Die chronische Nervenkrankheit Parkinson

Im Interview spricht Prof. Dr. Thomas Gasser über die wichtigsten Fakten zu Parkinson und den Stand der aktuellen Forschung.

Interview mit Prof. Dr. Thomas Gasser

Von der Nervenkrankheit Parkinson sind Etwa 400.000 Menschen in deutschland betroffen, unter anderem der Fernsehmoderator Frank Elstner.

Frank Elstner ist davon betroffen und geschätzte weitere 400.000 Menschen in Deutschland ebenfalls: Parkinson, eine unheilbare chronische Erkrankung des Nervensystems. Die sogenannte „Zitterlähmung“ betrifft vor allem ältere Menschen und wird daher immer relevanter in unserer alternden Gesellschaft. So offen wie der populäre Fernsehmoderator Frank Elstner sprechen allerdings nur wenige in der Öffentlichkeit über die Krankheit. Wir haben mit Prof. Dr. Thomas Gasser vom Hertie-Institut für klinische Hirnforschung in Tübingen ein kurzes Interview geführt, in dem der Neurologe mit Schwerpunkt Neurodegenerative Erkrankungen die wichtigsten Fragen rund um Morbus Parkinson beantwortet.

Hertie-Stiftung: Die Angst vor einer neurodegenerativen Erkrankung wie Alzheimer oder Parkinson ist groß. Gibt es für Parkinson ein untrügliches Zeichen?

Prof. Gasser: Nein, gibt es nicht. Parkinson ist sogar in den Anfangsstadien oft durch sehr unspezifische Symptome gekennzeichnet, deshalb ist es wichtig, dass man relativ früh zu einem Spezialisten kommt, also einem neurologischen Zentrum mit entsprechender Erfahrung, der es dann auch erkennen kann.

Deutscher Fernsehpreis 2012 - Frank Elstner
Der Moderator Frank Elstner ist an Parkinson erkrankt, Foto: © JCS, Wikimedia Commons

Hertie-Stiftung: Nehmen diese Erkrankungen, wie häufig behauptet wird, denn wirklich zu?

Prof. Gasser: Die Gesamtzahl nimmt zu, da die Zahl älterer Menschen zunimmt, das altersbezogene Risiko für den Einzelnen aber nicht.

Hertie-Stiftung: Diagnose Parkinson – was sind aus Ihrer Sicht die nächsten Schritte für den Betroffenen?

Prof. Gasser: Eigentlich wie oben beschrieben: eine Behandlungsplanung sollte durch einen Spezialisten an einem ausgewiesenen Zentrum passieren, die Überwachung der Therapie kann dann in der Regel vor Ort durch den niedergelassenen Neurologen oder auch den Hausarzt erfolgen. Wichtig ist immer, dass auch nicht-medikamentöse Therapien wie Krankengymnastik, Logopädie, Sport, soziale Aktivitäten – zum Beispiel gibt es einen Parkinson-Chor – wichtige Bestandteile einer erfolgreichen Behandlung sind.

Hertie-Stiftung: Wird die Medizin Parkinson jemals heilen können?

Prof. Gasser: Das weiß niemand so genau. Heilen ist wahrscheinlich ganz schwierig, weil beim Ausbruch der Erkrankung schon so viel Wichtiges zerstört ist. Aber den Ausbruch verhindern oder zumindest deutlich hinausschieben – das halte ich durchaus für möglich. Bei einigen besonderen Fällen, z.B. denen mit einer klaren genetischen Verursachung, wird das vielleicht sogar gar nicht mehr so sehr lange dauern.

Hertie-Stiftung: Wir danken Ihnen für das Gespräch!

Das hertie-institut für klinische hirnforschung

Das Hertie-Institut für klinische Hirnforschung (HIH) in Tübingen ist eines der bundesweit größten und modernsten Zentren zur Erforschung neurologischer Erkrankungen. Es wurde 2001 gegründet, die Fördermittel der Hertie-Stiftung seitdem betragen mehr als 50 Mio. Euro.

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