Die Komplexität des Gehirns

Dr. Philipp Sievers, Fellow des Hertie Network of Excellence in Clinical Neuroscience, spricht im Interview über seinen Weg in die Hirnforschung und sein wissenschaftliches Vorbild.

"Schon während der Schulzeit haben mich die Neurowissenschaften fasziniert"

Was hat Sie dazu bewegt, in die klinische Hirnforschung zu gehen? 

Schon während der Schulzeit haben mich die Neurowissenschaften fasziniert. Damals bekam ich das Buch „Principles of Neural Science“, herausgebracht unter anderen vom Nobelpreisträger Eric Kandel, in die Hände und war vollkommen begeistert und zugleich tief beeindruckt von der Komplexität des Gehirns und seinen zugrunde liegenden kognitiven Prozessen. Diese Faszination hat mich ganz entscheidend dazu bewegt, Medizin zu studieren und mich auch während des gesamten Studiums begleitet. Heute finde ich einen Großteil der Begeisterung, Neugier und des Wissensdursts, den dieses spannende Gebiet ausübt, in meiner täglichen Arbeit, wofür ich sehr dankbar bin und was ich ungemein schätze.

"Wissenschaftliche Erkenntnisse unmittelbar im diagnostischen und therapeutischen Alltag umsetzen zu können, schafft nicht nur eine große Zufriedenheit, sondern stellt zugleich eine unglaubliche Motivation dar, sich wieder neuen wissenschaftlichen Herausforderungen zu stellen.

Einfach erklärt: Woran arbeiten Sie momentan? Was wollen Sie damit erreichen? 

Wir arbeiten an der (epi-)genetischen Charakterisierung hirneigener Tumoren, also beispielsweise Tumoren, die vermutlich aus Gliazellen bzw. deren Vorläuferzellen entstehen. Die Komplexität, die dem Gehirn zugrunde liegt, spiegelt sich nicht zuletzt auch hier wider und stellt uns vor große diagnostische und therapeutische Herausforderungen. Die enorme biologische Heterogenität, die diese Tumoren aufweisen, lässt sich mit herkömmlichen Methoden kaum erfassen, hat aber für den Patienten ganz entscheidende Bedeutung. Sie spiegelt häufig die „Aggressivität“ dieser Tumoren wider und bringt somit relevante therapeutische Implikationen mit sich. Durch Verwendung modernster molekulargenetischer Verfahren erfahren wir mehr darüber, wie diese Tumore entstehen, was sie kennzeichnet und wie sie sich effizient behandeln lassen.

Ganz entscheiden dabei ist uns die Translation der Forschungsergebnisse in die Klinik. Wissenschaftliche Erkenntnisse unmittelbar im diagnostischen und therapeutischen Alltag umsetzen zu können, schafft nicht nur eine große Zufriedenheit, sondern stellt zugleich eine unglaubliche Motivation dar, sich wieder neuen wissenschaftlichen Herausforderungen zu stellen. 

Welche Rahmenbedingungen sind Ihrer Meinung nach für exzellente Forschung notwendig? 

Hierzu zählen sicher eine ganze Reihe an Faktoren, wie Zeit und Raum für Kreativität und Ideen, ein gut funktionierendes interdisziplinäres Team, finanzielle Unterstützung und nicht zuletzt ein breites Netzwerk.

Was möchten Sie während Ihrer Zeit im Hertie Network noch erreichen oder erleben?

Wie für die meisten jungen Wissenschaftler ist es entscheidend, sich neben der fachlichen Expertise eine eigene Forschungsgruppe aufzubauen. Die Hertie Academy stellt eine ideale Plattform bereit, um die entscheidenden Schritte dahin mit zu verwirklichen. 

"es IST entscheidend, sich neben der fachlichen Expertise eine eigene Forschungsgruppe aufzubauen."

Welche Wissenschaftlerin/welchen Wissenschaftler aus Vergangenheit oder Gegenwart würden Sie gerne einmal treffen und warum? Oder lieber jemand anderes, außerhalb des Wissenschaftskosmos?

Der erste Name der mir hierzu durch den Kopf geht, ist Charles Darwin, sicher einer der bedeutendsten Wissenschaftler, dessen Erkenntnisse enorm umfassend und vielfältig sind. „On the Origin of Species“ ist übrigens ein weiteres sehr empfehlenswertes Buch!

Was ist Ihr liebstes Brainfood?

Schokolade!

Hertie Network of Excellence in Clinical Neuroscience

Das Hertie Network of Excellence in Clinical Neuroscience und die Hertie Academy of Clinical Neuroscience bilden ein einzigartiges Netzwerk zur Förderung der klinischen Neurowissenschaften.

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