Wenn das Hirn altert

Dr. Jonas Neher gehört zu den fellows der Hertie Academy. Im Interview sprechen wir mit ihm über krankheitsbedingte Verluste kognitiver Fähigkeiten.

"Mein Vorsatz ist es, mich ständig wissenschaftlich weiterzuentwickeln."

Dr. Jonas Neher forscht am Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen am Standort Tübingen und am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung. In seiner Arbeit fokussiert er sich auf die krankheitsbedingte Alterung des Gehirns

Was hat Sie dazu bewegt, in die klinische Hirnforschung zu gehen? 

Ich fand die biologische Komplexität des Gehirns schon immer faszinierend. Da ich während meines Zivildienstes mit alten und dementen Menschen gearbeitet habe, war aber meine Motivation eindeutig, die Alterungs- und Krankheitsprozesse des Gehirns zu verstehen, um letztendlich neue Behandlungsansätze zu finden. 

Einfach erklärt: Woran arbeiten Sie momentan? Was wollen Sie damit erreichen?  

Mein Fokus liegt auf der Alterung des Gehirns und der damit oft verbundenen Alzheimer Demenz. Hier interessiert mich momentan besonders, wie einerseits das Immunsystem und andererseits krankhafte Veränderungen der Blutgefäße zu diesen Prozessen beitragen. Man weiß mittlerweile zwar, dass beide Faktoren mit alters- und krankheitsbedingten Verlusten kognitiver Fähigkeiten zusammenhängen. Die genauen Mechanismen sind aber bisher nicht geklärt. Hierzu möchte ich einen Beitrag leisten.   

Foto: DZNE/Frommann

"Durch das Hertie Network haben sich bereits neue und spannende Projekte ergeben."

Welche Rahmenbedingungen sind Ihrer Meinung nach für exzellente Forschung notwendig?  

Meiner Meinung nach ist es absolut entscheidend, dass man in einem wissenschaftlichen Umfeld arbeitet, das die freie Entfaltung von Ideen erlaubt, sowohl intellektuell als auch durch eine entsprechende finanzielle Unterstützung. Nur wenn beides vorhanden und zumindest über einen gewissen Zeitraum garantiert ist, kann auch exzellente Forschung betrieben werden.  

Wann bzw. wo haben Sie die besten Ideen? 

Die besten Ideen habe ich oft dann, wenn ich eigentlich gar nicht direkt über ein Problem oder eine wissenschaftliche Frage nachdenken möchte, z.B. beim Sport. Neue Ideen habe ich aber natürlich auch, wenn ich mich mit Kolleginnen und Kollegen austausche, sei es bei Netzwerktreffen oder auf Konferenzen.  

Gibt es bereits ein konkretes Beispiel, wie Sie vom Hertie Network / der Hertie Academy profitiert haben? 

Durch das Hertie Network haben sich bereits neue und spannende Projekte ergeben. Zusätzlich hat sich auch mein wissenschaftliches Netzwerk deutlich erweitert, was in vieler Hinsicht positiv und wichtig ist.  

Haben Sie ein Motto/einen Vorsatz? 

Mein Vorsatz ist es, mich ständig wissenschaftlich weiterzuentwickeln. Das kann entweder durch die Arbeit in neuen Forschungsfeldern oder durch die Anwendung neuer Methoden sein. So bleibt die Forschung immer spannend!  

Was ist Ihr liebstes Brainfood? 

Kaffee – ohne geht es nicht.  

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