Positive Effekte des Sport

Stephanie Woschek ermöglicht Multiple Sklerose-Betroffenen die Teilhabe an der Gemeinschaft durch Sport und Bewegung.

MenSchlich-Interview mit Stephanie Woschek

Dr. Stephanie Woschek hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und ein Trainingsprogramm für MS-Patienten entwickelt. Im Interview berichtet sie über die Motivation, sich mit anderen Menschen über den Sport zu verbinden.

Sport und Bewegung sind für Stephanie Woschek schon immer feste Bestandteile ihres Lebens. Seit März 2019 ist sie als Referentin für Sport und Funktionstraining bei der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) im Landesverband Hessen tätig und begleitet MS-Patienten bei ihrem individuellen Training. Die Sportwissenschaftlerin hat mit SpoKs eine sportorientierte Kompaktschulung speziell für Menschen mit Multipler Sklerose entwickelt, die der Verbesserung der Lebensqualität und der Teilhabe an gemeinschaftlichem Sport und Bewegung dienen soll. Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung hat das Kooperationsprojekt durch die Initiative mitMiSsion unterstützt.

Liebe Frau Dr. Woschek, wann haben Sie die besten Ideen?

Die besten Ideen habe ich beim Auto- oder Zugfahren, dann habe ich die Ruhe und Zeit, mir Gedanken zu machen. Aber auch der Austausch mit anderen Menschen bringt mich immer wieder auf gute Ideen, denn die Perspektiven meiner Gesprächspartner inspirieren mich.

Was tun Sie, wenn Sie sich etwas Gutes tun wollen?

Wenn ich mir etwas Gutes tun will, dann nehme ich mir gerne Zeit für mich und die verbringe ich dann meistens beim Sport. Diesen Bereich habe ich nicht nur beruflich gewählt, sondern es ist auch privat immer noch die beste Zeit für mich; wenn ich auf dem Tennisplatz bin und dort Gleichgesinnte und Freunde treffen kann, durch den Wald laufe oder Fahrrad fahre. Die Bewegung macht mir bis heute am meisten Spaß. Momentan gönne ich mir diese Zeit etwas zu wenig, aber etwas Gutes für mich zu tun, beinhaltet meistens Sport.

Wie motivieren Sie sich?

Das ist eine interessante Frage für mich, denn diese stelle ich oft den Teilnehmern meiner Schulungen. Aber ich selbst frage mich tatsächlich selten, was mich im Alltag motiviert. Es kommt ein bisschen auf den Bereich an: Beim Sport motiviert mich ganz klar das pure Gefühl der Bewegung, sich zu verbessern, der Wettbewerb wie auch das soziale Miteinander im Team. Da brauche ich keine Motivation, denn dieses Gefühl ist sofort wieder da, wenn ich Sport mache. Genauso ist es morgens beim Aufstehen, ich bin ein Morgenmensch und mag das, was ich tue gerne: sei es im Beruf, in der Vereinsarbeit oder das, was mich den Tag über mit meiner Familie so erwartet. Positives Feedback von MS-Patienten zu meiner Arbeit motiviert mich natürlich auch, aber grundsätzlich tue ich das alles leidenschaftlich gerne und ohne große Motivationsarbeit. Motivieren muss ich mich nur beim Kochen oder bei der Hausarbeit.

Haben Sie ein Motto oder einen Vorsatz?

Einen bestimmten Satz habe ich nicht. Ich nehme mir vor, nichts auf später zu verschieben. Denn ich befinde mich gerade – wie der Comedian Eckart von Hirschhausen die Zeit nennt - in den „Rush Hour Jahren“: Haus bauen, Kinder großziehen, Karriere machen usw. Ich weiß, wie schlagartig sich das Leben ändern kann, leider nicht immer zum Positiven. Daher möchte ich nicht nur über Dinge reden, sondern wirklich handeln und nicht auf irgendetwas warten. Ich finde es wichtig, die Zeit dazwischen zu genießen.

Was können Sie besonders gut?

Das habe ich mich auch gefragt. Ich glaube, ich kann Menschen gut für Sport begeistern. Da nutze ich meine eigene Begeisterung für den Sport, versuche andere mitzuziehen. Häufig gelingt mir das sogar bei Menschen, die krankheitsbedingt noch am Anfang stehen und sich selbst schwerer dafür motivieren können. Ich glaube, da habe ich eine ganz gute Art, Menschen zu begeistern.

Auf was sind Sie besonders stolz in Ihrem Leben?

Ich bin besonders stolz auf meine zwei Kinder und unsere kleine Familie. Sicherlich bin ich auch stolz auf meine Arbeit und meine sportlichen Leistungen, aber wenn ich an meine Kinder und meinen Mann denke, könnte ich manchmal platzen vor Stolz.

Ich weiß, wie schlagartig sich das Leben ändern kann. Daher möchte ich nicht nur über Dinge reden, sondern wirklich handeln.

Haben Sie einen Lieblingsort?

Es gibt keinen Ort, an den ich bewusst gehe. Ich bin schon einige Male umgezogen und viel durch die Welt gereist, aber wenn für mich wichtige Menschen an meiner Seite sind, dann fühle ich mich überall wohl; auch an den Orten, die vielleicht gar nicht so besonders sind. Der Ort, an dem ich sicherlich sehr schnell zu Ruhe komme, ist meine alte Heimat, wo ich herkomme, meine Eltern und viele Freunde von früher wohnen, das badische Land. Aktuell ist mein absoluter Lieblingsort dort, wo meine Familie ist.

Wie tanken Sie Kraft?

Wenn ich draußen in der Natur bin, im Wald an der frischen Luft, in der Sonne, egal bei welchen Temperaturen, dann sind das Orte, an denen ich schnell Kraft tanken kann.

Wie würde für Sie der perfekte Tag aussehen?

Der perfekte Tag beginnt frühmorgens mit einem guten Frühstück, denn das ist für mich schon immer Familienzeit und die möchte ich ausgiebig genießen. Der perfekte Tag muss natürlich Sport beinhalten, viel Zeit und Bewegung an der frischen Luft und die Sonne muss scheinen, egal wie warm oder kalt es ist. Dann ist natürlich meine Familie bei mir, alle sind gut gelaunt, machen viel Quatsch und haben Spaß. Abends wird schön gemeinsam gegessen, mit viel Musik und Tanzen, denn gute Musik gehört auf jeden Fall zu meinem perfekten Tag dazu.

Wen würden Sie gerne zum Kaffee treffen?

Jemanden wie Bud Spencer. Gerade habe ich seine Biografie gelesen und glaube, er hätte viel zu erzählen. Es sind vor allem ältere Menschen, die viel von dem Zeitgeschehen der Nachkriegszeit erlebt haben, die ich gerne treffen würde. Aber auch historische Personen würden mich interessieren: Mit Albert Einstein hätte man bestimmt super plaudern können.  

MenSchlich - kreativ und engagiert rund um MS

Die Gemeinnützige Hertie-Stiftung engagiert sich sowohl in der Erforschung von Nervenerkrankungen wie Multipler Sklerose als auch in der Unterstützung von Betroffenen. In der Rubrik MenSchlich erzählen wir die  Geschichten der Menschen rund um MS.

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