Gelebte Demokratie

Bei Jugend debattiert gibt es Debatten um Themen, die auch in der Politik noch nicht fertig verhandelt sind.

Arno Scholwin im Interview

Arno Scholwin hat bei Jugend debattiert mitgemacht und mit den erlernten Fähigkeitn ein wichtiges Werkzeug für seine berufliche Zukunft an die Hand bekommen.

Arno Scholwin ist 30 Jahre alt und lebt in Berlin. Nach diversen Praktika in der Film- und Fernsehproduktion studierte er an der Filmuniversität Potsdam-Babelsberg, wo er 2015 den Bachelor of Fine Arts für Montage erlangte. Seitdem befindet er sich im gleichnamigen Masterstudiengang und arbeitet nebenbei selbstständig als Editor, Bildtechniker und Post Production Supervisor.

Wann hast du deine ersten Erfahrungen mit Jugend debattiert gemacht?  

Das war in der 9. Klasse und wurde bei uns im Fach Politische Bildung angeboten. Im Unterricht fanden Vorqualifizierungen statt, ich gelangte als Regionalsieger zum Landeswettbewerb, bei dem ich dann ausgeschieden bin. 

Was ist dir von Jugend debattiert in Erinnerung geblieben?

Es war das erste Mal, dass im Unterricht Themen besprochen wurden, zu denen es kontroverse Standpunkte gab. Dadurch gab es auch zum ersten Mal eine Form für einen Austausch, abseits von populären Meinungen und Themen. Bei Jugend debattiert gab es Argumentationen, welche auch in der Politik oder in der öffentlichen Meinung noch gar nicht fertig verhandelt worden waren. Das war für mich und viele Schüler ein neuer und spannender Einblick.

Inwiefern sind diese Erkenntnisse heute noch für dich relevant? 

Es war für mich persönlich „gelebte Demokratie“. Und das ist in vielen Bereichen ein wichtiges Werkzeug, sowohl in Karrieresituationen, im privaten Umfeld als auch in sozialen Konflikten. Es ist eine gute Übungsmöglichkeit, mit Sprache umzugehen und Konflikte zu führen. In meinem jetzigen Beruf muss ich sowohl künstlerisch als auch psychologisch und technisch viel sprachlich vermitteln, übersetzen und abwägen. Das hat also einen Teil meines Karrieregrundsteins gelegt. 

Es wird ein Grundverständnis für Demokratie und generell moderne Gesellschaftsformen vermittelt. 

Beim Debattieren gibt es klare Regeln. Wie stehst du heute dazu? Findest du sie antiquiert?

Es hat definitiv ein konservatives Element. Dahinter steckt aber die Funktion der Fairness und der Strukturierung, was ich sehr begrüße. So entsteht ein angemessener Rahmen für eine gute Gesprächskultur. Man kann dadurch ein positives Selbstbewusstsein im Umgang mit Stimme und Sprache vermitteln, gerade den jüngeren Schülerinnen und Schülern. Jeder bekommt die gleiche Chance, „seinen“ Standpunkt zu vertreten. Im Umgang mit Sprache zu relevanten Themen und Regeln kenne ich nichts Vergleichbares, es ist definitiv ein wichtiges Werkzeug für Schüler.

Jugend debattiert versteht sich als Maßnahme politischer Bildung. Teilst du diese Einschätzung und wo siehst du diese Ansätze?

Der politische Ansatz steckt für mich darin, dass man ein Gefühl für demokratische Werte bekommt und was es bedeutet, in einer vielfältigen Gesellschaft zu leben, wieviel Freiheit man einräumen kann und wie man Themen aus verschiedenen Blickwinkeln diskutieren sollte – und dass es nicht einfach ist, Lösungen zu finden. Es wird ein Grundverständnis für Demokratie und generell moderne Gesellschaftsformen vermittelt. 

Wie erlebst du Debatten heute - zum Beispiel an der Hochschule oder im Beruf?

Die Positionen sind auf jeden Fall extremer geworden. Ich empfinde die Gesellschaft aktuell als gespalten, denn es gibt sehr viele verschiedene Meinungen, die alle zunächst unvereinbar scheinen. Auch ist der Wert des Individuums so hoch, dass der Blick für den gemeinsamen Nenner manchmal zu fehlen scheint. Die Regeln unserer Gesprächskulturen werden sehr viel schneller gebrochen, gleichzeitig scheint die Bereitschaft, eine Entscheidung zu fällen, wesentlich geringer. Es gibt keinen Respekt vor jenen, die Experten in ihrem Gebiet sind, und ich empfinde das als eine Rückentwicklung zu einem Diskurs, der zunehmend emotional und populistisch geführt wird.

Welche Rolle spielen Debatten konkret in einer Demokratie?        

Debatten sind die „virtuelle Arena“, um verschiedene Meinungen zu hören und Entscheidungswege herbeizuführen. Es ist per se demokratisch, Themen auf diese Art zu verhandeln. Wenn dieser Rahmen aufgebrochen wird, entwickelt man sich in Richtung anti-demokratischer Verhältnisse.

Über Jugend debattiert 

Jugend debattiert bringt bereits in der Schule jungen Menschen die Debatte näher: Im Unterricht und in einem bundesweiten Wettbewerb lernen sie, wie und wozu man debattiert, entwickeln ihre Persönlichkeit weiter und üben den Austausch von Argumenten.

Mehr über Jugend debattiert erfahren Sie hier