„Die besten Ideen kommen mir nachts.“

Seit 2004 erforscht Dr. Lisa Ann Gerdes vom Institut für Klinische Neuroimmunologie am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München mithilfe einer Zwillingsstudie den Zusammenhang von MS-Erkrankungen und der Darmflora. Dr. Lisa Ann Gerdes hat im Rahmen des Programms medMS MyLab 2018 eine Forschungsförderung durch die Hertie-Stiftung erhalten.

HERTIE-STIFTUNG: Wann haben Sie die besten Ideen? 

DR. GERDES: Die besten Ideen kommen mir zum einen nachts, dann wache ich auf und muss sie mir schnell aufschreiben, denn am nächsten Morgen wären sie sonst verloren. Zum anderen habe ich auf meinem Arbeitsweg viele gute Einfälle. Glücklicherweise habe ich im Moment einen wunderbaren Arbeitsweg: 1 knappe Stunde mit dem Fahrrad durch schöne Landschaft, da habe ich viel Zeit zum Nachdenken, an der frischen Luft kann ich viel im Kopf sortieren und Pläne schmieden.

Es kommt immer alles anders und anders als man denkt, vor allem als Ärztin und mit Kindern!

Was machen Sie, wenn Sie sich etwas Gutes tun wollen?

Ich schätze gutes Essen irgendwo auswärts, in einem Gasthof oder einem Restaurant, ohne selber kochen zu müssen. Das können auch ganz einfache Gerichte sein, beispielsweise eine gut gemachte Pasta aus frischen Zutaten in einer gemütlichen Skihütte nach einer anstrengenden Abfahrt – es gibt kaum etwas Besseres!

Haben Sie eine Art Lebensmotto? 

In dem Motto „Panta Rhei“, altgriechisch für „alles fließt“, von dem Philosophen Heraklit steckt viel Wahrheit. Es besagt, dass alles im Leben sich ständig verändert, dass aber auch Entscheidungen, die einmal getroffen wurden, nicht mehr zurückzunehmen sind, sondern zu einem Teil des Flusses werden. Deshalb sollte man jeden Moment im Hier und Jetzt genießen und schätzen, da sich alles schnell ändern und nie wieder wie vorher sein kann.

Was können Sie besonders gut? Wie motivieren Sie sich? 

Meine Stärken liegen darin, dass ich gut organisieren kann und flexibel reagiere, wenn es mal anders kommt als geplant. (Es kommt immer alles anders und anders als man denkt, vor allem als Ärztin und im Leben mit Kindern!). Im Klinik-Alltag muss man immer Ruhe bewahren und auch mal improvisieren oder eine Situation mit ein bisschen guter Laune „entschärfen“ und am Ende sind dann meistens alle zufrieden. Solche Situationen an der Arbeit fordern mich, da kommt die Motivation von alleine!

Auf was sind Sie stolz in Ihrem Leben? 

Seit 2012 führe ich eine Zwillingsstudie mit eineiigen Zwillingen durch, bei denen jeweils ein Zwilling an Multipler Sklerose erkrankt ist, der andere nicht. Für die Forschung kommen die Zwillingspaare extra nach München und wir führen einige Untersuchungen und Interviews mit ihnen durch. Ich freue mich sehr, dass ich bei der Zwillingsstudie eine Aufgabe gefunden habe, bei der ich verschiedene Stärken als Ärztin, aber eben auch als Mensch optimal einsetzen und zudem immer authentisch bleiben kann.

Gibt es einen Lieblingsort für Sie? Wie tanken Sie Kraft? 

Ich wohne seit 2004 mit meiner Familie in München und wir genießen vor allem das Umland. In nur 30 Minuten kann man dort sein, wo andere Urlaub machen. Auch praktisch ist, dass man von München aus nur circa drei Stunden bis zum Gardasee braucht, da lohnt sich sogar ein Kurzurlaub über das Wochenende. Und wenn man dann schon in Italien ist, dann tanke ich bei einem guten, traditionellen Espresso und einer wunderschönen Aussicht meine Kraftreserven auf. 

Die Pressemittelung der Ludwig-Maximilians-Universität München zur Förderung von Dr. Gerdes können Sie hier lesen.