Interview mit Markus Maria Profitlich, April 2026
Dieses 'Tattergreis'-Image hat Parkinson nicht verdient
Markus Maria Profitlich wurde durch die „Wochenshow“ bekannt und geht seit seiner Parkinson-Diagnose offen und humorvoll mit der Erkrankung um. Heute fühlt er sich dank guter medikamentöser Einstellung körperlich und mental stabil, hat sich nach über 40 Jahren auf der Bühne bewusst zurückgezogen und genießt mehr Zeit mit seiner Familie. Er betont die Bedeutung von Bewegung und einer positiven Haltung im Umgang mit der Parkinson-Krankheit und ermutigt Betroffene und Angehörige, aktiv zu bleiben und sich nicht unterkriegen zu lassen.
Mit seinen Comedy-Rollen in der „Wochenshow“ wurde Markus Maria Profitlich (66) bekannt und begeisterte mit Figuren wie dem „Erklärbär“ ein Millionen-Publikum. Später brachte er seine eigene Sketch-Show „Mensch Markus“ auf die Bühne und ins TV und wurde mehrfach mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet. Als der Entertainer und Schauspieler im Jahr 2018 seine Parkinson-Erkrankung öffentlich machte, entschied er sich bewusst dafür, weiterhin auf der Bühne zu stehen. Statt sich zurückzuziehen, integrierte er den Humor in den Umgang mit seiner Erkrankung, zudem engagiert er sich bis heute für die Parkinson-Community. Anfang des Jahres verabschiedete sich Markus Maria Profitlich nach 40 Jahren mit einer bewegenden Final-Show von seinem Publikum. Doch wie geht es ihm heute? Drei Fragen an den Entertainer zum Welt-Parkinson-Tag am 11. April.
“Wenn ich mal nicht so gut drauf bin und mich der blöde Herr Parkinson am Gemüt packt, holt meine Familie mich schnell wieder raus aus dem Tief.”
Wie geht es Ihnen heute körperlich und mental - und wie verbringen Sie Ihren Tag?
Mir geht’s körperlich heute wirklich gut. Dafür, dass ich die Diagnose schon 2017 bekommen habe, also jetzt im neunten Jahr mit meiner Parkinson-Erkrankung bin, geht’s mir richtig gut. Ich habe leider eine Schulterverletzung, die nicht so richtig weggehen will. Die zwickt und zwackt immer mal wieder. Aber ansonsten bin ich sehr gut eingestellt. Wir haben da offenbar einen Medikamentencocktail gefunden, der mir wirklich hilft. Mein Tremor ist kaum noch vorhanden. Klar, zwischendurch taucht er noch mal auf, aber im Vergleich zu früher ist das viel, viel besser geworden. Mental fühle ich mich auch gut. Wir haben es tatsächlich geschafft: Nach über 40 Jahren auf der Bühne und insgesamt 53 Jahren Arbeit bin ich jetzt in Rente gegangen. Nicht wegen Parkinson, auf gar keinen Fall – das hätte noch weitergehen können. Aber die ganze Reiserei wurde mir einfach zu viel und zu anstrengend. Das wollte ich nicht mehr. Familie geht jetzt vor. Unsere Tage verbringen meine Frau Ingrid und ich im Moment viel mit Planen. In den ganzen Jahren ist doch einiges auf der Strecke geblieben: Hochzeiten, Geburtstage, Feiern, Theaterbesuche, Urlaube. Während der Tourneen mussten wir da auf vieles verzichten – und das holen wir jetzt nach. Ich hatte eigentlich gedacht, wir wären dieses Jahr weniger unterwegs, aber unser privater Kalender sieht schon fast wieder aus wie der Tourkalender vom letzten Jahr.
Sie haben Ihre Erkrankung stets selbstironisch in Ihre Auftritte integriert („Ich kann zwar kein Mikado mehr spielen, bin aber beim Cocktailmixen unschlagbar“), sind Mitglied im Tischtennis-Verein PingPongParkinson. Warum ist es so wichtig, Parkinson zu enttabuisieren – und wie können Betroffene ihre Scheu überwinden, über ihre Erkrankung zu sprechen?
Ja, ich gehe offensiv mit der Erkrankung um. Damit habe ich angefangen, nachdem ich den ersten Schock überwunden hatte – das hat ehrlich gesagt ein halbes bis ein ganzes Jahr gedauert. Danach habe ich mir überlegt, die Krankheit auch mit auf die Bühne zu nehmen und sie dort zu verarbeiten. Also zum Beispiel darüber zu sprechen, dass ich als Parkinson-Kranker nicht mehr jeden Beruf ausüben kann – Bombenentschärfer etwa. Oder Scharfschütze. Mein Favorit wäre ja Tätowierer gewesen. Entschuldigung… Was ich auch gemacht habe: Ich habe gehört, dass Tischtennis bei Parkinson sehr gut sein soll. Und ich habe das früher schon gespielt als Jugendlicher in Jugendzentren, da standen ja immer ein Kicker und eine Tischtennisplatte. Das hat mir damals viel Spaß gemacht. Dann habe ich es jahrzehntelang nicht mehr gespielt, und jetzt bin ich im Verein PingPongParkinson. Das hilft mir nicht nur bei der Erkrankung. Tischtennis ist wirklich extrem gut für Parkinson-Erkrankte, aber das Boxtraining zum Beispiel auch. Wenn meine Schulter wieder in Ordnung ist, fange ich damit vielleicht auch noch mal an. Ganz wichtig ist wirklich Bewegung. Die macht mindestens 50 Prozent der Arbeit aus. Man darf auf keinen Fall alles den Tabletten überlassen.
Selbst wenn man „nur“ Yoga macht oder jeden Tag ein, zwei Stunden spazieren geht – man muss sich bewegen, das ist das A und O. Dann merkt man auch relativ schnell, dass es einem besser geht, und es lässt sich offener mit der Krankheit umgehen. Dieses Tabu rund um Parkinson gibt es eigentlich nicht mehr, es wird nur oft noch falsch verstanden. Wenn man „Parkinson“ hört, denken viele sofort: Der hat nur noch ein paar Jahre und dann ist er tot. Oder er wird zum alten Tattergreis. Das kann passieren, ja – aber es lässt sich oft über viele Jahre hinauszögern. Ich habe damals auch den Fehler gemacht, bei Dr. Google nachzuschauen. Da findet man einerseits interessante Informationen, klar – aber eben auch Videos, in denen erklärt wird, was Parkinson ist, wie es entsteht und wie es verläuft. Und am Ende kommt dann eine schwarze Tafel: In fünf Jahren sind Sie tot. So ein Quatsch. Das darf man wirklich nicht annehmen. Dieses „Tattergreis“-Image hat Parkinson nicht verdient. Natürlich ist es eine ernsthafte Erkrankung, das steht außer Frage. Aber man darf sich davon nicht unterkriegen lassen.
Foto: Frank Hempel, Markus Maria Profitlich GmbH
Was raten Sie denn den Erkrankten und ihren Angehörigen, um sich von der Diagnose und einem fortschreitenden Parkinson nicht unterkriegen zu lassen?
Die Krankheit hat man ja nicht allein, sondern die Angehörigen gehören unbedingt dazu. Sie sehen das langsame Fortschreiten der Erkrankung bei ihrem Liebsten – wie es schwieriger wird zu gehen, zu essen oder alltägliche Dinge zu erledigen. Ich bin sehr froh, dass meine Frau und meine zwei Töchter mir da volles Verständnis entgegenbringen. Wenn ich mal nicht so gut drauf bin und mich der blöde Herr Parkinson am Gemüt packt, holen sie mich schnell wieder raus aus dem Tief. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar. Wir versuchen, die Krankheit nicht den ganzen Raum einnehmen zu lassen. Klar, man muss sich darum kümmern, aber Parkinson darf einem nicht das Leben vermiesen. Da ist mir auch völlig egal, was andere dazu sagen. Ein gutes Beispiel ist PingPongParkinson. Das ist eine Community, die unglaublich eng verbunden ist und sich auch außerhalb der Tischtennishalle unterstützt. Es gibt mittlerweile 200 bis 300 Stützpunkte in Deutschland. Meistens sind die bei Sportvereinen angegliedert oder man schaut auf der Webseite pingpongparkinson.de nach. Mein Rat: Machen Sie etwas, stehen Sie auf, bewegen Sie sich und lassen Sie sich nicht unterkriegen!
Das Interview führte Rena Beeg für die Gemeinnützige Hertie-Stiftung