Miteinander stark

Manuel Grimbach, Referent für Öffentlichkeitsarbeit beim Landesverband NRW der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, spricht im Interview über seine Arbeit und die öffentliche Wahrnehmung von Multipler Sklerose. 

"Das Wissen, dass wir gemeinsam viel erreichen können, treibt mich an"

Wie sind Sie zum MS-Engagement gekommen?

Das ist eine lange Geschichte. Ich habe 2003 meinen Zivildienst beim DMSG-Landesverband Rheinland-Pfalz abgeleistet. Die Arbeit und auch das Klima in der Geschäftsstelle haben mir damals schon sehr gut gefallen, sodass ich der DMSG dann auch im Studium treu geblieben bin. Währenddessen bekam ich bereits die Chance, die Öffentlichkeitsarbeit – damals noch in kleinem Maße – zu übernehmen. Nach dem Studium fragte mich Dieter Korfmann, der Landesgeschäftsführer der DMSG in Rheinland-Pfalz, ob ich mir vorstellen könnte, bei der DMSG weiterzuarbeiten. Und auch der DMSG-Landesverband NRW bekundete Interesse und nahm mich ins dortige Team auf.

"Das Ziel der Öffentlichkeitsarbeit ist immer, dass möglichst viele Menschen mit MS auf die Angebote der DMSG aufmerksam werden."

Worin besteht Ihre Arbeit? 

Die Arbeit für die DMSG ist sehr vielfältig. Sie reicht von den Arbeiten auf Webseiten über die Social-Media-Kanäle, Veranstaltungen, Benefizaktionen, Magazinen bis zu Online-Seminaren. Das Ziel der Öffentlichkeitsarbeit ist immer, dass möglichst viele Menschen mit MS auf die Angebote der DMSG aufmerksam werden. Wir bedienen uns in der DMSG verschiedener Vorgehensweisen, für die ich in RLP und NRW maßgeblich zuständig bin: Die Gestaltung unserer Internetmedien, die Planung des Mitgliedermagazins und auch Online-Seminare zu koordinieren und technisch zu betreuen gehören u.a. dazu. Aber auch die Vorbereitung von Veranstaltungen und deren Bewerbung sind Teil meiner Tätigkeiten.

Gibt es ein aktuelles Projekt, vom dem Sie erzählen können?

Ein aktuelles Projekt mussten wir gerade aufgrund der Corona-Pandemie verschieben, aber es wird im Frühling 2022 nachgeholt: das Benefizkonzert der Big Band der Bundeswehr mit Max Mutzke zu unserem 40-jährigen Jubiläum in NRW. Die Arbeit mit den Verantwortlichen macht viel Spaß und ich freue mich sehr, wenn wir das Konzert in der großartigen Kulisse der Historischen Stadthalle in Wuppertal durchführen können. 

Was treibt Sie in Ihrer Arbeit an? 

Das Wissen, dass wir gemeinsam viel erreichen können. Es treibt mich an, Projekte umzusetzen, die auf guten Ideen aufgebaut sind. Wenn ich als Beispiel das Projekt „Plan Baby bei MS“ nehme, so fand ich die Idee von Frau Wendt und die Umsetzung im Projekt durch Frau Dr. Schipper ganz großartig. Die Möglichkeit, dass junge Menschen mit MS die Möglichkeit haben, sich beim Thema Kinderwunsch an einen neutralen Fachverband wenden zu können, ist sehr wichtig und wurde durch die Sozialdienste im ganzen Land auch aktiv gelebt. Es freut mich, dabei helfen zu können, solche Projekte umzusetzen. Die Zusammenarbeit mit den Geschäftsführern und Kollegen in „meinen“ Landesverbänden, aber auch mit den anderen Landesverbänden und dem Bundesverband ist immer ein Gewinn!

Was waren besondere Momente im Rahmen Ihres MS-Engagements?

Letztes Jahr gab es die Veranstaltung „Selbsthilfe meets Wissenschaft“ in der Charité in Berlin. Dort sind wir mit 25 MS-Erkrankten aus NRW losgefahren und haben erfahren, wie die Selbsthilfe und die Wissenschaft voneinander profitieren können. Diese Zeit in Berlin war für mich ganz besonders.

Wie sind die Reaktionen auf Ihre Arbeit, insbesondere von Betroffenen?

Die Öffentlichkeitsarbeit ist meist mehr oder weniger ausführendes Organ. Das bedeutet, ich bekomme sehr viele Reaktionen – meist außerordentlich positive –, allerdings gilt der Dank auch immer den Leuten, die viel Kraft in die einzelnen Projekte gesteckt haben.
Das beste Beispiel ist gerade jetzt die Ausführung der vielen Online-Seminare. Das Feedback, das ich bekomme, ist enorm positiv und ich freue mich darüber. Dieser Dank gilt aber natürlich auch all den anderen Kollegen und Referenten, die die Seminare planen und umsetzen.

"MS heißt Multiple Sklerose und nicht Muskelschwund!"

Was wissen viele Menschen nicht über MS, sollten es aber?

MS heißt Multiple Sklerose und nicht Muskelschwund! Gott sei Dank ist dies mittlerweile schon in vielen Köpfen angekommen. Aber tatsächlich finde ich die Vielfältigkeit der Erkrankung sehr schwer zu vermitteln. Dass es aber eben die Krankheit mit den 1.000 Gesichtern ist, sollten die Menschen lernen zu verstehen.

Was würden Sie sich von Politik und Öffentlichkeit in Bezug auf MS wünschen? 

Ich würde mir einfach mehr Bewusstsein wünschen: Bewusstsein für Behinderung, Bewusstsein für chronische Erkrankung und dass es hierbei immer um den Menschen geht!

Haben Sie ein Motto oder einen Vorsatz? 

Eigentlich nicht. Aber ich finde, dass das Motto unseres Welt-MS-Tages: „Miteinander stark“ schon sehr abbildet, was auch mir wichtig ist und wofür ich meinen persönlichen Beitrag leisten will. 

Was können Sie besonders gut?

Das ist tatsächlich eine schwierige Frage, auf die ich im ersten Moment erst einmal mit „Nichts“ beantworten würde. Ich glaube, dass meine Stärke aber auch genau darin liegt, dass ich ein „Allrounder“ bin und mehrere Bereiche ganz gut bearbeiten kann. 

Wen würden Sie gerne auf einen Kaffee treffen, wenn Sie die freie Wahl hätten?

Elisabeth Noelle-Neumann. Ich habe in Mainz Publizistik studiert und die Gründerin des Instituts hat uns dabei immer begleitet. Ich glaube, dass sie eine sehr beeindruckende Persönlichkeit war und ich mir ihre Geschichte sehr gerne angehört hätte, um mich auch kritisch mit dieser auseinanderzusetzen.
 

MenSchlich - kreativ und engagiert rund um MS

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung engagiert sich sowohl in der Erforschung von Nervenerkrankungen wie Multipler Sklerose als auch in der Unterstützung von Betroffenen. In der Rubrik MenSchlich erzählen wir die  Geschichten der Menschen rund um MS.

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