Das Gehirn der Zukunft

Künstliche Intelligenz, neuronale Netze, autonome Systeme: Die Digitalisierung durchdringt alles. Visionäre aus Industrie, Wirtschaft und Wissenschaft werfen einen Blick auf das Gehirn von morgen.

7. Künstliche Intelligenz und Ethik

16. Oktober 2019, 18 Uhr
Universität Stuttgart, Tiefenhörsaal, M17.02
Keplerstraße 17, 70174 Stuttgart

Prof. Dr. Regina Ammicht Quinn

Prof. Dr. Regina Ammicht Quinn ist Sprecherin des Internationalen Zentrums für Ethik in den Wissenschaften (IZEW) der Universität Tübingen und Direktorin des Zentrums für Gender- und Diversitätsforschung. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in anwendungsbezogenen Fragen der Ethik, insbesondere Fragen von Kulturethik, Ethik und Sicherheit, Technikethik, ethische Fragen digitaler Technikentwicklung und ethische Fragen von Gender-Diskursen. Sie ist Mitglied des Lenkungskreises der Plattform Lernende Systeme (BMBF) und Mitglied des Exzellenzclusters „Machine Learning in the Science“ der Universität Tübingen.

Was kann, soll und will eine Ethik der KI?

Mit künstlicher Intelligenz sind Heilsversprechen und Hoffnungen, aber auch Untergangsszenarien und Ängste verbunden. In Forschung und Politik, in Industrie und in der Zivilgesellschaft wird damit der Ruf nach Ethik laut, und Ethikkodizes, ethische Richtlinien und Leitlinien werden formuliert. Schlagwörter der Debatten sind z. B. Social Scoring, Datenschutz und Autonomie. Darunter liegen jedoch Fragen: Wie können „die richtigen“ Werte in das technische Handeln integriert werden? Kann KI bestimmen, was richtig ist? und: Wo können KI-Anwendungen ein gutes Leben und eine gute Gesellschaft nicht beschädigen, sondern unterstützen?

Prof. Dr. med. Markus Frings

Prof. Dr. med. Markus Frings ist Arzt für Neurologie mit den Zusatzbezeichnungen Geriatrie, Palliativmedizin und Schmerztherapie. Er war zehn Jahre lang Oberarzt der Klinik für Neurologie an der Universitätsklinik Essen und hat dort u.a. den Bereich der Bewegungsstörungen sowie das Essener Schwindelzentrum geleitet. Seit 2017 arbeitet er im Ev. Klinikum Niederrhein im Bereich der Gerontopsychiatrie. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte sind Motorik und Kognition sowie Ethik in der Neurologie. Er ist Autor des Buches „Gehirn und Moral“ im Thieme-Verlag.

Gibt es ein „Moralzentrum“ im Gehirn?

Untersuchungen an Patienten mit Hirnläsionen und Untersuchungen mittels Kernspintomographie legen nahe, dass unterschiedliche Systeme im menschlichen Gehirn an moralischen Urteilen beteiligt sind. So spielen bei abstrakten Denkprozessen Bereiche des Frontalhirns eine wichtige Rolle, bei intuitiven moralischen Entscheidungen zusätzlich das mit Emotionen assoziierte limbische System und bei der Einschätzung von Handlungsabsichten anderer Menschen Bereiche der Schläfenregion. Es gibt kein „Moralzentrum“ im Gehirn, sondern ein Zusammenspiel verschiedener neuronaler Netzwerke. Die Entwicklung der Fähigkeit zu moralischem Handeln ist nicht nur an die Netzwerke des Gehirns gebunden, sondern eingebettet in die Prozesse des gesamten Körpers in seiner Lebenswelt mit sozialen Traditionen.

Dr. Christoph Peylo

Dr. Christoph Peylo ist Global Head des Bosch Center for Artificial Intelligence (BCAI) mit Standorten in Sunnyvale, Bangalore und Renningen und Leiter der Arbeitsgruppe „Mobilität, intelligente Verkehrssysteme“ der Plattform Lernende Systeme des BMBF. Vor seinem Eintritt in die Robert Bosch GmbH im Jahr 2017 war er Vize-President bei den Telekom Innovation Laboratories in Berlin, wo er in den Bereichen KI, (Cyber-)Sicherheit, Industrie 4.0 und Internet of Things tätig war. Bevor er 2006 zur Deutschen Telekom kam, arbeitete er in verschiedenen Positionen vom Softwareentwickler bis zum Geschäftsführer eines Softwareunternehmens. Christoph Peylo hat Informatik, Computerlinguistik und Künstliche Intelligenz studiert und an der Universität Osnabrück auf dem Gebiet der KI promoviert.

KI, Ethik und Vertrauenswürdigkeit

KI hat inzwischen einen hohen Reifegrad erreicht und ist bereits in vielen konkreten Anwendungen und Services präsent. So wird sie vielfach bei der täglichen Mobilität, in industriellen Anwendungen oder in Form von Assistenzlösungen im privaten und häuslichen Bereich genutzt. Es ist eine Technologie mit dem Potenzial, unsere Gesellschaft im Guten wie im Bösen von Grund auf zu verändern. Für uns als Gesellschaft ergibt sich daher die Aufgabe sicherzustellen, dass KI tatsächlich in einem positiven Sinne, d.h. im Dienste der Menschheit entwickelt, genutzt und bereitgestellt wird. Aus diesem Grund ist eine umfassende öffentliche Debatte erforderlich, um entsprechende gesellschaftliche Akzeptanzkriterien für KI zu finden. In diesem Vortrag werden einige Beispiele für Nutzen und ethische Herausforderungen vorgestellt und Ansätze skizziert, wie vertrauenswürdige KI realisiert werden kann. Die Ansätze werden in den Zusammenhang mit laufenden Aktivitäten um Ethik und KI in Deutschland und Europa gebracht und diskutiert.

Das Gehirn der Zukunft

Eine Übersicht über alle Veranstaltungen der Reihe sowie detaillierte Informationen über einzelne Veranstaltungen finden Sie hier:

Veranstaltungsreihe "Das Gehirn der Zukunft"