Einen kühlen Kopf bewahren

Die Regeln des Debattierens helfen der Schülerin Johanna Liebe auch bei Diskussionen mit profilierten Politikern.

Johanna Liebe im Interview

Die Schülerin Johanna Liebe ist Bundessiegerin bei Jugend debattiert und hat vor den Landtagswahlen im Brandenburger Landtag mit dem AfD-Spitzenkandidat Andreas Kalbitz debattiert.

Johanna Liebe ist Bundessiegerin Jugend debattiert 2018 (Altersstufe 1). Die fünfzehnjährige Schülerin besucht derzeit das evangelische Gymnasium Neuruppin in Brandenburg. In der Debatte mit Andreas Kalbitz, dem Spitzenkandidaten der AfD, im Landtag Brandenburg am 19. August 2019 mit dem Thema „Sollen Windräder zum Schutz heimischer Vögel abgestellt werden?“ musste die Schülerin in der Debatte plötzlich auch auf Regelverstöße und Ausfälligkeiten des Politikers reagieren. Die Medienresonanz war beachtlich. Wir wollten wissen, wie es ihr nach dem Medientrubel um die Debatte geht und wie sie es geschafft hat, das Duell souverän und gelassen zu gewinnen.

Hertie-Stiftung: Plötzlich „Medienstar“! Nach all dem Trubel um das Duell und die anschließenden Interviews - wie geht es Dir jetzt?  

Johanna: Ich habe nicht erwartet, dass es so hohe Wellen schlägt. Ich habe aber auch nicht vermutet, dass Herr Kalbitz so ausfallend wird. Hinterher war ich überwältigt von den vielen positiven Reaktionen und den vielen Kommentaren und Nachrichten. Das war schön und ein tolles Gefühl. Aber ich bin auch froh, dass es nun wieder etwas ruhiger zugeht, denn die ersten zwei Tage nach der Debatte haben sich meine Nachmittage nur mit Interviews gefüllt [lacht]. Ich glaube, dauerhaft könnte ich das nicht. Politikerin im Zentrum der Medien wäre nichts für mich.

Hertie-Stiftung: Welche Erfahrungen hast Du mit den Medien gemacht? Hat dich etwas überrascht oder verwundert?

Johanna: Ich habe wirklich positive Erfahrungen gemacht, konnte alle Artikel vorher durchlesen und es war kein negativer Beitrag dabei. Ich habe auch keine abfälligen Kommentare bekommen, insofern war es eine sehr positive Erfahrung für mich.

Hertie-Stiftung: Wie hat Dein direktes Umfeld reagiert? – Deine Familie, Freunde, in der Schule…?

Johanna: Ich war sehr überrascht, wie viele Leute Zeitung lesen [lacht], weil mich plötzlich so viele Schüler angesprochen haben, dass sie mich in der Zeitung gesehen haben. Ich war zum ersten Mal in den sozialen Medien präsent - das war schon lustig - normalerweise nutze ich diese Plattformen überhaupt nicht. Es ist ein schönes Gefühl, zu wissen, wie viele Menschen einen kennen und auf einen zukommen, um zu gratulieren.

Ich war überwältigt von den vielen positiven Reaktionen und den vielen Kommentaren und Nachrichten.

Hertie-Stiftung: Welche Debattier-Kniffe oder auch Regeln, die Du bei Jugend debattiert gelernt hast, haben Dir während des Duells mit Andreas Kalbitz besonders geholfen?

Johanna: Die gesamte Jugend debattiert-Struktur hat mir sehr geholfen und mir Sicherheit gegeben. Durch die Regeln, die wir lernen, wusste ich immer, wo ich weitermachen oder anknüpfen konnte. Ohne dieses intensive Training hätte ich meine Argumentation nicht so führen können. Das hilft mir generell, in Debatten ruhig zu bleiben und die Nerven zu behalten.

Hertie-Stiftung: Wie geht es mit dem Debattieren für Dich weiter? Hast Du irgendwelche Pläne?

Johanna: Ich möchte den Debattier-Verein unserer Schule weiter unterstützen, mich selbst in der Vermittlung von Jugend debattiert in der Schule engagieren und dadurch andere junge Leute motivieren mitzumachen.

Hertie-Stiftung: Du hast einen Wunsch frei: Mit wem würdest Du gerne mal debattieren - und zu welchem Thema?

Johanna: Das ist eine sehr interessante Frage. Es ist immer sehr reizvoll mit jemandem zu debattieren, der eine völlig gegensätzliche Meinung hat als man selbst. Ich würde beispielsweise sehr gerne mit einem Vertreter der katholischen Kirche über Homosexualität reden. Viele Unbeteiligte haben eine krasse Meinung dazu und fällen sehr harte Urteile über die Menschen, die tatsächlich davon betroffen sind.

Ich bin sehr froh und dankbar dafür, dass es Menschen in der Gesellschaft gibt, die sich engagieren und den Mut haben, ihre Meinung zu äußern. Ich freue mich über die Glückwünsche und bin dankbar für die ganze Unterstützung. Das hat mir viel Mut gemacht.

jugend debattiert

Jugend debattiert bringt bereits in der Schule jungen Menschen die Debatte näher: Im Unterricht und in einem bundesweiten Wettbewerb lernen sie, wie und wozu man debattiert, entwickeln ihre Persönlichkeit weiter und üben den Austausch von Argumenten.

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