Frankfurt, 28. September 2026 – Um der weltweiten Zunahme von antisemitischem Denken und Handeln zu begegnen, schreibt die Hertie-Stiftung jährlich das Silvia-Tennenbaum-Stipendium aus. Es richtet sich an Autorinnen und Autoren, die sich mit den Themen Antisemitismus und Erinnerungskultur beschäftigen.
Zwei Stipendien für 2027
Die diesjährigen Stipendien gehen an Alexander Estis und Yari Or. Die beiden Stipendiaten werden über sechs Monate gefördert und halten sich einen Teil dieser Zeit in Frankfurt auf.
Literarischer Essay zu aktuellen Erscheinungsformen des Antisemitismus
Der Schriftsteller Alexander Estis wird das Stipendium nutzen, um sich in einem Langessay mit aktuellen Phänomenen des Antisemitismus zu beschäftigen.
Jury-Mitglied Prof. Dr. Sascha Spoun betont: „Die Bewerbung von Alexander Estis hat die Jury durch ihre außergewöhnliche Verbindung von literarischer Gestaltungskraft, analytischer Schärfe und gesellschaftlicher Relevanz überzeugt. Mit seinem geplanten Essayprojekt wird er einen wichtigen Teil zur hochaktuellen Debatte über neue Erscheinungsformen des Antisemitismus beitragen.“
Ein literarisches Memoir zum Fall Oskar Gröning
Die Wissenschaftlerin und Literatin Yari Or beschäftigte sich als Tochter eines Holocaust-Überlebenden für ein Filmprojekt intensiv mit dem Fall Oskar Gröning. Ihre Erfahrungen während dieser Recherche verarbeitet sie nun in einem Roman.
Prof. Dr. Maximilian Benz begründet die Entscheidung der Jury: „Yari Or setzt sich am Beispiel Oskar Grönings, des ‚Buchhalters‘ von Auschwitz, mit Ambivalenzen und Paradoxien im Zusammenhang von Geschichte und Erinnerungskultur auseinander. In einem literarischen Memoir reflektiert sie darüber, wie ein Dokumentarfilm, der Ordnung schaffen sollte, sich gegen seine Urheberin kehrt. Die obsessive Beschäftigung mit dem Täter von einst führt die Filmemacherin in die eigene Familiengeschichte, lässt vertraute Kategorien wie Täter und Opfer, Schuld und Unschuld brüchig werden und wirft schließlich die Frage auf, was Gerechtigkeit eigentlich sein kann.“
Mehr über das Stipendium und die Stipendiaten
Gern vermitteln wir Kontakt zu den beiden Stipendiaten.
Pressekontakt:
Julia Ihmels | Kommunikation
Gemeinnützige Hertie-Stiftung
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