Mit Kopf und Herz für MS-Patienten

Der Neurologe Dr. Volker Siffrin sieht sich als Berater seiner Patienten, denen er oft in einer schwierigen Phase ihres Lebens begegnet.

Interview mit Dr. Volker Siffrin

Der Neurologe Dr. Volker Siffrin und sein Team entwickeln Methoden zur Prognose des Krankheitsverlaufs von Multipler Sklerose.

Dr. Volker Siffrin ist Neurologe an der Universitätsklinik Charité in Berlin. Für seine Studien über Neurodegeneration wurde er von der Hertie-Stiftung mit dem Programm medMS gefördert und hat aus diesen Mitteln - gemeinsam mit einem interdisziplinären Team aus jungen Forscherinnen und Forschern - das Neuroimmunologie-Labor gegründet. Dort werden Biomarker identifiziert, anhand derer Prognosen über den Krankheitsverlauf von Multipler Sklerose sowie die Entwicklung von körperlichen Beeinträchtigungen getroffen werden können.

Lieber Herr Dr. Siffrin, wie kamen Sie zur MS-Forschung?

Die Kombination aus Immunologie - dem dynamischen System, das uns überleben lässt und vielfältige Möglichkeiten für Therapieansätze gibt - und der sehr analytischen Neurologie hat mich fasziniert. Schon zu meinen Studienzeiten hat sich hier in der Forschung viel bewegt und zum ersten Mal konnte mit Immuntherapien wirklich etwas erreicht werden für die Patienten. Damit hatte ich meinen Schwerpunkt gefunden.

Was motiviert Sie im Umgang mit Ihren Patienten?

Viele meiner Patienten haben gerade erst die Diagnose MS bekommen. Es sind junge Menschen, die in der Ausbildung stecken oder eine Familie gründen wollen. Diese Patienten wieder auf die Schiene zu kriegen und dabei zu unterstützen, dass sie feststellen: Ich kriege das hin und kann meine Pläne weiterverfolgen. Da ist es toll, wenn man helfen kann. MS ist anders als andere Erkrankungen, die akut therapiert werden müssen. Hier ist es wichtig herauszufinden, was die Patienten wollen, welche Einstellung oder Philosophie sie in Bezug auf ihr Gesundheitsempfinden haben. Dies kann auch bedeuten, dass die jungen Menschen eine Phase haben, wo sie keine Therapie wollen. Als Arzt sehe ich mich als Berater und die Menschen sagen mir, ob meine Vorschläge für sie passen. Eigentlich sind es die kleinen Momente, die mich in meiner Arbeit motivieren. Das sind kurze Augenblicke in Gesprächen mit den Patienten. Wenn ich da feststelle, ich konnte weiterhelfen, dass ein Patient einen Tiefpunkt überwinden konnte, wo es vorher keine klare Lösung gab.

Was können Sie besonders gut?

Ich bin praktisch, finde schnell Lösungen, egal, wie die Situation ist. Beispielsweise im Alltag auf Station: Da kommt viel zusammen, es geht darum, Situationen schnell zu analysieren und zu erkennen, was gemacht werden muss und was warten kann. Und ich bin ein guter Teamleiter geworden, indem ich von Vorbildern gelernt habe. Auch in kleinen Teams entstehen emotionale Spannungen. Dann geht es darum, dies zu erkennen, zu analysieren und Lösungswege anzuleiten, die für alle gut sind.

Auf was sind Sie stolz in Ihrem Leben?

Ich bin kein stolzer Typ, das ist im Deutschen ja auch eher negativ konnotiert. Vieles in meinem Leben basiert auf Glück und einer Interaktion mit anderen. Die Arbeit mit meinem Team, ob im Labor oder auf Station, macht mich glücklich. Dies gehört zu den vielen guten Momenten.

Haben Sie ein Motto?

Authentisch zu sein, in dem, was ich tue. Dies ist mein Leitzsatz geworden. Dabei überprüfe ich mich immer wieder und korrigiere Abweichungen.

Haben Sie einen Lieblingsort?

Berlin ist meine Heimat und mein Lieblingsort. Denn hier habe ich Menschen kennengelernt, die meine Wellenlänge haben und meine Art des Denkens und Handels vertreten – hier ist meine geistige Familie.

Wie tanken Sie Kraft?

Kraft tanke ich durch die Interaktion mit Freunden. Das sind Freundschaften, die mich durch das ganze Erwachsenenleben begleitet haben. Mit ihnen viel Zeit zu verbringen, ist die Basis für meine Work-Live-Balance.

Der perfekte Tag – wie sähe der für Sie aus?

Da bin ich Standard: Meinen Geburtstag verbringe ich im Spa, treffe Freunde, gehe abends gut essen - das ist ein perfekter Tag für mich.

Wen würden Sie gerne auf einen Kaffee treffen, wenn Sie die Wahl hätten?

Gelegenheiten, bei denen sich viele unterschiedliche Menschen treffen, finde ich ein sehr spannendes Format, denn da zeigen sich die Personen, wie sie sind. Daher würde ich mich gerne gemeinsam mit ein paar Leuten treffen, die ich gut und authentisch finde: Stefanie Graf, Henry Hübchen, Steffen Seibert und Daniela Katzenberger. Ich fände es spannend zu sehen, wie sie zum Leben stehen, wie sie in Interaktion mit mir und miteinander sind. Ich mag Tische mit vielen Menschen, wo man sich unterhält, daraus ziehe ich viel.

MenSchlich - kreativ und engagiert rund um MS

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung engagiert sich sowohl in der Erforschung von Erkrankungen des Nervernsystems wie Multipler Sklerose als auch in der Unterstützung von Betroffenen. In der Rubrik MenSchlich erzählen wir die  Geschichten der Menschen rund um MS.

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