#OffenGesagt:
Über chronische Erkrankungen im Job sprechen
Viele Menschen leben mit chronischen Erkrankungen wie einer MS und stehen mitten im Berufsleben. Oft bleiben ihre Symptome unsichtbar: Erschöpfung, Schmerzen, Konzentrationsprobleme oder schwankende Belastbarkeit werden im Arbeitsalltag schnell falsch gedeutet.
Mit #OffenGesagt möchten wir Gespräche darüber im digitalen Raum anstoßen, wie Arbeit gelingen kann, wenn Gesundheit nicht immer planbar ist. Es geht nicht darum, dass Betroffene sich erklären oder offenlegen müssen. Es geht um eine Arbeitskultur, in der Offenheit möglich ist, wenn Menschen sie möchten.
Worum geht es uns?
Chronische Erkrankungen sind Teil des Arbeitsalltags. Trotzdem wird über sie häufig geschwiegen: aus Unsicherheit, aus Angst vor Stigmatisierung oder weil passende Strukturen fehlen.
Mit #OffenGesagt möchte die Stiftung dazu beitragen, chronische Erkrankungen im Arbeitsumfeld sichtbarer zu machen. Im Mittelpunkt stehen nicht Defizite, sondern Menschen mit ihren Erfahrungen, Fähigkeiten und Perspektiven.
Unser Anliegen: mehr Verständnis, weniger Vorurteile und ein Arbeitsumfeld, in dem Unterstützung konkret wird.
Die Kampagne
Die Kampagne findet vor allem auf Social Media statt. Creator*innen und Multiplikator*innen greifen das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven auf: persönlich, fachlich, alltagsnah und auch mit Humor.
Sie sprechen über typische Situationen im Job, über hilfreiche und weniger hilfreiche Sätze, über strukturelle Hürden und über die Frage, wie solidarisches Handeln im Team aussehen kann.
Gut gemeint ist nicht immer gut gesagt
Sprache prägt, wie wir über Krankheit sprechen. Manche Sätze sind gut gemeint, können aber Druck erzeugen, Erfahrungen kleinreden oder Betroffene ungewollt auf ihre Erkrankung reduzieren.
Mit #OffenGesagt zeigen wir Alternativen: Formulierungen, die das Zuhören, Raum lassen und Unterstützung konkreter machen.
Statt: „Du bist so stark.“
Besser: „Was würde dir gerade im Arbeitsalltag helfen?“
Statt: „Man sieht dir gar nichts an.“
Besser: „Danke, dass du das mit mir teilst.“
Statt: „Mindset ist alles.“
Besser: „Lass uns schauen, welche Rahmenbedingungen passen.“
Die Stimmen der Kampagne
#OffenGesagt lebt von unterschiedlichen Perspektiven. Deshalb kommen in der Kampagne Menschen zu Wort, die eigene Erfahrungen teilen, Wissen einordnen oder humorvolle Brücken in den Arbeitsalltag bauen.
Mit dabei sind:
Skatschie spricht über Morbus Crohn.
Defne zeigt, wie MS im Arbeitsalltag einer Eventmanagerin sichtbar wird.
Sophia ordnet ein, warum chronische Erkrankungen in der Handwerksbranche mehr Verständnis brauchen.
Lasse Rheingans macht deutlich, welche Sätze im Arbeitsalltag helfen und welche nicht.
Blessed teilt Erfahrungen aus seinem Leben mit Multiple Sklerose.
Linella verdeutlicht die Perspektive von Kolleg*innen
Mertcan spricht als Gynäkologe über Endometriose.
Kiki spricht über ihr Reizdarmsyndrom und den Umgang im Job.
Magdalena Rogl gibt Einblicke in das Thema chronische Erkrankung am Arbeitsplatz.
Lini spricht über Multiple Sklerose.
Nils Behrens zeigt, wie Unterstützung im Arbeitsleben konkret werden kann.
Prof.Dr. Mandy Mangler teilt Erfahrungen zu Frauengesundheit im Arbeitskontext.
Anna berichtet über Endometriose und das Aus einer Karriere.
Sükrü thematisiert das Leben mit Migräne.
Bisheriges Engagement der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung:
Chronische Erkrankungen am Arbeitsplatz
In Deutschland lebt mehr als 40 Prozent der Bevölkerung mit einer chronischen Erkrankung. Vielen Menschen sieht man dies nicht an, weil ihre Symptome unsichtbar sind. Doch ob sichtbar oder nicht sagt weder etwas über den Grad der Beeinträchtigung noch über die Kompetenz der Betroffenen aus. Für alle, die im arbeitsfähigen Alter sind, stellt sich eine gemeinsame Herausforderung: Im Arbeitsleben können Vorurteile entstehen, wenn Menschen sich dazu entscheiden, offen mit ihrer Diagnose umzugehen. Seit 2022 rückt die Hertie-Stiftung das Thema "chronische Erkrankungen am Arbeitsplatz" regelmäßig und aus unterschiedlichen Perspektiven ins Rampenlicht.
After-Work-Podiumsgespräch
Unter dem Titel Wie begegnen wir dem Fachkräftemangel – Arbeiten mit einer unsichtbaren Erkrankung lud die Stiftung in Kooperation mit dem Landesverband Hessen der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft e.V. im Februar 2025 zu einer Podiumsveranstaltung in den Lichthof der IHK Frankfurt.
Unter der Moderation von Prof. Dr. Michael Groß (Groß & Cie.) trafen sich auf dem Podium Oliver Coenenberg (Sanofi-Aventis), Rebecca Gerwert Vaz de Carvalho (Mobilitätsbranche), Michaela Jaap (Hays AG) und Andrea Nahles (Bundesagentur für Arbeit).
Chronisch krank im Job – Unsichtbar, unterschätzt aber unverzichtbar
Viele Unternehmen suchen dringend Fachkräfte, übersehen aber oft Talente mit unsichtbaren Erkrankungen. Warum es Zeit für eine neue Sichtweise in der Arbeitswelt ist, lesen Sie im Artikel über unser Podiumsgespräch.
Awareness-Kampagne „Gemeinsam. Menschlich. Erfolgreich.“
Unter dem Motto Für Arbeit ohne Vorurteile: Mit Zusammenhalt und Offenheit im Umgang mit MS. hat die Hertie-Stiftung im Jahr 2022 gezeigt, welche Hürden für MS-Betroffene auf dem Arbeitsmarkt bestehen und wie Arbeitgebende eine inklusive Zusammenarbeit im Unternehmen gewinnbringend umsetzen können.
Um den Austausch hin zu einem echten und nachhaltigen Kulturwandel in den Unternehmen anzuregen, wurden u.a. über LinkedIn Umfrageergebnisse, Interviews und Videostatements veröffentlicht.