Die Ruhe bewahren

Puya Shalchi Amirkhiz, Doktorand am Neuroimmunologischen Labor des Uniklinikums Dresden , im Interview. 

Probieren, bis es funktioniert

Puya Shalchi Amirkhiz forscht als Doktorand zu Multipler Sklerose. Ein Gespräch über Motivation, Frustration und verdiente Auszeiten.

Puya Shalchi Amirkhiz promoviert aktuell zum Thema Multiple Sklerose im Neuroimmunologischen Labor des Uniklinikums Dresden. Außerdem ist er Dolmetscher für Farsi sprechende Flüchtlinge am Uniklinikum Dresden. Er wurde von der Hertie-Stiftung über das medMS-Doktorandenprogramm gefördert. 

Herr Amirkhiz, wann haben Sie die besten Ideen?

Durch Labor-Meetings, gute Literatur oder Gespräche mit Freunden werde ich häufig zu neuen Ideen inspiriert. Es sind die verschiedenen Perspektiven zu einem Thema, die dazu führen, dass ich bisheriges Wissen zu neuen Inhalten verknüpfen kann. Häufig kommen mir Ideen aber auch ganz unspektakulär am Schreibtisch, wenn ich meine Gedanken zu einem bestimmten Thema schweifen lasse. 

Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Gutes tun wollen?

Wenn ich mir etwas Gutes tun möchte, nehme ich mir die Zeit für einen Wochenendausflug zu meinen Eltern und Geschwistern. Ich bin auf jeden Fall ein Familienmensch und genieße es, wenn wir es zeitlich schaffen, zusammenzufinden. In Dresden gehe ich gerne an der Elbe laufen oder in der Sächsischen Schweiz wandern. Aber auch die „kleinen“ Dinge, wie z.B. Essen gehen, gemütlich im Bett lesen, einen guten Film schauen oder mit Freunden einen Spieleabend veranstalten, sind eine tolle Möglichkeit, sich eine Auszeit zu nehmen. 

Wie motivieren Sie sich?

Meistens brauche ich gar keine zusätzliche Motivation, weil mich die MS thematisch schon seit ungefähr fünfzehn Jahren interessiert. Bei mir in der Familie gibt es einige Fälle von Multipler Sklerose, sodass ich früh mit der Erkrankung in Kontakt gekommen bin. Deshalb habe ich mich damals während des Bachelorstudiums in Bochum für ein Forschungsthema in der Neuroimmunologie entschieden und verfolgte diese Linie sowohl im Masterstudium als auch aktuell im Medizinstudium weiter. Falls es mir doch einmal an Motivation fehlt, versuche ich mir das Endergebnis bzw. das Ziel des Projektes vorzustellen und mir vor Augen zu führen, wie mich die abgeschlossene Aufgabe voranbringen würde. 

Haben Sie ein Motto oder einen Vorsatz?

In der Forschung muss man eine gewisse Frustrationstoleranz mitbringen, da natürlich nicht alles, und häufig auch gar nichts, auf Anhieb klappt. Ich sehe so etwas aber immer gelassen und habe Spaß daran, es weiter zu probieren, bis es funktioniert. Daher finde ich auch dieses Zitat von Thomas A. Edison toll: „Ich bin nicht gescheitert. Ich habe bloß 10.000 Wege gefunden, wie es nicht funktioniert.“ 

Was können Sie besonders gut?

Ich bin ein Mensch, der sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lässt und einen kühlen Kopf bewahrt. In stressigen Situationen, wie z.B. bei großen Prüfungen oder wichtigen Präsentationen, ist das sehr hilfreich. 

Auf was sind Sie stolz in Ihrem Leben?

Ich bin weniger stolz als dankbar für die Möglichkeiten, die sich mir im Laufe meines Lebens geboten haben. Meine Familie hat mich immer in jeder Lebenslage vollkommen unterstützt und in der Universität hatte ich das Glück, in tolle Arbeitsgruppen aufgenommen zu werden. Besonders die Möglichkeit, Medizin als Zweitstudium zu studieren, bedeutet mir sehr viel und motiviert mich zusätzlich, im Labor und Studium mein Bestes zu geben. 

"Ich bin weniger stolz als dankbar für die Möglichkeiten, die sich mir im Laufe meines Lebens geboten haben"

Haben Sie einen Lieblingsort?

Es gibt Orte, die beispielsweise wegen des Klimas, der Natur bzw. der Architektur besonders schön sind oder weil man dort etwas Besonderes erlebt hat. Am wichtigsten sind mir persönlich allerdings die Orte, die durch die dort lebenden Menschen zu etwas Besonderem werden. 

Wie tanken Sie Kraft?

Das ist ganz unterschiedlich und hängt davon ab, wovon meine Kraft verbraucht wurde. Manchmal tanke ich Kraft, indem ich Zeit mit meiner Familie oder mit Freunden verbringe, und manchmal, indem ich mich allein mit etwas beschäftige, was mir Spaß macht.

Der perfekte Tag – wie sähe der für Sie aus?

Ich würde früh aufstehen, weil ich gerne die morgendliche Ruhe genieße, bevor die ganze Stadt aufwacht, und ein kleines Training absolvieren. Im Anschluss würde ich mit meiner Familie ein ausgiebiges Frühstück mit leckerem Kaffee und Pfannkuchen (im Dresdner Raum eher Eierkuchen genannt) genießen. Den restlichen Tag würde ich dann auch mit meiner Familie verbringen. 

Wen würden Sie gerne auf einen Kaffee treffen, wenn Sie die freie Wahl hätten?

Ich würde gerne meine Großeltern und meinen leider bereits verstorbenen Opa aus dem Iran treffen. Ich habe sie das letzte Mal vor achtzehn Jahren gesehen und hatte insgesamt kaum die Möglichkeit, Zeit mit ihnen zu verbringen. 

MenSchlich - kreativ und engagiert rund um MS

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung engagiert sich sowohl in der Erforschung von Nervenerkrankungen wie Multipler Sklerose als auch in der Unterstützung von Betroffenen. In der Rubrik MenSchlich erzählen wir die  Geschichten der Menschen rund um MS.

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