein Tag, an dem ich lange ausschlafen kann, an dem ich Sport treibe und endlich meinen Gutschein zum Fallschirmspringen einlöse! Den habe ich von meiner Familie nach dem bestandenen Physikum geschenkt bekommen und ihn bis heute nicht eingelöst. An dem perfekten Tag sind meine Familie und besten Freunde nach dem Sprung bei mir und wir genießen abschließend gemeinsam ein ausgedehntes Picknick.

Wen würden Sie gerne auf einen Kaffee treffen, wenn Sie die freie Wahl hätten?

Mit meiner Oma würde ich gerne noch einmal einen Kaffee trinken und mit ihr reden. Sie verstarb 2015, ein Jahr vor meiner MS-Diagnose. Meine Oma hat sehr viel in ihrem Leben erreicht und hat mich sehr inspiriert. Außerdem würde ich nur allzu gerne noch einmal Omas selbstgemachte Berliner essen und natürlich auch ihre Hühnersuppe, wenn ich jetzt darüber nachdenke. 

Vielen Dank für das Gespräch!

Alle Fotos auf dieser Seite: Laura Petrikowski, privat


Laura Petrikowski und die Hertie-Stiftung

Die Doktorandin Laura Petrikowski forscht für ihre Doktorarbeit an der Ruhr-Universität-Bochum zu Multipler Sklerose und der auftretenden Schädigung an Sehnerv und Retina. Sie nimmt damit Teil am medMS-Förderprogramm für Doktoranden der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Die Stiftung möchte begabte Studierende bereits früh dauerhaft für die MS-Forschung begeistern und sie dort halten.

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