Das Gehirn der Zukunft

Künstliche Intelligenz, neuronale Netze, autonome Systeme: Die Digitalisierung durchdringt alles. Visionäre aus Industrie, Wirtschaft und Wissenschaft werfen einen Blick auf das Gehirn von morgen.

1. Künstliche Intelligenz und Neurorobotik

13. März 2019, 18 Uhr
Universität Tübingen, Audimax

Dr. Daniel Häufle

Dr. Daniel Häufle ist Leiter der Nachwuchsgruppe „Multi-Level Modeling in Motor Control and Rehabilitation Robotics“ am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung. Seine Gruppe erforscht, wie Muskeln und Nervensystem kooperieren, um menschliche Bewegung zu erzeugen. Er hat Physik in Jena und Calgary studiert und an der Universität Stuttgart bei S. Schmitt im Bereich „Biomechanik & Biorobotik“ promoviert. Mit einem Fulbright Stipendium forschte er am Robotics Institute der Carnegie Mellon University in Pittsburgh, USA. Als Post-Doc war er Mitglied des Forschungsclusters SimTech in Stuttgart.

Computersimulation und Biorobotik: Werkzeuge für die Neurowissenschaften

Wir Menschen können einen Bordstein heruntergehen, ohne ihn zu sehen und ohne zu stolpern. Wie funktioniert das? Mathematische Modelle und biorobotische Systeme erlauben es uns, die komplexe Interaktion zwischen Nervensystem, Muskeln und Umwelt zu untersuchen. Mit diesen interdisziplinären Ansätzen erforschen wir, wie Menschen Bewegungen erzeugen und kontrollieren.

Prof. Dr. Catrin Misselhorn

Prof. Dr. Catrin Misselhorn lehrt ab April Philosophie an der Universität Göttingen. Von 2012-2019 war sie Inhaberin des Lehrstuhls für Wissenschaftstheorie und Technikphilosophie an der Universität Stuttgart. Zuvor lehrte sie an der Universität Zürich, der Humboldt-Universität zu Berlin sowie der Universität Tübingen, wo sie 2003 promoviert und 2010 habilitiert wurde. Sie forscht zu philosophischen Problemen der KI, Roboter- und Maschinenethik. Ihr jüngstes Buch „Grundfragen der Maschinenethik“ wurde auf den 3. Platz der Sachbuchbestenliste von Deutschlandfunk Kultur, ZDF und ZEIT gewählt. 

Können Maschinen moralisch sein?

Während „Artificial Intelligence“ zum Ziel hat, die kognitiven Fähigkeiten von Menschen nachzubilden oder zu simulieren, geht es bei der „Artificial Morality“ darum, künstliche Systeme mit der Fähigkeit zu moralischem Entscheiden und Handeln auszustatten. Dies erscheint angesichts des technologischen Fortschritts immer wichtiger. Denn die Entwicklung zunehmend intelligenter und autonomer Technologien führt dazu, dass diese auch vermehrt mit moralisch problematischen Situationen konfrontiert sind.  

Mögliche Anwendungsbereiche sind künstliche Systeme, die im Service und in der Pflege eingesetzt werden, autonomes Fahren, aber auch militärische Anwendungen sind in der Diskussion. Doch während die einen die Entwicklung moralischer Maschinen euphorisch begrüßen, sehen die anderen einen menschlichen Kernbereich bedroht.

PD Dr. Florian Röhrbein

Florian Röhrbein ist promovierter und habilitierter Informatiker. Er ist Hauptherausgeber der Zeitschrift "Frontiers in Neurorobotics". Seit 20 Jahren arbeitet er zu Themen der Künstlichen Intelligenz u.a. am Albert Einstein College of Medicine in New York, der TUM, dem Honda Research Institute Europe und an der Universität Bremen. Seit Kurzem ist er verantwortlich für die KI-Strategie bei Alfred Kärcher SE & Co. KG.

Was ist Neurorobotik?

Unter gehirn-inspirierter Robotik oder Neurorobotik versteht man Roboter, deren Kontrollstrukturen in Anlehnung an Erkenntnissen der Neurowissenschaften entworfen wurden. Dazu zählen insbesondere lernfähige Roboter, bei denen künstliche neuronale Netze zum Einsatz kommen. Die Neurorobotik ist dabei ein hochaktuelles Forschungsgebiet mit vielfältigem Anwendungspotenzial.

Prof. Dr. Surjo Soekadar

Professor Dr. Surjo Soekadar ist Einstein Professor für Klinische Neurotechnologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Nach seinem Medizinstudium an den Universitäten Mainz, Heidelberg und Baltimore wurde Surjo Soekadar im Jahr 2005 am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim promoviert. Neben seiner Weiterbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Universitätsklinik Tübingen verbrachte er einen dreijährigen Forschungsaufenthalt an den US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) in Bethesda, Maryland. Nach seiner Rückkehr übernahm er die Leitung der Arbeitsgruppe „Angewandte Neurotechnologie“ und wurde 2017 an der Universität Tübingen habilitiert. 

Neurorobotik zur Verbesserung von Lebensqualität und sozialer Teilhabe

Gehirn-Maschine Schnittstellen ermöglichen es Hirnaktivität in Steuersignale von Robotern oder Computer zu übersetzen. Mittels einer solchen Schnittstelle ist es beispielsweise Querschnittsgelähmten gelungen, erstmals wieder selbständig zu essen und zu trinken. Doch neben der sofortigen Verbesserung an Lebensqualität zeigte sich im weiteren Verlauf etwas höchst Erstaunliches: der wiederholte Einsatz des Systems führte zu Umbauprozessen im Gehirn und Rückenmark, die mit einer Erholung verlorener Funktionen einhergingen. Schlaganfallpatienten konnten wieder greifen und Querschnittsgelähmte ihre Beine wieder bewegen. Neben einer Übersicht über den Stand der Forschung werden die Zukunftsperspektiven, aber auch Risiken und Herausforderungen im Einsatz dieser innovativen Neurotechnologien skizziert. 

Das Gehirn der Zukunft

Eine Übersicht über alle Veranstaltungen der Reihe sowie detaillierte Informationen über einzelne Veranstaltungen finden Sie hier:

Veranstaltungsreihe "Das Gehirn der Zukunft"