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Foto: Privat
Interview mit Tamara Schenk, Mai 2026

Mein Sohn ist wie eine Belohnung für meinen Weg nach dem Schlaganfall

Die erfolgreiche Gründerin und Netzwerkerin Tamara Schenk über ihre Schwangerschaft nach einem Schlaganfall.
Gehirn erforschen

Quick Read: Worum es geht

Mit Anfang 30 erlitt Tamara Schenk einen schweren Schlaganfall. Sprechen, laufen, selbstständig essen – all das musste sie völlig neu lernen. Auch der gemeinsame Kinderwunsch, den sie und ihr Partner hegten, rückte plötzlich in weite Ferne. Doch Tamara Schenk kämpfte sich durch gezielte Therapien, viel Sport, ausreichend Schlaf und eine konsequente gesunde Ernährung zurück ins Leben. Sie entwickelte wieder Vertrauen in ihren Körper und brachte 2025 schließlich ein gesundes Kind zur Welt. Im Interview berichtet sie von ihrem Weg dorthin und davon, wie sie Schwangerschaft und Geburt erlebt hat.  Jungen Frauen, die nach einem Schlaganfall ebenfalls eine Familie gründen möchten, rät sie: Setzt euch nicht unter Druck. 

Am 10. Mai ist der Tag gegen den Schlaganfall  – Als erfolgreiche Gründerin („KOA“) und Netzwerkerin lebte Tamara Schenk (35) aus Berlin ein Leben auf der Überholpur, bis sie 2021 während eines Mittagessens mit Freunden in Südafrika einen schweren Schlaganfall erlitt. Plötzlich ging nichts mehr: Sprechen, Gehen, allein Essen – alles musste sie neu erlernen. Auch der gemeinsame Kinderwunsch, den sie und ihr Partner damals hatten, schien von jetzt auf gleich unerreichbar. Doch Tamara Schenk kämpfte sich zurück ins Leben. 2022 sprach sie mit der Hertie-Stiftung erstmals über ihren beeindruckenden Weg und macht bis heute als Schlaganfall-Influencerin anderen Betroffenen Mut. Ihr Leitsatz: „Gib nie auf!“. Vor neun Monaten brachte Tamara Schenk einen gesunden Jungen zur Welt. Wie sie Schwangerschaft und Geburt erlebte, und was sie jungen Schlaganfall-Betroffenen mit Kinderwunsch mitgeben möchte, erzählt sie in diesem Interview. 

Fünf Jahre sind seit Ihrem schweren Schlaganfall vergangen, vor neun Monaten haben Sie einen gesunden Jungen zur Welt gebracht. Wie geht es Ihnen heute?


Mental geht es mir sehr gut. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich so stabil und gut fühlen würde. Meine Hormone haben da definitiv einiges richtig gemacht. Allerdings hatte ich ehrlich gesagt auch ein bisschen auf ein Wunder gehofft. In der Schwangerschaft passiert ja unglaublich viel im Körper durch die Wachstumshormone und die komplette Umstellung. Ich hatte die Hoffnung, dass sich dadurch meine Nervenschädigungen ein Stück weit regenerieren würden und ich wieder etwas mehr Gefühl oder Funktion auf meiner rechten Seite zurückbekomme. Das ist leider nicht passiert. Ich spüre meine rechte Seite weiterhin nur peripher. Heiß und kalt nehme ich nur wahr, wenn es wirklich extrem ist, also sehr kalt oder sehr heiß. Alles dazwischen spüre ich nicht. Das ist natürlich tricky, gerade mit einem Kind, wenn ich es zum Beispiel trage oder wenn ich Wasser berühre. Das läuft alles über die linke Seite. Grundsätzlich bin ich fit, merke aber, dass ich in den letzten Monaten weniger Sport gemacht habe. Nach einem Schlaganfall darf man nicht damit aufhören. So schwer es ist, und so wenig Lust man manchmal darauf hat: Sport ist wirklich das Allerwichtigste.

Sprechen, Gehen, Essen: Nach Ihrem Schlaganfall mussten Sie vieles neu erlernen. Wie sind Sie damals mit dem Thema Kinderwunsch umgegangen?


Mein Mann hat mir sehr viel Kraft gegeben. Er hat immer gesagt: „Das wird, du bist so stark, du schaffst das.“ Und ich habe diesen Traum nie aufgegeben, er hat mich sogar angespornt. Schritt für Schritt habe ich um meinen Körper gekämpft. Nach drei Jahren haben uns die Ärzte das Go gegeben, dass wir mit der Familienplanung beginnen können. Ich war 34 Jahre alt. Jede Frau hat ab einem gewissen Alter diese Gedanken: Werde ich überhaupt schwanger? Bei mir hat es dann tatsächlich sofort geklappt. Das hat ein unglaubliches Glücksgefühl ausgelöst. Dieses Kind war von Anfang an ein absolutes Wunschkind. Ich war einfach nur dankbar und voller Freude. 

 

Hatten Sie jemals Sorge, ob Ihr Körper eine Schwangerschaft verkraften würde?


Durch meine innere Stärke und das viele tägliche Training habe ich sehr viel Vertrauen in meinen Körper. Natürlich gab es zwischendurch kurze Momente, in denen ich dachte: Was ist, wenn es nicht klappt? Aber diese Gedanken waren selten. Ich hatte eher das Gefühl: Ich habe es verdient, schwanger zu werden. Ich habe so viel an mir gearbeitet – jeden Tag Sport, gesunde Ernährung, guter Schlaf, eine enge Verbindung zu meiner Familie. Da hatte ich das Gefühl, vieles in meinem Leben stimmt einfach. Und ich hatte sehr viel Glück.

 

Welche ärztlichen Empfehlungen haben Sie im Hinblick auf eine Schwangerschaft nach dem Schlaganfall erhalten?

Ich habe mit meinem Neurologen gesprochen. Das war direkt nach meinem Schlaganfall, als wir eigentlich schon in der Kinderplanung waren und dann alles anders kam. Ich habe gefragt, wie eine Schwangerschaft nach einem Schlaganfall aussieht. Die klare Antwort war: „Bitte zwei Jahre keine Schwangerschaft. Sie sind körperlich noch zu schwach.“ Zuerst war ich enttäuscht, im Nachhinein aber sehr dankbar für diese klare Ansage. Ich dachte vorher oft: Ich bin sportlich, ich schaffe alles, das wird schon gehen. Aber eine Schwangerschaft und später ein Kind brauchen enorme Kräfte. Und ich war damals noch mitten in der Heilungsphase. Das wäre einfach zu früh gewesen. Heute merke ich das im Alltag sehr deutlich. Ich bin die primäre Bezugsperson für unseren Sohn, habe aber weiterhin Einschränkungen. Besonders der Schlaf ist ein großes Thema. In den ersten Wochen habe ich nachts kaum geschlafen und gemerkt, dass ich plötzlich Wortfindungsstörungen hatte und mich schlechter konzentrieren konnte. Schlafmangel ist für mich als Schlaganfallpatientin extrem belastend. Ich brauche diesen Schlaf, das lässt sich nicht wegdiskutieren. Das war eine der größten Herausforderungen. 

“Ich habe in der Schwangerschaft versucht, möglichst keine Angst zuzulassen.”

Hatten Sie während der Schwangerschaft gesundheitliche Ängste oder Komplikationen?


Ja, es ist tatsächlich etwas passiert. Im dritten Schwangerschaftsmonat hatte ich plötzlich Symptome, die ich vorher nicht kannte. Ich konnte nicht richtig sehen, mir war schwindelig und ich dachte sofort: Das könnte ein zweiter Schlaganfall sein. Ich bin direkt in die Notaufnahme gefahren. Dort stellte sich heraus: Es war eine Augenmigräne. Bei einer Augenmigräne verändert sich das Sehfeld. Wenn man geradeaus schaut, sieht es aus, als hätte man einen „defekten Bildschirm“ vor sich – alles ist verzerrt, flimmernd, wie ein unruhiges Bild. Das entwickelt sich über etwa 15 Minuten und wird dann wieder klar. In der Notaufnahme war es fast schon verschwunden. Trotzdem wusste ich in dem Moment nicht, ob es nur eine Pause ist oder etwas Ernstes dahintersteckt. Das war sehr beängstigend – vor allem, weil ich große Angst um mein Kind hatte. Insgesamt habe ich aber während der Schwangerschaft versucht, möglichst keine Angst zuzulassen, auch wenn das natürlich leichter gesagt als getan ist. Ich habe sehr gesund gelebt, mich extrem bewusst ernährt, viel über Gesundheit gelesen und versucht, alles direkt umzusetzen, was mir guttun könnte. Ich hatte auch das große Glück, in dieser Zeit nicht arbeiten zu müssen. Mein Mann hat mich sehr unterstützt und gesagt: „Konzentriere dich nur auf deine Gesundheit und auf unser Kind.“ Trotzdem war es eine sehr herausfordernde und auch beängstigende Zeit.

Gab es besondere medizinische Maßnahmen während der Schwangerschaft?


Ich habe regelmäßig meinen Blutdruck kontrolliert, weil ich einen hämorrhagischen Schlaganfall hatte. Das ist eine Hirnblutung, bei der ein Gehirngefäß zerreißt, und es zu Einblutungen in das Gehirngewebe kommt. Der Blutdruck hat sich zum Glück gut stabilisiert. Ich nehme heute verschiedene Nahrungsergänzungsmittel, die ich nicht im Einzelnen aufzählen kann, aber ansonsten keine Medikamente. Ich bin insgesamt gut eingestellt.

Wie haben Sie die Geburt erlebt und warum wurde es ein Kaiserschnitt?


Ursprünglich wollte ich auf natürlichem Weg gebären. Aber weil ich dabei hätte pressen müssen, bestand die Sorge, dass ein Gefäß im Gehirn reißen oder platzen könnte und dadurch ein zweiter Schlaganfall ausgelöst wird. Deshalb wurde die Geburt in einem Krankenhaus mit Stroke Unit, also mit einer Schlaganfall-Intensivstation, geplant und letztlich ein Kaiserschnitt durchgeführt. 

Wie haben Sie den Eingriff wahrgenommen?


Das war wirklich verrückt. Ich habe eine Spinalanästhesie bekommen, dadurch schlafen ja die Beine ein. Und plötzlich merkte ich: Mein linkes Bein fühlt sich völlig fremd an, richtig taub – während sich meine rechte Seite überhaupt nicht verändert hat. In dem Moment dachte ich: Jetzt kann ich endlich erklären, wie sich das für mich jeden Tag anfühlt. Meine betroffene Körperseite ist dauerhaft wie unter Narkose. Der Kaiserschnitt selbst war kein leichter Weg. Die Zeit danach war anstrengend, ich hatte Schmerzen, und gleichzeitig ist da dieses Baby, das einen komplett fordert. Zum Glück war mein Mann die ganze Zeit an meiner Seite. Er hat mich sehr entlastet, Windeln gewechselt, ist nachts aufgestanden und hat sich gekümmert. Ohne ihn wäre das alles deutlich schwerer gewesen. Und dann war unser Sohn da. Als ich ihn das erste Mal in den Armen hielt, war ich einfach nur überwältigt. Ich habe wirklich unterschätzt, wie viel Liebe man empfinden kann.

 Was hat Ihr Sohn in Ihnen verändert?


Mein Sohn ist für mich wie eine Belohnung dafür, dass ich all die Anstrengungen und vielen Schmerzen über die Jahre durchgehalten habe. Dafür, dass ich stark geblieben und diesen Weg gegangen bin. Es ist, als würde er mir zeigen: Du hast das gut gemacht, du hast durchgehalten, du bist jetzt für mich da. Das ist etwas unglaublich Schönes. Vielleicht musste ich genau diesen Weg gehen, um ihn zu bekommen. Für mich ist mein Leben jetzt vollkommen. Ich wusste vorher nicht, dass mir etwas gefehlt hat, aber er hat mich vollständig gemacht. Egal, ob ich erschöpft bin – ich fühle mich trotzdem ganz. Und das ist ein sehr schönes Gefühl.

Denken Sie seit der Geburt weniger an Ihren Schlaganfall oder ist er weiterhin präsent?


Er ist weiterhin präsent. Jeden Tag, jede Minute. Er verschwindet nicht. Vielleicht tritt er manchmal etwas in den Hintergrund, aber ganz weg ist er nie.

Arbeiten Sie weiterhin daran, dass sich Ihre Symptome verändern?


Ich höre nicht auf, an mir zu arbeiten. Ich habe vor einiger Zeit wieder mit Sport angefangen, dann wurde mein Sohn krank und ich musste pausieren. Im Moment taste ich mich wieder heran, zum Beispiel mit Power-Pilates. Ich probiere viel aus und informiere mich ständig. Eine Stammzellentherapie, die geschädigtes Hirngewebe repariert, interessiert mich sehr. Ich habe gehört, dass es in Südkorea spannende Entwicklungen gibt. Aber ich würde noch etwas abwarten, bis das Verfahren weiter erforscht ist. Als Schlaganfallpatientin gebe ich nicht auf. Mein Ziel bleibt, meine rechte Körperhälfte irgendwann wieder wahrnehmen und bewegen zu können.

Welche Botschaft haben Sie für junge Frauen, die einen Schlaganfall hatten und sich um ihren Kinderwunsch sorgen?


Setze dich nicht unter Druck! Es ist wichtig, jeden Tag in den Spiegel schauen zu können und zu sagen: Ich habe alles getan, was ich für mich und meine Zukunft tun kann. Mehr geht nicht. Und dann gehört auch immer ein Stück Glück dazu. Entscheidend ist, ehrlich zu sich selbst zu sein und dranzubleiben. Aufgeben ist keine Option. Man darf den Mut nicht verlieren. Es gibt noch so viel Leben, das gelebt werden will. 

Können Sie sich vorstellen, ein zweites Kind zu bekommen?


Wenn Gott will, sehr gern. Im Moment muss ich aber noch warten. Die Ärzte haben mir geraten, nach der Geburt mindestens ein Jahr Pause zu machen, damit die Narbe vom Kaiserschnitt gut verheilen kann. Das ist wichtig, weil sich ein Embryo sonst ungünstig einnisten könnte, was zu Komplikationen führen würde. Dieses Risiko möchte ich nicht eingehen. Ich halte mich bewusst an diese Empfehlung und gehe Schritt für Schritt vor. Und ehrlich gesagt genieße ich gerade die Zeit mit meinem Sohn. Alles an ihm – wie er riecht, wie er lacht, diese kleinen Momente. Für mich fühlt sich das gerade einfach vollkommen an. 

Tamara Schenk bei Instagram: @tamaraschenk1 

Das Interview führte Rena Beeg für die Gemeinnützige Hertie-Stiftung

Schwanger nach Schlaganfall: Worauf sollte man achten?

Fragen an Prof. Dr. Mengel

3 Fragen an Prof. Dr. Annerose Mengel, Leiterin der Forschungsgruppe „Schlaganfallerholung und Outcome“ in der Abteilung „Neurologie mit Schwerpunkt neurovaskuläre Erkrankungen“ am Hertie-Institut für klinische Hirnforschung in Tübingen, welches gemeinsam mit der Neurologischen Universitätsklinik das Hertie-Zentrum für Neurologie bildet.   

1. Wann ist eine Schwangerschaft nach einem Schlaganfall medizinisch vertretbar? 

Grundsätzlich sollte man nach einem Schlaganfall die Genesungsphase abwarten. Klassisch spricht man von etwa drei Monaten, aber wir wissen aus Studien, dass es eher 12 Monate dauert, bis man wirklich sagen kann: Das ist jetzt der stabile Zustand, mit dem die Patientin lebt. Deshalb empfehlen wir in der Regel, frühestens nach einem Jahr über eine Schwangerschaft nachzudenken. Körperlich bedeutet das: Die Rehabilitation sollte weitgehend abgeschlossen sein. Also motorische und sensible Defizite sollten sich bestmöglich gebessert haben, idealerweise durch konsequente Therapie wie Physio-, Ergo- und Logopädie. Auch die Psyche sollte man im Blick haben: Nach einem Schlaganfall treten bei bis zu 40 Prozent der Patientinnen und Patienten im ersten Jahr neuropsychiatrische Veränderungen auf – zum Beispiel Depressionen, Ängste oder Antriebsminderung. Das wird häufig übersehen. Gerade bei Kinderwunsch sollte man gezielt darauf achten und gegebenenfalls auch behandeln. Ein zentraler Punkt ist zudem, dass die Ursache des Schlaganfalls möglichst genau geklärt und – wenn möglich – behoben sein sollte. In dem Fall von Frau Schenk war es eine Hirnblutung, bei der vor einer Schwangerschaft wichtige Fragen zu klären sind: Ist das Risiko für eine erneute Blutung minimiert? Gab es zum Beispiel Gefäßveränderungen wie arteriovenöse Malformationen, also angeborene seltene Gefäßfehlbildungen? Bei ischämischen Schlaganfällen fragen wir uns: Liegt eine Gerinnungsstörung vor, die in der Schwangerschaft besonders relevant wäre und behandelt werden muss? Gibt es ein sogenanntes persistierendes Foramen ovale – ein kleines Loch in der Herzscheidewand, das sich eigentlich nach der Geburt schließen sollte? Solche Ursachen versuchen wir konsequent zu identifizieren und zu behandeln. Erst wenn die Patientin körperlich und psychisch stabil ist und die Ursache des Schlaganfalls bestmöglich geklärt und adressiert wurde, kann man verantwortungsvoll über eine Schwangerschaft nachdenken. Trotzdem bleibt es eine Risikoschwangerschaft, die eng begleitet werden sollte. 

 

2. Welche Risiken bestehen, und wie lassen sie sich minimieren?  

Eine Schwangerschaft bringt an sich ein erhöhtes Risiko für thrombembolische Ereignisse wie zum Beispiel Schlaganfälle mit sich. Das liegt vor allem an den hormonellen Veränderungen, die die Gerinnung beeinflussen. Schwangere haben dadurch ein erhöhtes Thromboserisiko. Das kann zum Beispiel dazu führen, dass sich venöse Thrombosen bilden, die – etwa bei einem persistierenden Foramen ovale – vom venösen in den arteriellen Kreislauf gelangen und einen Schlaganfall auslösen. Auch seltenere Ursachen wie eine Sinusvenenthrombose, also eine Thrombose in den hirneigenen Venen, treten in der Schwangerschaft häufiger auf. Bei einer vorangegangenen Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall) – wie in dem Fall von Frau Schenk – spielt vor allem der Blutdruck eine entscheidende Rolle. In der Schwangerschaft kann es zu einem Schwangerschaftshypertonus kommen. Deshalb ist ein wichtiger Punkt zur Risikominimierung ein engmaschiges Monitoring mit konsequenter Kontrolle des Blutdrucks. Aber auch andere Faktoren wie der Blutzucker sollten regelmäßig überprüft werden, zum Beispiel im Hinblick auf einen Schwangerschaftsdiabetes. Kurz gesagt: Das Risiko lässt sich nicht komplett vermeiden, aber durch eine gute Vorbereitung und eine enge medizinische Begleitung während der Schwangerschaft deutlich reduzieren. 

 

3. Welche Faktoren beeinflussen die Genesung nach Schlaganfall? Was können Betroffene dazu beitragen – und welche Fortschritte gibt es in Therapie und Rehabilitation?   

Die Genesung nach einem Schlaganfall hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind vor allem die Lokalisation und die Schwere des Schlaganfalls sowie der Zustand der Patientin oder des Patienten vor dem Ereignis. Wer vorher körperlich fit war, hat in der Regel ein besseres Rehabilitationspotenzial. Auch spielt es eine Rolle, ob es bereits frühere Schlaganfälle oder Einschränkungen gab – dann ist die Erholung oft schwieriger. Was Betroffene selbst tun können, ist nicht zu unterschätzen. Eine möglichst positive Grundhaltung hilft, aktiv an der Rehabilitation teilzunehmen. Denn wir wissen: Konsequentes, multimodales Training ist zentral. Dazu gehören Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie – ergänzt durch eigenes Üben im Alltag. Das Ziel ist, das neuronale Netzwerke zu stärken, so dass Funktionen erneut übernommen werden können. In der Therapie gibt es zudem Fortschritte: Ein Beispiel ist die transkranielle Magnetstimulation (TMS). Dabei wird die elektrische Hirnaktivitäten gemessen und gezielt von außen mittels transkraniellem Magnetstimulus aktiviert, um neuronale Netzwerke zu unterstützen. Hier setzt auch die neue Studie BOSS STROKE des Hertie-Instituts für klinische Hirnforschung unter der Leitung von Prof. Dr. Ulf Ziemann an. Ziel ist es, mithilfe der closed loop TMS eine neue Therapie für Schlaganfallpatientinnen und -patienten zu entwickeln, die sowohl die motorischen Funktionen verbessert als auch durch Spastik bedingte Einschränkungen reduziert. Gleichzeitig legt das HIH und unsere Arbeitsgruppe einen besonderen Schwerpunkt auf die Erforschung von genetischen Faktoren von Schlaganfällen sowie auf die Primärprävention, insbesondere bei jungen Patientinnen und Patienten.  

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