Niemals aufgeben

Engagiert im Kampf gegen MS: Ein Interview mit Dr. Sabine Schipper über ihre tägliche Arbeit, Ruheorte und Vorbilder.

Freude an den kleinen Dingen

Dr. Sabine Schipper, Leiterin des Landesverbandes NRW der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, über Disziplin, Engagement und den perfekten Tag.

Die Psychologin Dr. Sabine Schipper leitet den Landesverband NRW der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) seit 2011. Nach dem Diplom war sie in einer MS-Fachklinik tätig und absolvierte begleitend eine psychotherapeutische Zusatzausbildung bis zur Approbation als Psychologische Psychotherapeutin. Promoviert hat sie im Bereich Gesundheitswissenschaften/Public Health.

Liebe Frau Dr. Schipper, wann haben Sie die besten Ideen?

Das ist schwer zu sagen, da es ganz unterschiedliche Situationen sind. Manchmal kommt mir die Idee für ein Projekt, während ich mit Klienten oder Kollegen spreche und feststelle, dass es einen Bedarf gibt, den ich helfen möchte zu decken. Am häufigsten kommen mir aber Ideen, wenn ich unterwegs bin und den Gedanken freien Lauf lassen kann. Meine liebsten Ansprechpartner sind in solchen Situationen meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zusammen können wir hervorragend Pläne schmieden.  

Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Gutes tun wollen?

Einen Matcha Latte trinken, ein richtig gutes (gesundes) Essen kochen oder aber mit meinem Hund durch die Felder laufen. Die Liste könnte ich jetzt noch um einige Dinge ergänzen, denn ich habe das Glück, dass mir vieles Freude macht und ich auch kleine Ruheinseln sehr genießen kann.
 

Wie motivieren Sie sich?

Zumeist ist das gar nicht explizit nötig. Gott sei Dank machen mir die meisten Aufgaben, die ich zu erledigen habe, großen Spaß, sodass sich die Motivation ganz von allein ergibt. Und ich habe die Eigenschaft, auch bei nicht so spannenden Tätigkeiten ein gutes Durchhaltevermögen zu haben. Das ist ein Familienerbe, welches ich mit meinen Geschwistern teile. Ursprung hat dies sicherlich in unseren sehr disziplinierten Eltern, die den Krieg und den Wiederaufbau miterlebt haben. Bei ihnen ging es oft nicht in erster Linie um die Freude am Tun, sondern um die Notwendigkeit, etwas zu erledigen . Diese Disziplin haben wir mit auf den Weg bekommen. 

Haben Sie ein Motto oder einen Vorsatz? 

Die Antwort schließt ein wenig an die Ausführung zur Motivation an. Meine grundlegende Devise lautet: „Niemals aufgeben!“. Bei Themen, die mir wichtig sind, entwickle ich die Mentalität eines Jagdterriers. Ich lasse nicht locker. Das ist in vielen Fällen sehr nützlich, insbesondere wenn es um Anliegen unserer Mitglieder bei der DMSG geht. Für die Menschen um mich herum ist das aber oft auch anstrengend. 

Was können Sie besonders gut?

Ich habe ein sehr gutes Gedächtnis, wenn es um Menschen und deren Lebensthemen geht. Es interessiert mich, wie es anderen geht, was sie bewegt. Deshalb prägt es sich so gut bei mir ein. Das ist eine riesige Hilfe bei der Arbeit mit Klienten und auch mit Gruppen. 
 

Auf was sind Sie stolz in Ihrem Leben?

Es ist für mich toll, bei der DMSG arbeiten zu dürfen. Was gibt es Besseres, als Menschen im Umgang mit ihrer Erkrankung unterstützen zu können. Und als Geschäftsführerin kann ich Richtungen mitbestimmen. Projekte wie „Jobcoaching“, „Plan Baby bei MS“ und auch „Vergessene Kranke“ machen mich stolz, da ich den Eindruck habe, dass Themen, die mich in meiner Arbeit bewegen, auf breites Interesse stoßen und angegangen werden. 

Haben Sie einen Lieblingsort?

Eindeutig mein Sofa in Düsseldorf. Nirgends kann ich meine Seele besser baumeln lassen und einfach Löcher in die Luft starren. 

Wie tanken Sie Kraft?

Tatsächlich muss ich mich immer für eine kurze Zeit in mich selbst zurückziehen. Einfach nichts tun und vor mich hin grübeln. Etwas, was ich seit meiner Kindheit brauche, und was eine wirkliche Kraftquelle ist. 
 

Der perfekte Tag – wie sähe der für Sie aus?

Ausschlafen, mit meinem Hund rausgehen, anschließend ins Büro fahren und mit Klienten arbeiten oder alternativ lesen, lesen, lesen. Und abends mit meinem Mann zum Italiener gehen. Das ist der perfekte Tag.

Wen würden Sie gerne auf einen Kaffee treffen, wenn Sie die freie Wahl hätten?

Franz Müntefering. Herr Müntefering begeistert mich immer wieder durch seine geerdete Art und sein soziales Engagement. Gerne würde ich mit ihm über eine „enkeltaugliche“ Zukunft sprechen. Herr Müntefering ist für mich auch durch seine privaten Lebensentscheidungen ein besonders beeindruckender Mensch. Und darüber hinaus ist er wie ich Sauerländer – das verbindet!

MenSchlich - kreativ und engagiert rund um MS

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung engagiert sich sowohl in der Erforschung von Nervenerkrankungen wie Multipler Sklerose als auch in der Unterstützung von Betroffenen. In der Rubrik MenSchlich erzählen wir die  Geschichten der Menschen rund um MS.

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