Eine Akademie für die Demokratie

Der CORRECTIV Gründer David Schraven über die Bürgerakademie für Medienkompetenz.

Interview mit David Schraven

Die Bürgerakademie verhilft jedem Interessierten zu mehr Medienkompetenz. Der Gründer David Schraven erklärt, wie die Akademie zu einer aufgeklärten Gesellschaft beiträgt.

Was kann der Nutzer bei der Bürgerakademie für Medienkompetenz lernen? Warum sollte man die Plattform nutzen?

Gerade eben erst im Europa-Wahlkampf hat sich wieder gezeigt, welche Bedeutung soziale Medien heutzutage für die Entscheidungsfindung in der Demokratie haben. Viele Bürgerinnen und Bürger, selbst Politiker und Journalisten klassischer Medien haben Schwierigkeiten im Umgang mit den neuen Medien. Und da wollen wir eingreifen. Wir wollen die Arbeit der klassischen und sozialen Medien durchschaubar machen. Wir wollen den Menschen helfen zu lernen, wie Medien funktionieren und wie sie gemacht werden. Wir wollen ihnen zeigen, was sie davon haben, wenn sie bessere Fotos machen können oder besser schreiben. Wir sind überzeugt, dass dies für alle Menschen gut ist.

Wieso ist Ihnen dieses Projekt so wichtig?

Uns geht es zu allererst um die Demokratie. Wir sind davon überzeugt, dass unsere Bürgerakademie dazu beiträgt, Menschen weiter aufzuklären; ihnen die Instrumente der Aufklärung an die Hand zu geben, damit sie sich qualifiziert an den gesellschaftlichen Diskussionen beteiligen können. Eine Demokratie braucht aufgeklärte Menschen, die wissen was sie wie sagen. Gerade heute ist dies entscheidend, in einer Zeit, in der jeder überall zum Sender von Informationen wird. Wenn wir alle wissen, was Fakenews sind, werden wir keine Desinformation mehr verbreiten. Und dann glauben wir, dass wir auch dabei helfen können, Menschen von der Kraft des Wortes in einer Demokratie überzeugen zu können. Nehmen Sie unseren Kurs zum Liebesbrief. Wenn ein junger Mensch lernt, dass der Lohn für ein geschriebenes Wort ein Kuss sein kann, wird er der Sprache alles zutrauen. Er wird für sein ganzes Leben der Aufklärung vertrauen. Für uns ist dieser Kurs das Eingangstor zu den Herzen der Menschen.

Wen wollen Sie im Besonderen ansprechen? Und wie genau wollen Sie diese Menschen erreichen?

Wir hoffen, dass wir mit Bibliotheken und Volkshochschulen kooperieren können. Wir wünschen uns, über diesen Weg mit den Bürgerinnen und Bürgern in Kontakt zu kommen, die schon vor Ort an Bildung interessiert sind. Wir glauben, so die Demokratie in den Städten und Gemeinden stärken zu können. Das System der Bibliotheken und Volkshochschulen in Deutschland ist einzigartig. Dieses System wollen wir stützen.

Welche Workshops bieten Sie an, können Sie konkrete Beispiele nennen?

Wir bieten zunächst Workshops zum journalistischen Handwerk, aber wir bauen unser Angebot für die Bürger im Laufe der Zeit immer weiter aus. Wir wollen Workshops zur besseren Bewerbung anbieten, damit Menschen lernen, dass ihnen das geschriebene Wort eine deutliche Gehaltserhöhung bringen kann. Wir bieten Kurse für Menschen, die ihr Leben für ihre Kinder und Enkelkinder aufzeichnen wollen: Wie schreiben sie die Abenteuer ihrer erlebten Jahrzehnte so auf, dass sie auch jemand gerne lesen will? Wir erklären, wie Smartphones funktionieren und wie man damit kleine Filme dreht. Wir denken für jeden, der sich für Medien interessiert, wird im Laufe der Zeit etwas dabei sein.

Sehen Sie die Digitalisierung und die damit verbundene Vielfalt medialer Öffentlichkeit eher als Problem oder als Chance?

Dies ist unsere Chance, die Demokratisierung der Gesellschaft entscheidend voranzutreiben – wenn wir die Herausforderungen annehmen und die Digitalisierung gestalten. Wenn wir zuwarten, dass sich alle Probleme von selbst lösen, gehen wir unter. Weil dann die Menschen Erfolg haben werden, die das Netz nur zur Bereicherung und zur Manipulation der Massen nutzen wollen.

Wie wollen Sie z.B. gegen Fake News vorgehen?

Wir glauben, die gezielte Desinformation mit Aufklärung eindämmen zu können. Wenn wir in jeder Stadt vier oder fünf Menschen ausgebildet haben, die Fake News erkennen können, werden diese Menschen der Falschinformation widersprechen und so zu einer besseren Debattenkultur beitragen. Wir sind auf einem guten Weg. Bis jetzt haben rund 200 Leute unsere Kurse zur Fake News Erkennung absolviert und wir haben Zeit und Geduld. Gemeinsam mit den Volkshochschulen und Bibliotheken können wir sicher hunderte mehr ausbilden.

Wo sehen Sie die Bürgerakademie in fünf Jahren?

Ich hoffe, wir haben bis dahin gemeinsam mit den Volkshochschulen und Bibliotheken ein System etabliert, das sich beständig darum kümmert, die Medienbildung von jung und alt in Deutschland zu verbessern. Eine Institution, die mit frischen Ideen dafür sorgt, dass sich immer wieder Menschen für das geschriebene Wort, für Bildung und Aufklärung begeistern. Eine Akademie für die Demokratie.

Bürgerakademie für Medienkompetenz

Wer seine Medienkompetenz stärken will, kann z.B. in online Workshops wie ‚Kompetent kommentieren im Netz‘ oder ‚Fake News entdecken‘ viel lernen und gleichzeitig zu einer aufgeklärten Gesellschaft beitragen. Die Hertie-Stiftung unterstützt das Projekt Bürgerakademie für Medienkompetenz finanziell mit 25.000€.

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