Niedrigschwellige Hilfsangebote zu Krisenzeiten

Auf der Plattform MS Connect wird eine Online-Sprechstunde zu Corona angeboten.

DMSG reagiert auf Corona mit digitalem Angebot

Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) hat in ihrer OnlinePlattform für MS-Betroffene eine OnlineSprechstunde für Corona und MS geschaffen.

Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) beteibt seit 2018 die Online-Plattform MS Connect, die MS-Betroffenen einen geschützten Raum für Austausch und Kennenlernen bietet und explizit dem Rückzug und der Isolation entgegenwirken soll, die die Krankheit mit sich bringen kann. Die Hertie-Stiftung unterstützt das wichtige und innovative Projekt finanziell von Anfang an. Wir haben die Corona-Krise als Anlass genommen, mit der DMSG-Sprecherin Ines Teschner über die Auswirkungen auf Betroffene von Multiple Sklerose zu sprechen.

Hertie-Stiftung: Wie wirkt sich die gegenwärtige Situation auf die Menschen aus, die von der Krankheit Multiple Sklerose betroffen sind?

Ines Teschner: Mit Beginn der Corona Krise häuften sich in der Bundesgeschäftsstelle und den 16 Landesverbänden der DMSG die Anrufe von besorgten MS-Erkrankten und ihren Angehörigen: Bin ich als MS-Erkrankter besonders gefährdet? Gehöre ich zur Risikogruppe? Wie kann ich eine Ansteckung vermeiden? Darf ich jetzt nicht mehr das Haus verlassen? So lauteten nur einige der Fragen. Da lag es nahe, die in der Vergangenheit bewährten Expertenforen auf die geschützte Kennenlern-Plattform MS Connect zu verlegen. Hier können im Anschluss an die Arzt-Sprechstunde zusätzlich die Inhalte mit anderen Betroffenen besprochen und neue Kontakte geknüpft werden. Eine soziale Funktion, die insbesondere in Zeiten der Kontaktsperren durch Corona eine immer größere Bedeutung gewinnt.

Wie kam es zu der Idee von MS Connect?

Die Idee für MS Connect ist im DMSG-Landesverband Hessen entstanden. Ziel war, MS-Erkrankten aus ganz Deutschland einen geschützten Raum zu bieten - zum Kennenlernen und zum Austausch. Mit Unterstützung der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung konnte daraus unter dem Dach des DMSG-Bundesverbandes und mit dem technischen Know How der Firma Cocomore dieses Projekt verwirklicht werden.

Welche Herausforderungen kommen jetzt speziell auf MS-Erkrankte zu? Wie sind sie gefährdet?

MS-Erkrankte, die keine immunmodulierende Therapie erhalten, sind nicht stärker gefährdet als Menschen ohne MS. Falls eine immunmodulierende Therapie zum Einsatz kommt oder eine stärkere Behinderung vorliegt, ist besondere Vorsicht geboten. In dieser Situation bieten die Arzt-Sprechstunden eine unabhängige Beratung und kompetente Ansprechpartner, die auch zu erreichen sind, ohne dass die Betroffenen ihr Haus verlassen müssen. Ein weiterer belastender Faktor für MS-Erkrankte ist die durch das räumliche Kontaktverbot drohende soziale Isolation. Hier bieten die Kommunikationsangebote in der DMSG-Community und Telefonketten der Kontaktgruppen in den Landesverbänden eine große Hilfe.

Welche Art von Ärzten sind in der Sprechstunde, sprich: welche Disziplinen/Bereiche sind besonders gefordert?

Die Fachärzte für die Behandlung von Multipler Sklerose sind Neurologen. Aufgrund der zahlreichen Symptome der MS kommen jedoch auch Mediziner aus anderen Fachgebieten in Frage, z.B. Urologen oder Augenärzte. Für weitere Themen stehen auch Mediziner mit psychiatrischer Qualifikation und Experten für Pflege und Logopädie zur Verfügung.

Wie ist die Sprechstunde organisiert?

Die Nutzer können ihre Fragen am Tag der Arzt-Sprechstunden bereits ab 9 Uhr in der Gruppe auf MS Connect einstellen. Die Experten beantworten in einem zuvor festgelegten Zeitrahmen die eingegangenen Fragen. Im Anschluss können alle Besucher und Mitglieder das Protokoll der Sprechstunde auf MS Connect und auf der Website des DMSG-Bundesverbandes nachlesen.

Was sind gegenwärtig viel besprochene Themen, Sorgen, Ängste?

An erster Stelle stehen sicher aktuell das Thema Corona-Virus und die möglichen Auswirkungen auf die Therapie der MS im individuellen Fall. Unsicherheit besteht auch bezüglich der langfristigen Perspektiven im Beruf. Aber auch die aus den Vorsichtsmaßnahmen resultierenden Einschränkungen im Lebensalltag sind Gegenstand vieler Fragen.

Wie wird das Angebot angenommen?

Sehr gut. Aufgrund der großen Nachfrage bieten wir die Arzt-Sprechstunden jetzt zwei Mal in der Woche an, zu jeweils verschiedenen Themen.

Worauf sollten MS-Kranke jetzt besonders achten?

Die generelle Empfehlung zur Vermeidung von Infektionen durch das   Bundesgesundheitsamt und dem Robert-Koch-Institut (RKI) gilt natürlich auch für MS-Betroffene, besonders, wenn eine Immuntherapie durchgeführt wird. Zum Beispiel sollte mindestens 1,5 Meter Abstand zu anderen Menschen gehalten werden. Wir empfehlen, auch bei einer Corona-Infektion die Therapie unter engmaschiger (evtl. auch telefonischer) Absprache mit dem behandelnden Neurologen oder MS-Zentrum weiterzuführen.

 Die Arzt-Sprechstunden sind eine ebenso sinnvolle wie niedrigschwellige Weiterentwicklung der bekannten Experten-Foren und Chats.

Welche Hilfestellungen bieten Sie darüber hinaus?

Wir bieten kontinuierliche Informationen auf der Website www.dmsg.de, eine Kampagnenseite zum Thema Corona-Virus und MS und für jede Altersgruppe ein passendes Kommunikationsmedium. Bundesweite Kampagnen laden zum Mitmachen ein. Aktuell sind unter dem Motto „Miteinander Stark“ alle MS-Erkrankten in einem Wettbewerb dazu aufgerufen, ihr Leben im Rahmen der Corona-Epidemie in Bild, Videos und Geschichten zu teilen. Zusätzlich vermitteln wir den Kontakt zu den Beratungsangeboten der Landesverbände.

Wird es auch nach der Krise dieses Online Angebot geben?

Auf jeden Fall. Die Arzt-Sprechstunden sind eine ebenso sinnvolle wie niedrigschwellige Weiterentwicklung der bekannten Experten-Foren und Chats. Die Abwicklung über MS Connect bietet – im Gegensatz zu öffentlichen Social-Media-Plattformen – darüber hinaus den Vorteil eines geschützten Raumes. Eine in jeder Lebenssituation leicht erreichbare Schnittstelle zwischen Kontaktgruppe und Social Media.

MenSchlich - kreativ und engagiert rund um MS

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung engagiert sich sowohl in der Erforschung von Nervenerkrankungen wie Multipler Sklerose als auch in der Unterstützung von Betroffenen. In der Rubrik MenSchlich erzählen wir die  Geschichten der Menschen rund um MS.

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