Bewusster leben

Es gibt für alles eine Lösung - man muss nur danach suchen. Daniel Bunk, Gründer des Projekts F.U.MS., im Gespräch.

Aufgeben ist keine Option

Mit dem Projekt F.U.MS bietet Daniel Bunk innovative Angebote für junge MS-Erkrankte an. EIn Gespräch über ein bewussteres Leben, das Weitermachen und Jürgen Klopp.

Mit dem öffentlichkeitswirksamen Projekt F.U.MS hat Daniel Bunk, selbst an MS erkrankt, gemeinsam mit seinem Kollegen Nils Klein aus seiner Wut nach der Diagnose eine Kampfansage gegen die Erkrankung gemacht. Sie haben innovative Angebote für junge Menschen geschaffen: Information und Austausch in Verbindung mit Konzerten und Videos. Für diesen mutigen und zukunftsweisenden Einsatz erhielten die beiden Initiatoren den Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe 2019. F.U.MS NRW hat seine Wurzeln in Kanada. Aaron Solowoniuk, Schlagzeuger der Rockband Billy Talent, ist selbst an MS erkrankt und hat F.U.MS in Kanada bereits 2006 ins Leben gerufen.

Wann haben Sie die besten Ideen?

Wenn ich allein mit unserem Hund durch die Felder spaziere, habe ich die besten Ideen. Um kreativ zu sein, brauche ich Freiheit und keinen Termindruck.

Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Gutes tun wollen?

Ganz in Ruhe und ganz allein eine gute Schallplatte aufzulegen, das tut gut! Das hat was Kuratives. Ich brauche keinen Druck, möchte alles langsamer und bewusster angehen. Es ist was anderes, eine Schallplatte aufzulegen, als Musik zu streamen. Das Schallplattending ist von Berufs wegen aufgekommen: Ich arbeite für Musikmagazine. Vor einigen Jahren gab es einen Boom, weil sich die Leute wieder für Platten interessiert haben. Daraus entstand MINT, das Magazin für Vinylkultur, für das ich als Sales-Manager arbeite. Aber Platten habe ich schon die ganze Zeit gesammelt und höre sie auf meinem zwanzig Jahre alten Schallplattenspieler.

Meine MS-Erkrankung hat zu einem "bewussteren Leben" und einer anderen Priorisierung geführt. Man bekommt einen anderen Blick auf alles, die Dinge verändern sich. Während ich heute die Ruhe schätze, war ich früher ständig auf Strom.

Wie motivieren Sie sich?

Indem ich mir immer wieder meine eigenen Ziele bewusst mache. Allerdings nehme ich Motivation gar nicht als etwas Bewusstes war. Es kommt einfach so. Wenn ich eine Idee habe, denke ich drüber nach und hole mir relativ schnell Feedback, denn darauf lege ich viel Wert. Zum Beispiel von meiner Frau. Sie sagt mir dann ehrlich, was sie von meinen Ideen hält.

Haben Sie ein Motto oder einen Vorsatz?

Aufgeben ist keine Option. Gerade in so einer Krise wie gerade, wünschte ich mir, dass das ein Motto für alle ist. Es hilft nicht, nur zu jammern. Ich würde mir wünschen, dass jeder für sich selbst schaut, wie er den Weg findet, sein Leben und sein Umfeld etwas besser zu machen. Das habe ich auch aus der Krankheit gelernt. Wichtig ist: Es gibt für alles eine Lösung, auch mit MS oder mit Corona. Man muss halt danach suchen und querdenken!

Was können Sie besonders gut?

Das mögen andere beurteilen. Die Felder Physik und Mathematik sind es nur ganz sicher nicht.

Auf was sind Sie stolz in Ihrem Leben?

Auf meinen Sohn. Weil er der beste Sohn der Welt ist. Weil er so offen ist und so ein gutes Herz hat, auch schon mit sieben Jahren.

Haben Sie einen Lieblingsort?

Ja, eine bestimmte einsame Bank auf einem Deich der Insel Fehmarn.

Wie tanken Sie Kraft?

Indem ich versuche, ausreichend Schlaf zu bekommen, d.h. rechtzeitig ins Bett gehen, planen, damit man nicht in den Stress kommt.

Der perfekte Tag – wie sähe der für Sie aus?

Keine Termine und nur Zeit mit der Familie verbringen.

Wen würden Sie gerne auf einen Kaffee treffen, wenn Sie die freie Wahl hätten?

Jürgen Klopp. Ich würde mir sehr gerne von ihm erzählen lassen, wie sein Übergang von Mainz nach Dortmund war. Und wie er die Zeit erlebt hat, als der BVB sich nach der Finanzkrise neu erfunden hat. Ich würde gerne von ihm wissen, ab wann er gemerkt hat, dass er ein großes Puzzleteil in dem Verein war. Wann ist ihm bewusst geworden, dass er so einen ikonischen Status erreicht hatte.

Hertie-Preis

Mit diesem Engagement-Preis würdigt die Stiftung Aktionen von Einzelpersonen oder Selbsthilfegruppen zugunsten neurodegenerativ oder MS-Erkrankter.  Auf den Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe können Sie sich noch bis zum 15. September 2020 bewerben.

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