Ausgezeichnet mit dem Leibniz-Preis 2020

Was bedeutet es für einen Wissenschaftler, mit einem der bedeutendsten nationalen Preise für die eigene herausragende Forschungsarbeit ausgezeichnet zu werden?

Wow, jetzt sind wir ein Stück weiter!

Prof. Dr. Marco Prinz erhält den Leibniz-Preis für seine herausragenden Arbeiten auf dem Gebiet der Neuroimmunologie. Er hat wegweisende Beiträge zur Rolle des angeborenen Immunsystems im zentralen Nervensystem geleistet. Seine Entdeckungen sind für die Hirnentwicklung, für die Ursachen für das Entstehen von Krankheiten und den Verlauf entzündlicher und neurodegenerativer Erkrankungen von großer Bedeutung. Sie weisen den Weg zu neuen Behandlungsmöglichkeiten entzündlicher und neurodegenerativer Erkrankungen im Zentralnervensystem.

Hertie-Stiftung: Sie wurden mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2020 ausgezeichnet. Wir freuen uns sehr darüber und gratulieren Ihnen! Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Marco Prinz: Ich freue mich sehr über den Preis. Zwar wusste ich, dass meine Universität mich vorgeschlagen hatte, aber die Auszeichnung kam trotzdem unerwartet. Ich sehe sie als eine große Anerkennung meiner Arbeit und auch als große Wertschätzung meines Teams. 

"Durch neue Techniken entstehen wiederum neue Fragestellungen, was den Entdecker- und Forschergeist belebt."

Die Hertie-Stiftung hat verschiedene Ihrer Forschungsvorhaben zwischen 2004 und 2012 unterstützt. Welchen Einfluss hatte diese Förderung auf Ihre Forschung bzw. auf Ihre Karriere?

Die Unterstützung der Hertie-Stiftung war für mich, als ich noch meine eigene Forschungsgruppe aufbaute, eminent wichtig. Das hat meine Forschungen sehr gefördert und mir sehr geholfen. Man erfährt als junger Wissenschaftler Wertschätzung und wird unterstützt. Das sehen meine Kolleginnen und Kollegen auch so.

Gibt es einen roten Faden in Ihrer Forschung, den Sie stetig verfolgt haben? Was treibt Sie an?

Es gibt mehrere Faktoren. Wichtig ist das Interesse am Thema, Spaß an dem, was man macht, und ein gewisser Wissensdurst. Was dazu kommt: Ich habe eine große Freude mit Gleichgesinnten im Team zu arbeiten. In unserem Arbeitsumfeld entstehen immer neue Herangehensweisen, neue Methoden und Techniken. Daher sind wir ein interdisziplinäres Team, das seine Blickwinkel gemeinsam zu einem Puzzle zusammensetzt.

Beispielsweise bot uns die in den letzten Jahren aufgekommene Einzelzelltechnologie mit ihrer höheren Auflösung einer einzelnen Zelle einen Blick in das Immunsystem des Gehirns, was ich absolut faszinierend finde. Daraus haben wir sehr viele Erkenntnisse über Multiple Sklerose gewonnen. So entstehen durch neue Techniken wiederum neue Fragestellungen, was den Entdecker- und Forschergeist belebt. Wir überprüfen die Ergebnisse, stellen fest: Das war so nicht bekannt! Dann denkt man sich: Wow, jetzt sind wir ein Stück weiter! 

Gibt es ein Leben nach dem Leibniz-Preis? Hat sich Ihre Sicht auf die Forschung jetzt verändert?

Es ist ein sehr renommierter Preis, also wird man ins Rampenlicht geschoben, wo man als tüftelnder Forscher gar nicht hin will. Die Aufmerksamkeit verändert sich deutlich, sodass ich in den ersten Tagen nach Bekanntgabe hunderte Mails bekommen habe. Das war ein Tsunami an Öffentlichkeit, von inner- und außerhalb der Uni, aus dem Ausland sowie an Interviewanfragen. Das war überwältigend. Aber die Forschung geht weiter und ich nutze die Aufmerksamkeit, um Licht auf unsere Forschungen zu werfen. Zudem kann ich das Preisgeld – ohne Anträge und Berichte – frei für meine Forschungen verwenden und dem nachgehen, was ich immer schon mal erforschen wollte, das ist eine tolle Chance. Wir wollen jetzt tiefer gehen in der Forschung. Wir haben neue Regionen im Hirn entdeckt, jetzt will ich wissen: Was haben diese für eine Funktion?

 

Haben Sie eine Empfehlung an die Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler für deren Weg in eine erfolgreiche Forschung?

Wie es überall im Leben gilt: Spaß und Interesse. Es muss einen ausfüllen, dann kommt man auch über Tiefpunkte und Rückschläge hinweg. Wenn mal ein Antrag abgelehnt wird, ein Experiment nicht klappt oder sich die Hypothese nicht bestätigt, dabei kann man Frustrationstoleranz entwickeln. Das passiert jedem, deshalb: Nicht aufgeben und einfach dranbleiben!

Danke für das Gespräch!
 

Gehirn erforschen

Die Hertie-Stiftung stellt in ihrem Arbeitsgebiet „Gehirn erforschen“ die Funktionsweise des Gehirns und die Bekämpfung seiner Erkrankungen in den Mittelpunkt. Schwerpunkte bilden die Förderung klinischer Hirnforschung und Projekte im Bereich der Grundlagenforschung sowie die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Darüber hinaus unterstützen wir neurowissenschaftliche Initiativen für innovative Forschungs-, Bildungs- und Kommunikationsformate.

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