Der Schlüssel zum Erfolg

Die Millionen Zellen, aus denen der Körper zusammengesetzt ist, haben Birgit Liss schon fasziniert, als sie jung war. Es scheint, dass alle Wege sie in die gleiche Richtung führten: »Ich habe Wissenschaft schon immer geliebt und wahrscheinlich ist das der Grund, weshalb ich heute hier bin«, sagt sie. Heute ist sie Professorin und Leiterin des Instituts für Angewandte Physiologie an der Universität Ulm. Mit ihrer Forschungsgruppe erforscht sie jene Neuronen im Gehirn, die für die Ausschüttung von Dopamin verantwortlich sind, eine chemische Substanz, die wichtig für unsere Bewegungen, Gefühle und kognitiven Funktionen ist. »Alle Neuronen führen ihre komplexen Funktionen aus, indem sie elektrische Impulse und Potenziale erzeugen – Gehirnfunktion ist Physik«, sagt Liss. Wenn die neuronale Dopaminausschüttung nicht richtig funktioniert, kann das zu ernsthaften Krankheiten führen wie Parkinson oder Schizophrenie. Die Wissenschaftlerin und ihr Team konzentrieren sich darauf, die Muster der elektrischen Aktivität von Dopaminneuronen zu verstehen, und was mit ihnen im Rahmen dieser komplexen Krankheiten passiert.

Foto: Universität Ulm

Mache das, wovon du denkst, dass es das Richtige ist.

Ihre Arbeit an der Universität hat viele Facetten. Lehre, Forschung und Betreuung sind nur drei davon. Administrative Aufgaben sind genauso wichtig für die Arbeit wie das Beantragen von Gelder für die Finanzierung der Forschungsprojekte. Liss entwirft Forschungsprojekte, aber sie steht nicht mehr so oft im Labor wie noch während ihres PhDs in Hamburg oder ihres Postdocs in Oxford. Mittlerweile betreut sie selbst ein Forschungsteam: »Meine Hauptaufgabe ist jetzt, Studierende und junge Wissenschaftler anzuleiten, damit sie sich entfalten und entwickeln«. Sie ermutigt ihre Studierenden, das zu tun, was sie für das allerwichtigste hält, um zu einemr selbständigen Wissenschaftler oder einer selbstständigen Wissenschaftlerin zu werden: »kritisch denken«. Sie hat das Gefühl, dass dies auch für ihren eigenen Erfolg wichtig war: »Mache das, wovon du denkst, dass es das Richtige ist. Und mache, was du am meisten magst, auch wenn die Leute skeptisch sind.«

Als Liss von Oxford nach Deutschland zurückkehrte, unterstützte die Gemeinnützige Hertie-Stiftung ihre Forschung. »Die Förderung der Hertie-Stiftung hat mir sehr geholfen, mein eigenes Labor zuhause aufzubauen.« Als Mentorin machte sie im Mentoring-Programm der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung mit. Sie mag solche Dinge und ihre Interessen gehen weit über die Arbeit an der Universität hinaus.

Die Professorin stellt ihre Forschung auf wissenschaftlichen Konferenzen vor und ebenso findet man sie auf anderen öffentlichen Schauplätzen, sofern es ihre Zeit erlaubt. Neben akademischer Wissenschaft »sind mir auch Politik und Gesellschaft wichtig«, sagt sie. Seit vielen Jahren engagiert sie sich aktiv auch auf diesen Gebieten für die Themen, die ihr besonders am Herzen liegen: Wissenschaft und Bildung.

»Es ist traurig, dass in einem Land wie Deutschland der Bildungsabschluss von Menschen immer noch stark davon abhängt, wie wohlhabend die Eltern sind. Und in Zeiten von alternativen Fakten ist es wichtiger denn je, politische Entscheidungen auf Basis von wissenschaftlichen Gründe zu fällen, als vom persönlichen Glauben abhängen zu lassen«, ist sie überzeugt

Ihre Leidenschaft für Forschung bringt mit sich, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit ineinander übergehen. Die Zeit zu Hause ist für sie Zeit, kreativ zu denken und über Wissenschaft und andere Dinge, die ihr wichtig sind, zu lesen. »Knifflige Probleme nehme ich manchmal mit in den Schlaf«, erzählt sie. Aber anders würde sie es nicht wollen. »Ich arbeite mit diesem Einsatz, weil ich – solange die administrativen Aufgaben nicht überhandnehmen – das mache, wofür ich brenne«, erklärt sie. Für sie gehen Freizeit, Wachsein und Schlafen fließend ineinander über. »Aus meiner Sicht liegt ein Schlüssel zum Erfolg darin, härter als andere zu arbeiten. Und du arbeitest härter, wenn du etwas machst, das du liebst. Das ist Wissenschaft für mich: Etwas das ich machen will und über das ich mehr erfahren will«, sagt sie. Auch empfindet Liss, dass es hilft, »keine Angst zu haben, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu fällen und hinter ihnen zu stehen. Habe keine Angst Fehler zu machen. Lerne aus ihnen.« Leidenschaft, Einsatz und hartes Arbeiten bleiben Sieger im Kampf gegen die Zeit.

Habe keine Angst Fehler zu machen. Lerne aus ihnen.

Foto: Baumann/all4foto.de

Weiterführende Informationen

Birgit Liss ist Professorin und Leiterin des Instituts für Angewandete Physiolgoie an der Universität Ulm. Sie und ihr Team konzentrieren sich darauf, die Muster der elektrischen Aktivität von Dopaminneuronen zu verstehen, und was mit ihnen bei Krankheiten wie Parkinson oder Schizophrenie passiert. Neben akademischer Wissenschaft engagiert sie sich auch in Politik und Gesellschaft. Aus ihrer Sicht liegt ein Schlüssel zum Erfolg darin, härter als andere zu arbeiten. Und sie ist überzeugt: "Du arbeites härter, wenn du etwas machst, das du liebst."